Im Reich der Geisterhunde

Nach den mysteriösen, wenn nicht belastenden Erlebnissen, die der Hund und ich in den letzten paar Monaten in den Oberkasseler Parks hatten – rätselhafte Aliens, die ich für Zeitreisende hielt und halte, hatten scheinbar bei jeder Begegnung das Raum-Zeit-Kontinuum manipuliert und uns in eine extra-temporäre Parallelrealität versetzt – gehen wir mittlerweile kontraindikativ direkt in die Parallelwelt, aber in eine unserer Wahl: ins Reich der Geisterhunde.

Dort fühlt sich mein vierbeiniger Freund am wohlsten; er wirkt nicht im Mindestens erschreckt oder verblüfft über die für den normalen Verstand ziemlich respekteinflößenden riesigen Geisterhunde („canes exspiravit“, so der magische Fachterminus).

Ich bin bei diesen Ausflügen nur der Begleiter, betrachte mir alles eingehend und mache mir innere Notizen über die erstaunlichen Erscheinungen in dieser Zwischenwelt. Es geht dort friedlich zu; offensichtlich entsprechen wohlgenährte Zufriedenheit und gemütliche Ruhe den Vorstellungen, die Hunde von einer idealen Welt haben.

Hört man mal ein Bellen oder Knurren, geht es in der Regel um erfreuliche und abwechslungsreiche Vorkommnisse, die unweigerlich immer mit Nahrungsaufnahme, Spiel oder Schlaf zu tun haben. Dies ist zweifellos eine Auswahl, die auch mir zusagt und so sehe ich wenig Veranlassung, meinem guten Kameraden mit dem schwarzbunten Fell den Wunsch abzuschlagen, recht oft diese Welt aufzusuchen.

Eine neue Welt

Das singuläre Ereignis, welches mehr als alle anderen weltpolitischen und geostrategischen Entwicklungen derzeit den Ablauf der Geschichte verändert, ist der Stellvertreterkrieg in der Ukraine, den die NATO gegen Russland führt (und „über die Bande“ damit auch gegen China).

Der Grund dafür ist, dass der Ukraine-Konflikt der Katalysator der neuen multipolaren Weltordnung ist, die die Jahrhunderte alte westliche Dominanz mit ihrer ungebrochenen Geschichte von Kolonialismus, Sklaverei, Eroberungsskriegen und ökonomischer Erpressung, ablöst.

Westlichen Kommentatoren – auch „marxistischen“ – ist das Ausmaß dieser unumkehrbaren globalen Kräfteverschiebung noch gar nicht richtig bewusst. Einer der hellsichtigsten Beobachter und Analysten ist der Brasilianer Pepe Escobar, der in diesem Beitrag für ZeroHedge die Entwicklungen skizziert:

„Die Fragmentierung der Weltwirtschaft polarisiert bereits die expandierenden BRICS 10 (ab 1. Januar unter russischem Vorsitz und ohne das mit der Dollarisierung liebäugelnde Argentinien) und die schrumpfende G7.

Der stellvertretende russische Außenminister Andrej Rudenko – eine Schlüsselfigur in Asien – bekräftigte in einem Gespräch mit TASS erneut, dass der wichtigste Antrieb für die Greater Eurasia Partnership (offizielle russische Politik) darin besteht, die Eurasische Wirtschaftsunion (EAEU) mit der BRI zu verbinden.

Während Russland ein sorgfältig austariertes Gleichgewicht zwischen China und Indien entwickelt, gilt derselbe Antrieb für die Entwicklung der INSTC, bei der Russland-Iran-Indien die wichtigsten Partner sind und Aserbaidschan ebenfalls zu einem wichtigen Akteur werden wird.

Hinzu kommen die erheblich verbesserten russischen Beziehungen zu Nordkorea, der Mongolei, Pakistan (einem BRI- und SCO-Mitglied) und ASEAN (mit Ausnahme des verwestlichten Singapur).

Die BRI ist, wenn es hart auf hart kommt, auf dem Vormarsch. Ich war gerade für drei Wochen in Moskau, Astana und Almaty und konnte mir von mehreren Quellen bestätigen lassen, dass die Züge in allen Verbindungskorridoren bis zum Anschlag gefüllt sind: über die Transsibirische Eisenbahn, über Astana bis nach Minsk und über Almaty nach Usbekistan.

(…)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im andauernden, immer härter werdenden Krieg der Wirtschaftskorridore die Initiative bei Russland und China liegt.

Aus Verzweiflung und weil sie im Krieg der Wirtschaftskorridore nicht mehr als ein kopfloses Opfer ohne Optionen sind, greifen die EU-Vasallen des Hegemons darauf zurück, das „Follow the Money“-Drehbuch zu verdrehen.

Das (russische) Außenministerium hat das Einfrieren russischer Vermögenswerte – nicht nur privater, sondern auch staatlicher – durch die EU als reinen Diebstahl bezeichnet. Nun macht der russische Finanzminister Anton Siluanow unmissverständlich klar, dass Moskau auf die mögliche Verwendung der Einnahmen aus diesen eingefrorenen russischen Vermögenswerten symmetrisch reagieren wird.

Um es mit Lawrow zu sagen: Ihr konfisziert, wir konfiszieren. Wir alle konfiszieren.

Die Auswirkungen werden katastrophal sein – für den Hegemon. Keine Nation des Globalen Südens außerhalb des NATO-Staates wird „ermutigt“ werden, ihre Devisen/Reserven im Westen zu parken. Das könnte im Handumdrehen dazu führen, dass der gesamte Globale Süden das von den USA geführte internationale Finanzsystem verlässt und sich einer von Russland und China geführten Alternative anschließt.

Die gleichrangige strategische Partnerschaft zwischen Russland und China ist bereits dabei, die „regelbasierte internationale Ordnung“ an allen Fronten herauszufordern – indem sie ihre historischen Einflusssphären ausbaut und gleichzeitig aktiv riesige, miteinander verbundene Verbindungskorridore entwickelt, die diese „Ordnung“ umgehen. Das schließt einen direkten heißen Krieg mit dem Hegemon so weit wie möglich aus.“

https://www.zerohedge.com/geopolitical/escobar-russia-china-are-roll

Jahreszeitliche Grüße als zwanghafte Redewendung

Ich wünsche allen FB-Freunden und überhaupt allen und jedem, dass sie sich nicht mehr zu jedem jahreszeitlichen Anlaß die üblichen Grußformeln zurufen.

Meine Wünsche schließen die Hoffnung ein, dass man sich unbeeindruckt von dem jahrmarktsmäßigen Auftrieb, mit der die Jahresendzeit hierzulande zu einem zwangsharmonischen und gnadenlos besinnlichkeitslosen Kommerz-Event eingerichtet ist, bemüht, aus JEDEM Tag einen Feiertag zu machen.

Nämlich einen, der nicht Kompensation für den unbekömmlichen Unfug der übrigen 362 Tage ist, sondern ein anständiges Leben für alle als Zweck der gesellschaftlichen Reproduktion hat – eins, das ohne den Schein der Heiligkeit, ohne fromme Heuchelei und ohne religiösen Zinnober auskommt.

Just saying.

Am 24. Dezember hält man sich besser von Sozialen Medien fern

Am 24. Dezember kann man echt nicht Facebook oder andere Social Media Plattformen öffnen. Überall quillt einem dieses ausufernde zwanghafte Gewünsche und Halleluja-Getue entgegen, als ob die Leute plötzlich alle fromm geworden wären.

Zum Glück ist der ganze aufdringliche Besinnlichkeitszinnober spätestens am 27. 12. wieder vorbei und alle können sich wieder normal „Hallo“ oder „Guten Tag“ sagen. Ach nee, vorher muss man noch durch die ebenso dümmliche Phase, in der wildfremde Leute einander zur erfolgten Umrundung um das Zentralgestirn gratulieren und sich gegenseitig alle möglichen Wünsche für die nächste Umrundung aussprechen.

Ich selber bin froh, wenn wir auf den Wein achten und noch genügend Flaschen im Regal haben. Ansonsten beruhigt euch jetzt alle mal und bleibt mir vom Leib mit dem obsessiven Klingelingeling- und Lichtlein brennt-Gehunzel.

Ungnädig
Ein Beobachter und Zaungast eures Treibens

Aus meinem Mail-Eingang

Womit hab ich das verdient? Hätten wir kürzlich lieber nicht die ROTER DIVAN Sendung über Religion machen sollen?

„Im Jahr 2024 wird Ihnen etwas sehr Wichtiges passieren“ ist natürlich eine Aussage, die es in sich hat. WOHER WEISS DIE DAS? Etwas WICHTIGES! In 2024!!

Ist das schon der Beweis, dass MEDIUM CELESTE eine authentische Hellseherin ist?

Ist ihre HEILIGE VERBINDUNG ZU DEN SCHUTZENGELN tatsächlich der Kommunikationskanal, über den ich mit diesen Kameraden in Verbindung treten kann??

Und ist irgendwo eine BEWOHNERIN aus der GESCHLOSSENEN PSYCHIATRIE entwichen?

Fragen über Fragen!

Auf den zweiten Blick will es mir jedoch scheinen, als hätte MEDIUM CELESTE (trotz ihrer großzügigen Gratisofferte) hier ein kommerzielles Anliegen. Scheinbar will sie mir ihre hellseherischen Dienstleistungen verkaufen, nachdem sie mich mit Gratisangeboten lockt. Die Frau braucht also GELD.

Und da fragt man sich doch, warum sie ihre divinatorischen Talente nicht einsetzt, um zum Beispiel die Lottozahlen vorauszusehen. Ich werde also wohl doch nicht auf diese verlockende Email reagieren…

Geschichten die das Leben schrieb: Bart gegen Aschenbecher

Die Plastiktüte mit dem Plastikmüll, die an einem Sideboard in der Küche hängt , ist voll. Als Volkskommissar für das Entsorgungswesen unserer kleinen Volksrepublik nehme ich sie vom Haken, um sie vor die Tür zu stellen und bei der ersten Hunderunde morgen früh mitzunehmen. Die Mülltonnen stehen nämlich allesamt im Keller, und das bedeutet, aus dem Dachgeschoß insgesamt acht Treppen runterzulaufen.

„Nee, lass die Tüte mal hängen!“, lässt sich die Frau vernehmen, „es gibt nichts Asozialeres als Müllbeutel vor der Tür stehen zu haben!“

Das ist mir nicht ganz verständlich, da außer uns niemand auf unserem Stockwerk wohnt, und über uns sowieso niemand. Es kann also gar keinem als „asozial“ auffallen außer uns selbst. Als Freund von Frieden und Harmonie im täglichen Leben stelle ich jedoch solche Marotten meiner Liebsten nicht in Frage. Auf ihre letzte Bemerkung reagiere ich allerdings mit einem entschiedenen „Doch!“, und beantworte ihre Nachfrage (mit der ich natürlich gerechnet habe), was das wäre, mit der einzigen Kritik, die ich an einer ihrer Angewohnheiten äußere: „In der Wohnung rauchen zum Bespiel!“

Mein Wink mit dem Zaunpfahl prallt an meiner schlagfertigen Gattin ab wie Fett von der Teflonbeschichtung der Pfanne. Sie kontert souverän mit: „Oder einen Bart tragen…“

Das will ich nicht auf mir sitzen lassen: „Bart tragen ist doch nicht asozial! Alle großen Männer der Weltgeschichte trugen Bärte…“ Bevor ich zu einer Aufzählung der Lichtgestalten der menschlichen Geschichte von Jesus bis Marx und Lenin ansetzen kann, bekomme ich eine Auskunft von ihr, die mich allerdings nachdenklich macht: „Du gefällst mir nicht mit Bart. Mach den doch wieder weg!“

„Ich gefalle mir selber aber momentan ganz gut mit Bart“, mache ich einen schwachen Verteidigungsversuch. „Irgendwann kommt der schon wieder weg… spätestens wenn’s wieder wärmer wird!“ Im Grunde bin ich aber gedanklich schon beim Rasierapparat bzw. beim nächsten Barbershop-Besuch. Denn wenn mein Herzdame mich darum bittet, ihren ästhetischen Preferenzen an dieser Stelle entgegenzukommen, will ich nicht auf Gesichtsbehaarung bestehen. Schon weil‘s mir im Grunde egal ist.

Bevor ich an meine diversen Endgeräte verschwinde, um mich wieder zeichnerischer Versenkung und kommunistischen Umtrieben zu widmen, nähere ich mich ihr mit der Bemerkung: „Krieg ich jetzt trotz Bart noch einen Kuß?“ Sie geht darauf ein, verzieht aber in gespieltem Ekel das Gesicht und quengelt „Iiih, das piekst immer so…!“.

„Und ich küsse ständig einen Aschenbecher!“ kann ich mir nicht verkneifen zu sagen. „Ja, aber nur manchmal! Dein blöder Bart piekst immer!“ erhalte ich zur Antwort. Ich sehe ein, dass ich einfach immer den Kürzeren ziehe, was solche Debatten betrifft, und trolle mich in meine Ecke im Wohnzimmer – gefolgt von meinem treuen Hund, der nicht nur bärtig, sondern aufs Üppigste ganzkörperbehaart ist und schon deswegen eindeutig zu seinem Herrchen hält.