Schlagwort: waldkommunismus
Verschwörer II
Hatte ich nicht neulich noch gefragt, ob der harmlos wirkenden Zusammenkunft von Igel, Bär und Fuchs nicht ganz andere, sinistre Pläne zugrundeliegen könnten?
Ob die geschickt als Sympathieträger getarnten Verschwörer nicht sogar DEN UMSTURZ aushecken würden?
Jetzt liegen mir zusätzliche Daten vor, die meine schreckliche Vermutung bestätigen!
Aber seht selbst:
Verschwörer
Waldkommunismus: Wenn hier nicht schon wieder der Umsturz vorbereitet wird!
Waldkommunismus: Der Besuch des Kängurus
Eines Tages machten sich Bär, Fuchs und Hase auf zu einer Inspektionsreise durch den Nordwald. Sie sollten im Auftrag des Obersten Rates der Freien Tierrepublik untersuchen, wie die Beschlüsse der Großen Tierversammlung umgesetzt wurden und wie die Waldtiere damit zurechtkamen. In der Großen Tierversammlung diskutierten nämlich alle Waldtiere die Anliegen des Waldes und seiner Bewohner und dachten sich neue gute Ideen aus, um das Waldleben noch besser und einfacher zu machen.
Der neugierige Hase sollte die Waldtiere befragen und alles notieren. Der Fuchs als der Schlaueste von allen Tieren konnte am besten Fragen beantworten und den anderen Tieren die Vorzüge der Tierrepublik erklären. Der Bär war dabei, weil er der stärkste war und eingreifen konnte, wenn Gefahren auftauchten. Zum Beispiel von Menschen, die eigentlich nichts mehr im Nordwald zu suchen hatten, aber immer noch versuchten, Jagd auf die Tiere zu machen und sie zu schwerer Sklavenarbeit in ihren Häusern und Höfen zu verpflichten.
Besonders auf den Bären hatten sie es abgesehen, denn er war einer der seltenen Buschelbären, so genannt wegen der buschigen langen Rute, die den Buschelbären zu eigen ist. Normale Bären haben bekanntlich nur einen kurzen Stummelschwanz. Schon mehrfach hatten Fangtrupps der Menschen versucht, den Bären einzufangen, um ihn auf ihren Volksfesten zur Belustigung der Besucher zum Tanzen zu zwingen und ihn allerlei Kunststücke aufführen zu lassen.
Außerdem umflatterte sie noch Peter der Rabe, ein Kumpel vom Bären. Peter der Rabe war ein etwas seltsamer Geselle, der meistens in Reimen sprach, weshalb viele sich über ihn lustig machten. Aber das machte ihm gar nichts aus. Im Gegenteil, er lachte dann und freute sich darüber, dass er andere zum Lachen bringen konnte.
Er machte sogar Spottverse über sich selber, wie diesen hier:
Rabenschwarzer Peter
Wenn er fällt dann steht er
Wenn er läuft dann fällt er
Wenn er krächzt dann bellt er!
Jedenfalls waren Bär und Rabe unzertrennlich und gemeinsam waren sie die besten Beschützer, die man sich denken konnte: der Bär mit seiner Kraft und der Rabe mit seiner Fähigkeit, hoch in die Luft zu fliegen und alle Gefahren schon von weitem zu erkennen.
Als die Gefährten durch das Waldgebiet der Feen und Elfen kamen, rief der Bär seine Kameraden zu Wachsamkeit und Vorsicht auf, denn dort konnte es einem widerfahren, dass man, wenn man vom Weg abkam, in eine der Magie- und Schabernackzonen geriet und in etwas ganz anderes verwandelt wurde oder dass irgendetwas sehr Seltsames passierte. Aber da war es schon zu spät, der Rabe hatte mit einem seiner Flügel eine solche Zauberzone gestreift und schon stand er still und stumm wie ein Fisch in der Luft, obwohl Fische ja nicht fliegen können.
Auch den Hasen hatte es erwischt, mit seinem Rumgehoppel war er wohl ebenfalls in den Wirksamkeitsbereich des Feenzaubers geraten. Zum Glück blieb er nicht still und stumm an einer Stelle stehen, sondern konnte sich noch bewegen, aber nur rückwärts. Solche Scherze waren typisch für die Waldelfen, die sich einen Spaß daraus machten, unschuldige Wanderer zu foppen und sich darüber scheckig zu lachen. Sie meinten es aber nicht böse, und ihre Zaubersprüche und magischen Feenstaub-Kreise hielten immer nur etwa zehn Minuten lang, dann war alles wieder wie immer.
So konnten unsere Freunde ihre Reise fortsetzen und wollten gerade zwei Eulen, die am Waldrand saßen, befragen, wie sie in der neuen Tierrepublik so zurechtkamen. Die Eulen gelten nämlich, neben den Füchsen, als die weisesten aller Tiere und die Reisenden versprachen sich von einem Eulen-Interview solide und konkrete Informationen.
Da aber raschelte es im Unterholz und ein Tier kam heraus gehüpft, wie die Wanderer noch nie eines gesehen hatten. Die Hüpfer dieses Tieres, das entfernt an einen Hasen erinnerte, waren schon keine Hüpfer mehr, sondern riesig weite Sprünge, die es mit seinen großen Hinterbeinen vollführte.
Das Hüpf-Tier stellte sich als „Känguru“ vor und erklärte, es käme von der anderen Seite der Welt. „Aus dem Südwald etwa?“ fraget der Bär, denn das war das Weiteste, was er außerhalb des Nordwaldes, seiner Heimat, kannte.
„Nein, von der anderen Seite der WELT!“
Das konnte sich der Bär aber nun überhaupt nicht vorstellen, dass es eine andere Seite der Welt geben sollte, denn seine Welt war wie gesagt der Wald. Aber der Fuchs, weil er sehr schlau und belesen war, verstand genau, was das Känguru meinte, denn er hatte einmal, als er durch das Fenster einer menschlichen Behausung schaute, einen Globus gesehen und sofort verstanden, was das war.
„Wenn du aber von so weit her kommst, wie hast du dann diese gewaltige Entfernung zurückgelegt?“, wollte er wissen. „So weit ich sehen kann, hast du ja keine Flügel, sondern nur dicke Hinterbeine. Und auch wenn du damit sehr schnell springen kannst, würde es doch Jahre brauchen, bis du hier zu uns in den Nordwald gelangst!“
„Hm“ machte das Känguru und kratzte sich am Kopf. „Das weiß ich nicht mehr! Wir Kängurus haben ein SEHR kurzes Gedächtnis, deswegen bewahren wir alle möglichen Zettel in unserem Beutel auf, auf denen alles aufgeschrieben steht, was wir tun und besorgen müssen!“
Das leuchtete den drei Nordwaldkameraden ein, und der vierte von ihnen, Peter der Rabe, hüpfte von der Buschelrute des Bären auf dessen Kopf und begann, ihm die Kopfhaut zu kratzen. Das machte er immer, wenn der Buschelbär nachdenken musste, denn das beschleunigte die Gedanken des Bären, die normalerweise ziemlich langsam waren und hauptsächlich um Honig und um Schlaf kreisten. Jetzt aber, angeregt vom „Kritze-Kratze“ der scharfen Rabenkrallen, kam dem Bären die Erleuchtung und er platzte heraus: „Ich hab‘s! Du bist bestimmt von euren Feen und Elfen verzaubert worden und auf diese Weise hierher gekommen!“
Mit dieser Erklärung waren alle zufrieden. Nun griff das Känguru in seinen Beutel und holte einen Stapel Bücher hervor, die es als Geschenk für die Nordwaldtiere mitgebracht hatte. Es waren aber lauter Bücher mit gewichtigen, komplizierten Themen, schwer zu lesen und schwer zu begreifen – deshalb fielen sie bei der Übergabe an den Hasen erstmal zu Boden.
Aber aus den Augenwinkeln hatte der Hase einen der Titel gelesen: „Physikalische und Mathematische Grundlagen der Känguru-Sprungtechnik: Wissenschaftliche Studie und Praktischer Leitfaden“ und war wie elektrisiert, den obzwar er ein ziemlich schneller Läufer und auch ein recht guter Hüpfer war – an die Geschwindigkeit und Weite der Känguru-Sprünge kam er bei weitem nicht heran. Schon stellte er sich vor, wie er mit dem Wissen und den Kniffen aus diesem Buch seine Sprungtechnik so verbessern könnte, dass er der ungekrönte König der Hasenwelt sein würde. Mit der Hasenwelt meinte er natürlich vor allem die Welt der Hasendamen, in der die Heiratschancen der Hasenmänner stiegen, je größer und eleganter ihre Sprünge waren.
Die Freunde nahmen die Gastgeschenke dankend an und revanchierten sich mit einer Ausgabe der NORDWALD-FIBEL, dem Manifest der Freien Tierrepublik des Nordwaldes, in dem die Prinzipien und Ziele der Tierrepublik beschrieben wurden.
Das vergeßliche Känguru fand in seinem Beutel sogar noch den Zettel, auf dem der Grund seines Besuches stand, und las den Freunden die Grußadresse der Tiere von der anderen Seite der Welt vor:
„Die Kunde eures erfolgreichen Aufstandes gegen die Tyrannei der Menschen ist zu uns gedrungen! Wir Tiere von der anderen Seite der Welt freuen uns mit euch und für euch, und wünschen eurer Republik alles Gute und immer genug zu essen!
Hier bei uns gibt es sehr wenig Wald, dafür aber ganz viel Wüste und Grasland, und viele Millionen Rinder und Schafe. Wie ihr wißt, sind die ziemlich dumm und glauben den Menschen alles, was die ihnen erzählen. Darum haben wir wohl noch einen langen Marsch vor uns, bis es auch bei uns Freiheit für die Tiere gibt.
Hurra dem vollen Bauch!
Hurra der sicheren Höhle!
Hurra der Tierrepublik Nordwald!
Hurra der Tier-Freundschaft!“
Das fanden die anwesenden Tiere von dieser Seite der Welt richtig klasse, und man verabschiedete sich unter großem Hallo und Hurra, denn das Känguru musste sich auf den Weg machen, sonst wäre der Reisezauber verflogen und es hätte für immer im Nordwald bleiben müssen.
Nach dieser erstaunlichen Begebenheit hatten unsere Freunde keine große Lust mehr auf weitere Befragungen und Interviews, außerdem neigte sich der Tag seinem Ende zu. Alle hatten inzwischen Durst und Hunger wie ein Bär, obwohl ja nur einer von ihnen ein Bär war. Nur der Hase wollte noch etwas bleiben und in dem Buch lesen, damit er bald so große Sprünge wie das Känguru machen konnte. „Komm doch mit, Hase!“, versuchte ihn der Bär zu überzeugen , „wir gehen in die Waldschänke und lassen uns prächtig auftischen!“
„Geht nur vor!“ antwortete der Hase, „Ich komme später, ich kann das Buch noch nicht weglegen!“
Aber wenig später wurde es zu dunkel zum Lesen und bald darauf fand sich auch der Hase in der berüchtigten Waldschänke „Zur Blauen Eule“ ein. Die Schänke hieß so, weil die Wirtin einmal Streit mit einem Zauberer bekam und dieser ihr aus Rache das Gefieder blau einfärbte. Was der dumme Zauberer nicht wusste, war, dass die Eulenwirtin sowieso schon immer blau sein wollte. Blau war nämlich ihre Lieblingsfarbe, weil ihr Schatz ein Blauwal war. Natürlich verriet sie das dem Zauberer nicht. So wurde sie immer an ihren Schatz den Blauwal erinnert, wenn sie sich im Spiegel sah, denn wie man weiß, lebt der Blauwal im Meer und ist nebenbei das größte Tier der Erde, so dass er garnicht in die Waldschänke hineingepasst hätte. Darum sahen sich die beiden so gut wie nie, aber ihre Liebe war frisch wie am ersten Tag. Vielleicht gerade deswegen!
Klar, dass es sehr spät wurde, denn die Ereignisse des Tages mussten wieder und wieder erzählt werden, jedem fielen andere und neue Details ein, und mit jedem Mal schien den Freunden das Erlebte seltsamer und zauberhafter, so dass sie am Ende nicht mehr wussten, ob sie es wirklich erlebt hatten oder ob alles eine Auswirkung des Feenzaubers in der magischen Zone des Waldes gewesen war. Da sie aber Tiere waren, war ihnen das herzlich egal. Sie lachten und tranken, und lachten noch etwas mehr und bestellten sich noch eine Runde zu trinken, und wann das Gelage geendet hat, wusste am nächsten Morgen niemand zu sagen.
Waldkommunismus: Solidarität ist die Zärtlichkeit der Waldtiere
Einmal drohte im Südwald eine große Hungersnot, denn die Hasen und Hamster und anderen Nüssesammler hatten nicht genügend Nahrungsmittel gesammelt, um den kommenden Winter zu überstehen.
Sie hatten nämlich den ganzen Sommer über Feste gefeiert, sich an Tollkirschen berauscht und sich überhaupt allerlei Vergnügungen hingegeben, die Hasen lieben und die alle aussehen wie rhythmische Sportgymnastik, aber zu zweit. Doch das ist eine andere Geschichte.
Die Tiere des Nordwaldes hörten von der misslichen Lage und beschlossen nach einiger Diskussion, den Kameraden im Südwald mit einer großzügigen Lieferung an Nahrungsmitteln – in erster Linie Kürbisse, Nüsse und Beeren – zu Hilfe zu kommen.
Der Bürgermeister des Nordwaldes, ein Eichhörnchen, konnte sich allerdings mit dieser Idee überhaupt nicht anfreunden, denn es sah durch diese Maßnahme seinen eigenen Wintervorrat gefährdet. Das lag daran, dass das Eichhörnchen, obschon es Bürgermeister war, noch vom alten Denken geprägt war und die Freie Tierrepublik des Nordwaldes innerlich noch nicht wirklich gutheißen konnte.
Die anderen Tiere überstimmten aber ihren Bürgermeister und stellten eine Hilfslieferung zusammen, die von Edna der Eule genauestens erfasst wurde. So sollte eine gerechte Verteilung der Hilfsgüter unter den Bewohnern des Südwaldes gewährleistet werden.
Der allzeit hilfsbereite Bär, immer an vorderster Front, wenn es darum ging, Solidarität zu üben und die Errungenschaften der Tierrepublik zu verteidigen, bot sich freiwillig an, den schweren Karren bis zum Südwald zu ziehen.
So gelangten sie nach einem einigermaßen anstrengenden Marsch in den Südwald, wo die versammelten Hasen und Nager ihr Glück kaum fassen konnten.
Edna die Eule wollte gerade den Verteilungsschlüssel der mitgebrachten Früchte und Nüsse bekannt geben und die Hasen zur Mäßigung aufrufen, denn Hasen und Hamster sind dafür bekannt, dass sie keine Verwandten kennen, wenn’s um Nüsse, Mandeln, Pistazien, Pinienkerne und dergleichen geht. Jeder im Wald kannte die Geschichten vom Hasen, der seine eigene Hasengroßmutter an den Fuchs verkaufte, um einen Sack Macadamianüsse zu ergattern. Jedenfalls rangelten die Hasen schon um den größten Anteil und brachten dabei den ganzen Korb zum Kippen, so dass sich alle Nüsse auf den Waldboden ergossen.
Die Eule flog vor Schreck auf, der Bär schüttelte nur sein weises Haupt, weil er sich sowas schon gedacht hatte, und die Hasen und Hamster machten lange Gesichter.. . aber nur ganz kurz, dann fingen sie an sich die Backen und die Taschen voll zu stopfen mit all den herrlichen Nüssen.
„Und was ist mit den schönen dicken Kürbissen?“ fragte der Bär, „Wollt ihr die nicht auch haben?“
„Och nö…“, sagten die Hasen, „das ist nichts für uns, aber wir können sie ja mitnehmen für unsere Freunde, die Rehe.“ Die Hamster nickten; reden konnten sie schon nicht mehr, weil ihre Hamsterbacken fast platzten, so vollgestopft waren sie mit Nüssen.
Damit war auch die Eule zufrieden, deren ursprünglicher Verteilungsplan eine ganz andere Aufteilung vorgesehen hatte. Aber die ideologische Kraft der Tierrepublik bestand ja gerade darin, dass sie es verstand, sich auf ständig wechselnde Situationen einzustellen und ihre Maßnahmen entsprechend anzupassen.
Schließlich hatten sich alle bedient, Vorräte angelegt, und die Lebensmittel waren verteilt.
Eine Junghasengruppe in den Uniformen der Hasenpioniere schwenkte zum Abschied begeistert die rote Fahne der Tierrepublik (einer hatte auf die Schnelle keine Fahne gefunden und hielt ein paar rote Luftballons in der Hand) und sang die Hymne der Tierrepublik:
„Alles teilen, alles geben,
für ein tiergerechtes Leben,
ohne Hunger, ohne Not –
darum ist unsre Fahne rot!“
Der mit den Luftballons jedoch war ein getarnter Spion der Menschen, die meinten, dass der Wald ihnen gehöre und die auf Tiere Jagd machten. Seine Aufgabe war, Zweifel und Zwietracht zu säen und den Tieren im Wald einzureden, dass es sowieso nie was werden würde mit der Tierrepublik, weil Menschen einfach schlauer wären als Tiere und weil es außerdem in der tierischen Natur läge, den Menschen untertan zu sein.
Deshalb sang der Luftballonhalter die Hymne zwar von der Melodie her korrekt mit, aber mit einem subversiven Text, den ihm seine menschlichen Führungsoffiziere aufgeschrieben hatten:
„Alles teilen, alles geben,
gibt ein Hungerleider-Leben,
Ohne Menschen wächst die Not
und am Ende sind wir tot!“
Die anderen Hasenpioniere hatten aber den Spion, der sich bei Ihnen eingeschlichen hatte, schon längst durchschaut. Sie ließen ihn gewähren, um den menschlichen Feinden auf die Spur zu kommen, die ihn auf sie angesetzt hatten. Außerdem hatte der Spion eine krächzende, piepsige Stimme, so dass er sich ohnehin nur blamierte und nicht wirklich den Chor der Hasenpioniere stören konnte.
Während die Hasenpioniere noch sangen, erschien aus der Tiefe des Waldes Ernesto der Hasenpatriarch, ein in vielen Kämpfen gestählter Rammler, der so manchem Fuchs ein Schnippchen geschlagen und so manchem Jäger entkommen war.
„Vielen Dank für eure großzügige Hilfe!“, sagte der Hasenpatriarch und schüttelte dem Bären die Pranke. Er überreichte dem Bären einen Badezuber als Gegengabe, denn er wusste, dass Bären sehr reinliche Tiere sind und sich vor dem Winterschlaf gerne ausgiebig baden, damit die Höhle nicht so streng riecht.
„Übers Jahr werden wir im Südwald den Beitritt zur Tierrepublik diskutieren und vielleicht werden wir dann ein einziger großer Wald sein!“
„Ja, ja, sehr schön“ brummelte der Bär. Er kannte seine Pappenheimer beziehungsweise seine Hasen und wusste, dass die leichtlebigen Gesellen eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne und übers Jahr wahrscheinlich schon längst wieder vergessen hatten, wer Ihnen geholfen hatte und wie sie in ihre selbstverschuldete Notsituation geraten waren. Aber über den Badezuber war er tatsächlich sehr erfreut und lud ihn stolz auf den Karren.
Fröhlich und guter Dinge nahm man voneinander Abschied. Nur Edna, die Eule war noch im Fluge damit beschäftigt, Zahlen zu addieren und Korrekturen an ihrem Verteilungsschlüssel vorzunehmen. Denn so sind die Eulen, sie sind immer darauf bedacht, dass alles korrekt zugeht.
Auf dem Rückweg in ihren Nordwald kamen Bär und Eule allerdings vom Wege ab und verirrten sich. Dadurch verzögerte sich ihre Reise um einiges, und sie wurden müd‘ und müder und schliefen schließlich ein.
Als der Bär aufwachte, war er alleine und der Karren war leer. Den Badezuber hatte man ihm offensichtlich geklaut. Das ärgerte ihn ein bisschen, aber weil Bären gutmütige Wesen sind, ist ihr Ärger immer nur kurz, und ihre angeborene Gutmütigkeit kommt sehr schnell wieder zum Vorschein.
Nun war unser Bärenfreund also ganz alleine auf dem Waldweg. Die Eule war nirgendwo zu entdecken; noch nicht einmal ihr Zahlengemurmel war zu vernehmen, und der Bär dachte sich „Soll ich jetzt etwa alleine diesen Karren bis nach Hause ziehen? Das wird aber anstrengend werden und ich bin doch schon so müde…“
Zum Glück kam eines der in beiden Wäldern heimischen Geisterpferde des Weges und bot sich an, Karren und Bären bis nach Hause zu ziehen.
Dadurch ging schließlich dann doch alles noch ganz schnell. Der Bär gelangte unversehrt, aber ohne den Badezuber, in seinen heimischen Nordwald und hatte wieder mal eine abenteuerliche Geschichte zu erzählen.
Was aber war in der Zwischenzeit mit Edna der Eule passiert? Das, liebe Kinder erzähle ich euch zu einem anderen Zeitpunkt.
Waldkommunismus: Die Agitatoren
Fuchs und Hase agitieren die Tiere des Märchenlandes für den Kommunismus, haben aber heute wenig Erfolg. Walter, der Wanderhahn, ist ebenfalls auf Durchreise und vollführt seine magischen Kunststückchen.
Dadurch werden sogar die eigentlich schwer intellektuellen Ohr-Eulen des Waldkomitees abgelenkt und sie schenken den beiden Agitatoren nicht die Aufmerksamkeit, die nötig wäre, um die Kunde vom Umsturz weiterzuverbreiten.
Zum Glück kommt die Kellnermaus aus der Landschenke „Zum Vollen Glas“ herausgelaufen und bringt unseren Wanderpredigern zwei kühle Biere, so dass dieser Tag als nicht gänzlich verloren bezeichnet werden kann.
Wie’s mal wieder nichts wurde mit dem Waldkommunismus

Im Wald wurde mal wieder der Kommunismus vorbereitet.
Die Igel, wie immer für jeden Scheiss zu begeistern, wollten sofort den Schritt in den vollendeten Kommunismus machen.
Fjodor von den Fuchs-Pionieren ließ sich von der Igelbegeisterung anstecken und wollte unbedingt Kommissar für das Hühner- und Gänsewesen werden, aber die anderen durchschauten seinen Trick und bestimmten ihn erstmal zum Platzwart der Waldlichtung, auf der sie sich immer trafen.
Die Hasen begrüßten den Igel-Vorschlag im Prinzip, gaben aber zu bedenken, dass die Tiermassen ja alle noch die alten Verhältnisse gewohnt waren und vielleicht nicht sofort zum kommunistischen neuen Tier werden könnten.
Der Bär, ein erfahrener alter Haudegen, der schon alles gesehen hatte, lehnte lässig an der Pilzhütte des Wald-Gebietssekretariats und dachte sich seinen Teil.
Nur der Hirsch verstand wieder gar nichts und merkte noch nicht mal, dass Hugo der Hamster, der auf seinem Kopf saß, mal wieder inkontinent war. Aber Hirsche sind halt blöd.
Das reichlich ausgegebene Bier tat ein Übriges und so wurde es mal wieder nichts mit dem Waldkommunismus.
Hurra dem Waldkommunismus!

Igor der Igel vom Wurzelgräber-Kollektiv hatte sich durch wiederholte Plan-Übererfüllung und vorbildliche Arbeitsdisziplin ausgezeichnet. Darum erhielt er anlässlich der monatlichen Vollmondfeier eine Erdbeersahnetorte überreicht.
Es wurde erwartet, dass Igor diese hohe Auszeichnung nicht, wie es Igel-Art war, allein verschlang, sondern mit seinen Freunden und Genossen teilte. Natürlich besaß Igor genug revolutionäres Bewusstsein, um ohne weiteres die Torte in so viele Stücke zu zerteilen, wie Tiere anwesend waren, was von Genossen Stachowitsch, dem Vorsitzende des Kollektivs, auch lobend in seiner kurzen Ansprache erwähnt wurde. Alle hatten nämlich, Tiere die sie waren, immerzu Hunger, und deswegen waren die Reden bei solchen Anlässen immer sehr kurz.
Allerdings kam es zu einer kleinen Verzögerung beim Verzehr der Auszeichnung, weil plötzlich eine Delegation des Südwaldes, bestehend aus verdienten Agitationsmäusen der Roten Käsegarde unter Leitung eines Hasen-Politkommissars auf ihren Flugeulen bzw. -käuzchen auftauchte.
Die Gäste wurden mit den gebührenden Ehren empfangen und wollten nun ihrerseits Reden halten, die die Freundschaft und Verbundenheit zwischen den Tieren des Süd- und des Nordwaldes unterstreichen und lobpreisen sollten. Mit Blick auf die verzehrbereite Erdbeersahnetorte faßten sie sich zum Glück und zur Erleichterung der Anwesenden kurz; normalerweise waren die Mäuse und Hasen des Südwaldes für ihre komplizierten Ausführungen und stundenlangen, theorielastigen Ansprachen bekannt.
Der Hasen-Kommissar sagte aber bloß „Super gemacht, Genosse Igel! Die Torte sieht auch super aus! Es lebe der Waldkommunismus!“ und alle machten sich über die Erdbeertorte her.
Hinterher wurde dann noch erzählt und diskutiert – so ganz konnten es die Besucher aus dem Südwald einfach nicht lassen – und dabei so mancher Becher Elfenwein geleert. Schließlich dämmerte der Morgen und alle wankten entweder nach Hause oder schliefen an Ort und Stelle ein. Die Gäste flogen natürlich auf ihren Eulen nach Hause, denn Eulen und Käuzchen schlagen bekanntlich des Nachts nie. Deshalb waren sie fit wie ein Stöckelschuh, wie man bei den Tieren sagt.
