Geschichten aus dem Pflegeheim: Corona-Alarm

Nachdem nach den ersten Corona-Fällen letzte Woche das Gesundheitsamt in der Einrichtung war und sämtliche Bewohner durchgetestet hat, stellt sich heraus, dass die bis jetzt ca. 10 Infizierten auf alle Wohnbereiche verteilt sind. Auch zwei Pflegekräfte von zwei verschiedenen Wohnbereichen sind positiv getestet worden.

Seit dem Wochenende sind weitgehende Einschränkungen für die Bewohner verhängt: die Leute sollen in ihren Zimmern bleiben und dort auch die Mahlzeiten einnehmen, Gruppenangebote finden nicht mehr statt, die „Tagesgruppe Demenz“ ebenfalls nicht.

Das ist für die Teilnehmer besonders hart, denn gerade die Dementen verstehen nicht, was das alles soll und wieso sie jetzt plötzlich nicht mehr aus dem Zimmer dürfen. In der Praxis erweist es sich als ein Ding der Unmöglichkeit.

Frau H., eine kleine, freundlich-ängstliche Frau mit Hinlauftendenz („Weglauftendenz“ ist als Ausdruck verpönt, da er andeutet, die Person würde aus Gründen weglaufen wollen, die bei der Einrichtung liegen), läuft wie immer die Flure auf und ab. Ihr Zimmer findet sie in den seltensten Fällen wieder; sie will aber auch gar nicht dort sein, sie KANN gar nicht länger als 5 Minuten am Stück IRGENDWO sein. Selbst in der „Tagesgruppe“ steht sie alle naselang auf und stiefelt los, weshalb ich sie kurzerhand zur offiziellen Kundschafterin der Tagesgruppe ernannt habe.

Ihr Auftrag lautet, uns regelmäßig zu berichten, was auf den Fluren und Gängen so los ist. Sie erfüllt ihre Kundschafterpflichten mit Disziplin und Hingabe und berichtet jedesmal, dass es nicht Neues gäbe. Jedenfalls ist sie durch ihre neue Position um einiges entspannter geworden, da sie wohl das Gefühl hat, etwas Nützliches beizutragen und nicht mehr getadelt oder mit genervten Kommentaren bedacht zu werden, wenn sie mal wieder unterwegs ist.

Kurzum, bei Frau H. ist es völlig zwecklos, es mit irgendeinem Zimmerarrest zu versuchen. Das Maximum was möglich ist: darauf zu achten, dass sie wenigstens den Wohnbereich nicht verlässt.

Ein anderes Mitglied der „Tagesgruppe“, Frau H.2, hat eine geniale Methode gefunden, den Stubenarrest zu umgehen: sie hat einen Toilettenstuhl direkt in ihre geöffnete Zimmertür gestellt und betrachtet von dort aus das Geschehen – immerhin ein kleiner Ersatz für die fehlenden Interaktion mit den anderen Bewohnern und den Mitarbeitern.

Als sie meiner ansichtig wird, winkt sie mich erfreut herbei und sagt „Meine Güte, ich bin ja so froh dass du da bist, du ahnst ja gar nicht, was hier schon wieder passiert ist…“

Ich erwarte eine ihrer wilden Geschichten über nächtliche Besuch ihres Vaters oder anderer längst verstorbener Verwandter, oder – sehr häufig bei ihr – aufgeregte Meldungen über russische Truppen, die eingerückt sind (oder kurz davor sind einzumarschieren), weshalb man jetzt unbedingt Hals über Kopf das Weite suchen müsse… Diesmal ist aber der Auslöser ihrer Besorgnis die Coronanotstandsrealität des Heimes, die sie zwar nicht versteht, aber in ihren Wirkungen auf ihren gewohnten Tagesablauf natürlich spürt. Sie vermischt die neue Situation mit Erinnerungsbruchstücken ihrer Jugend und berichtet mir eine sehr inkohärente Geschichte über Leute, die alles auf den Kopf gestellt und sie in diesen Raum gesperrt hätten.

Ich weiß gar nicht mehr, was hier los ist!“, stoßseufzt sie. „Wenn du jetzt hier bist: versprichst du mir, dass du mich nachher nach Hause bringst?“ Dass ihr Zimmer im Pflegeheim ihr Zuhause ist, entspricht vielleicht der äußeren Realität, ganz sicher aber nicht ihrem inneren Empfinden in diesem Moment.

Na klar!“, antworte ich ihr. „Ich bin heute den ganzen Tag hier und werde immer mal wieder nach dir schauen. Ich kümmere mich darum, dass du nachher nach Hause kommst…“

Das ist einerseits wahr (sie IST ja nun mal hier zuhause), andrerseits unwahr (ich weiß ja, dass sie etwas ganz anderes mit „zuhause“ meint als das Zimmer im Pflegeheim). Meine Antwort erfüllt aber ihren Zweck, Frau H.2 bleibt den Tag über vergnügt auf ihrem Beobachtungs-Toilettenstuhl sitzen und winkt oder zwinkert mir jedesmal fröhlich zu, wenn ich mit verschiedene Aufgaben den Flur hoch oder runter gelaufen komme. Zeit für ein paar Worte und einmal eine kurze Rauchpause ist immer und im Rahmen der besonderen Umstände haben wir für sie das Beste aus dem Tag rausgeholt.

Eine andere Teilnehmerin der „Tagesgruppe“ hatˋs heute besonders schwer. Schon bei Schichtbeginn fängt mich die verantwortliche Pflegefachkraft ab und fragt, ob ich mal zu Frau S. gehen könnte, die würde in ihrem Zimmer sitzen und weinen und wäre „ganz schlecht drauf“.

Frau S. sitzt tatsächlich wie ein Häufchen Elend auf ihrem Bett, Tränen laufen ihr über die Backen (gleich noch ein paar mehr, als ich reinkomme), aber sie strahlt, als sie mich sieht und sagt „Ach wie schön! Mir geht’s heute ganz schlecht, aber als ich gehört habe, dass Sie da sind, war ich gleich ein bißchen erleichtert.“

Sie erzählt mir, dass sie schlimme Rückenschmerzen hat und sich ganz furchtbar alt fühlt – worauf sie lachen muss und sagt „Na, bin ich ja auch mit fast Neunzig!“. Am schlimmsten für sie ist, dass unsere „Tagesgruppe“ nicht stattfindet, das es keinen Kontakt mit den anderen gibt und dass es heißt, die Leute sollen die Zimmer nicht verlassen. Das ist für Frau S., die noch mobil ist und jeden Tag und bei fast jedem Wetter ihre Runden im Garten dreht, die Höchststrafe.

Zusammen mit einem Mitarbeiter allerdings sind Spaziergänge ok, und so biete ich ihr an, sie in den Garten zu begleiten. Das muss ich ihr nicht zweimal sagen. Wir machen einen kleinen Ausflug in den sonnendurchfluteten, aber kalten Garten des Heimes, schauen uns die jetzt völlig entlaubte Riesen-Eiche und den Fischteich an und sind beide froh, nach 10 Minuten wieder im Warmen zu sein.

Der kurze Ausflug reicht aber, um Frau S. mit dem Tag und den Umständen zu versöhnen. „Das ist jetzt wie Weihnachten für mich!“ erklärt sie. Später am Tag berichtet sie mir noch zweimal, dass sie mit ihrem Sohn (der täglich anruft) über dieses tolle Erlebnis gesprochen hat und bedankt sich ein ums andere Mal für den Ausflug.

Um die Mittagszeit komme ich an der Rezeption vorbei und sehe dort eine Kerze brennen. Das bedeutet, dass jemand gestorben ist. Ich schaue mir den bei solchen Anlässen aufgehängten Rahmen mit Namen des Verstorben und irgendeinem christlichen Segensspruch an. Es ist ein Bewohner, der bei den anderen Bewohnern nicht besonders beliebt war (eher im Gegenteil) weil er oft verbal grob und provokant – besonders Frauen gegenüber – auftrat. Bei den Mitarbeitern galt er als „schwierig“, denn er lag meistens im Bett, duschte nicht und. ließ sich ungern waschen, was seinem Zimmer einen leichten Raubtierkäfiggeruch verlieh. Zu mir hatte er allerdings einen guten Draht (oder ich zu ihm). Mir war erstens sein Gestank ziemlich egal und zweitens hatte ich keine Hemmungen, ihm auch zu sagen, dass er stinkt. Vor allem aber hörte ich ihm zu, behandelte ihn nicht wie ein lästigen Störenfried und fuhr gelegentlich mit ihm zum ALDI, was ihm viel bedeutete.

Dieser am heutigen Morgen verstorbene 70-Jährige ist das erste Corona-Opfer der Einrichtung. Er war am Wochenende wegen Atemproblemen ins Krankenhaus eingeliefert und in ein künstliches Koma versetzt worden. Vorerkrankungen wie Arthrose und Diabetes waren vorhanden, gestorben ist er laut Information des Krankenhauses aber an multiplem Organversagen als direktes Resultat der Virusinfektion.

Die Einrichtungsleitung ist jedenfalls aufs Höchste alarmiert, das Gesundheitsamt sitzt dem Heim im Nacken und für alle heißt es jetzt erstmal, mit der Situation einigermaßen zurechtkommen und das Beste draus machen. Wer wirklich unter den Maßnahmen leidet, sind natürlich die Bewohner. Schon ein oder zwei Tage ohne die gewohnten Abläufe, ohne wenigstens die Gemeinschaft mit den anderen beim Essen oder bei den Angeboten des Sozialen Dienstes, und ziemlich viele drehen am Rad.

Ich schnappe mir den Einrichtungsleiter und die PDL und mache ihnen klar, dass es bei EINEM positiv Getesteten (auf „meinem“ Wohnbereich) nicht logisch und geradezu kontraproduktiv ist, jetzt alle Angebote zu streichen. Mit etwas Überredung erhalte ich die Konzession, wenigstens die Kunstgruppe stattfinden lassen zu können – mit der Auflage, dass nicht mehr als 5 Personen teilnehmen, ausreichend Abstand gewahrt und regelmäßig gelüftet wird. Außerdem solle ich versuchen, die Teilnehmer dazu zu bewegen, einen Mund-Nasenschutz aufzusetzen.

Ich sage alles zu, halte mich aber nur an die Abstandsregeln und Teilnehmerbegrenzung. Das Lüften vergesse ich, mit den Masken komme ich meinen Leuten gar nicht erst. Von den Fünfen sind zwei dement, und auch die Orientierten würden sich bedanken für eine solche Zumutung. Außerdem sitzen sie alle im Abstand von 2 Metern, so dass meiner laienhaften Einschätzung nach für Infektionsschutz ausreichend gesorgt ist, zumal bei Leuten, die vor wenigen Tage alle negativ getestet wurden.

Nach der Kunstgruppe räume ich auf, verstaue die Materialien in einer alten Kommode auf einer Empore zwischen den Wohnbereichen. Von dort aus kann ich ein Gespräch mithören, dass zwei gediegen demente Männer – aus zwei verschiedenen Wohnbereichen, was eigentlich gar nicht passieren dürfte – miteinander führen. Sie sitzen in den Sesseln im Foyer, mit ausreichendem Abstand voneinander und unterhalten sich.

D.h. eigentlich spricht nur einer, der joviale und äußerst redselige Herr K., der in dem ebenso jovialen, aber eher schweigsam-freundlichem Herrn K.2, den perfekten Zuhörer für eine seiner unwahrscheinlichen und höchst unterhaltsamen Monologe gefunden hat.

Ich hab ja selber gesungen und Musik gemacht. Für Karneval, für Vereine, für Kirchenchöre, für alles!“, holt Herr K. aus. „Die haben schon zu mir gesagt, Sie sind wohl der zweite Mozart… ja, das war damals, als wir jünger waren. Als wir jung waren, da gab es nicht nur den Mozart, da gab’s noch andere wie den Bach oder den Schiller. Der Schiller war ja ein Dichter! Und wie der dichten konnte, das kann heute keiner mehr!“

So geht es in einer Tour. Ich schaue kurz über die Brüstung und sehe Herrn K. dozieren, während Herr K.2 in seinem Sessel sitzt und sich anscheinend aufs Beste unterhalten fühlt. Leider kann ich dem interessanten Stegreif-Vortrag nicht weiter folgen, bzw. eigentlich glücklicherweise, denn ich hab Feierabend nach acht Stunden im Heim – und bin ehrlich gesagt froh, für heute dem Corona-Hotspot entronnen zu sein.

Geschichten aus dem Pflegeheim: der (bei Amtseinführung) älteste Präsident der USA ist interessant, aber nicht so interessant wie Schlagerraten

Während die facebook‘sche Schlaumeierei angesichts irgendwelcher Wahlen im Amiland Purzelbäume des Besserwissertums schlägt, muß die werktätige Bevölkerung, also ich, auch (wieder mal) am Wochenende lohnarbeiten gehen.

Mein Klientel im Pflegeheim interessiert bis auf wenige Ausnahmen nicht, wer beim Ami Präsident ist oder wird; die meisten haben keine Ahnung, wer wer ist – auch wenn sie den Amtsinhaber irgendwie schon mal im Fernsehen gesehen haben und irgendwie merkwürdig finden.

Gerade demente Menschen haben ein feines Gespür dafür, wenn hinter der Fassade von Lug und Trug ein narzisstisch -psychopathisches Nichts steckt (Mr Trump) oder ein bis ins Knochenmark in die imperialistische Weltherrschaftsmafia der US-Oligarchie eingebetteter Berufspolitiker.

Beeindruckt hat sie allerdings das ALTER des Wahlgewinners. Dass ein 77-Jähriger demnächst Chef in Amerika wird, finden alle beachtlich. Vermutlich stellen sie sich die eigene Person als Präsident(in) vor.

Nachdem also eine Pflegekraft die Neuigkeit von Bidens Wahlsieg rausgeblökt hatte, wenden wir uns wieder wirklich bedeutsamen Dingen zu, nämlich dem Liederraten und -singen.

Im ersten Bild musste ich die ersten zwei Worte des Titels hinschreiben, ehe jemand drauf kam.

Bild 2, eine Sequenz aus drei Bildchen, besteht rätselmäßig nur aus der ersten Zeichnung, der Rest entwickelte sich als spontane Story. Obwohl das Bilderrätsel eine vergleichsweise schwierige Abstraktionsanstrengung des Denkens erfordert, wurde der Titel erraten: „Man müsste Klavier spielen können“ von Johannes Heesters. Die Fortsetzung des Textes („… dann hat man Erfolg bei den Frauen“) ergab die übrigen Zeichnungen: der Klavierspieler hat zwar Erfolg bei den Frauen und kann auch nach dem Konzert eine abschleppen, aber zuhause wartet seine eigene Frau mit dem Nudelholz – womit er nicht gerechnet hatte, denn sie wollte eigentlich zur Schwiegermutter nach Grevenbroich fahren.

Die Songtitel, die die Bilder drei und vier darstellen sollen, wurden nach ein paar Minuten von meiner sangesfesten und textsicheren Runde erraten. Wer tut es ihnen gleich?

Geschichten aus dem Pflegeheim: Corona-Alarm!

Um die Mittagszeit taucht der Einrichtungsleiter unvermutet im Heim auf. Das alleine signalisiert schon, dass irgendein Notfall vorliegen muss, denn normalerweise ist er – wie die gesamte Leitung – wochenends zuhause.

Er bittet mich, in die Chatgruppe des Sozialen Dienstes die Info zu schreiben, dass ab sofort kein Mitarbeiter mehr seinen Wohnbereich zu verlassen hat, dass auch im Haus nach Möglichkeit nicht rumgelaufen wird und das vor allem der Wohnbereich 1 auf keinen Fall betreten wird. Letzterer steht nämlich mit Wirkung ab jetzt unter Komplettquarantäne – Grund natürlich: ein bestätigter COVID-19-Fall bei einem Bewohner.

Damit sind also die Zeiten vorbei, in denen wir hoffen konnten, dass der Corona-Kelch an unserer Einrichtung vorbeigehen würde. Für die Bewohner des betroffenen Wohnbereiches bedeutet die Vollquarantäne Zimmerarrest und Besuchsverbot. Für die Mitarbeiter wird der Job damit auch nicht einfacher. Eigentlich müssten jetzt alle – zumindest Bewohner und Mitarbeiter des betroffenen Wohnbereiches – getestet werden.

Die an COVID-19 erkrankte Person ist bereits vor 4 oder 5 Tagen getestet worden und hat sich seitdem im Wohnbereich und im Speisesaal unter die Leute gemischt und vermutlich das Virus munter weitergegeben.

Interessant nun die Reaktion des zuständigen Gesundheitsamtes. Wie mir der Einrichtungsleiter erzählt, will man dort sofort den gesamten Wohnbereich in Quarantäne schicken, inklusive der Mitarbeiter. Auf Nachfrage des Einrichtungsleiter, was mit 24 Bewohnern ohne Pflege und Betreuung passieren sollte, rudert das Gesundheitsamt zurück und akzeptiert die jetzige Lösung, bei der die Pflege- und Betreuungskräfte weiterhin, allerdings unter nochmals verschärften Schutzmaßnahmen, zur Arbeit zu kommen haben.

Was den dringend gebotenen Test für Bewohner und Mitarbeiter betrifft, winkt das Amt gleich ab: man komme schon jetzt nicht nach mit den Tests und könne das derzeit einfach nicht leisten. Keine Kapazitäten!

In der Sprachlosigkeit ob dieser Nachricht fällt mir die Volksrepublik China ein, die mal eben 9 Millionen Menschen – GRATIS!! – innerhalb von 5 Tagen testen kann. Das muss diese kommunistische Kommandowirtschaft sein, die „den Menschen“ so furchtbar in seinem Recht auf freies Unternehmertum und Gescnäftemachen unterdrückt

Geschichten aus dem Pflegeheim: Reinigungskräfte brauchen keinen Kaffee! – Teil 2

Die Sache geht in die nächste Runde. Nach dem Einrichtungsleiter greife ich mir heute auch die PDL (Pflegedienstleiterin), eine osteuropäische macht- und karrierebewusste Dame, die hausweit im Ruf einer strengen und ungnädigen Chefin steht.

Psychologisch geschickt komme ich ihr mit improvisiertem Lean Management und Marketing Blabla: “Frau G., manchmal wiegen die Vorteile von Sparmaßnahmen nicht den Imageschaden auf, den sie verursachen…”

Damit habe ich schon mal ihre Aufmerksamkeit. Dass ihre an die Reinigungskräfte gerichtete Kaffee-Regelung so weite Kreise zieht, ist ihr sichtlich unangenehm. Sie versucht sich zu rechtfertigen:

“Die sind aber nun mal von einer Fremdfirma! Da müsste die Fremdfirma für den Kaffee sorgen. Vor allem aber bedienen die sich in ihren Pausen an den Kaffeeautomaten in der Küche – wo sie eigentlich keinen Zutritt haben – und halten keinerlei Hygieneregeln ein.”

Damit hat sie tatsächlich einen gültigen Punkt, denn wie alle Mitarbeiter und Bewohner sind auch die Reinigungskräfte im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen auf die Wohnbereiche aufgeteilt worden und sollen nur in “ihren” Wohnbereich arbeiten. Daran halten sie sich zwar, aber in den Pausen sitzen sie all in oder vor der Cafetria, ohne Mundschutz und dicht beieinander, rauchen, ratschen und trinken Kaffee (bis vor kurzem).

Trotzdem lass ich nicht locker: “Ja, schon klar, aber das kann man ja klar kommunizieren und regeln. Es ist doch wohl kein Problem, wenn die Küche den Putzfrauen morgens zwei oder drei Kannen Kaffee hinstellt, so wie den Wohnbereichen auch, oder? Wissen Sie eigentlich, wieviel Kaffee wir täglich wegschütten, weil keiner den trinkt?”

Die PDL ist noch nicht überzeugt und will wohl auch aus Prinzip erstmal nicht nachgeben. Sie zieht ab, aber ich sehe, dass es in ihr arbeitet.

Beim Mittag begegnet sich Einrichtungsleitung samt Verwaltung und mir in der Cafeteria. Diesmal bringt die PDL das Gespräch von sich aus auf das Kaffeethema. Sie spricht den Einrichtungsleiter darauf an, mit Verweis auf mich und den Imageschaden, den ich ihr untergejubelt habe: “Die sprechen schlecht von uns! Das ist nicht gut…”

Der Chef ist erstmal abwehrend und meint allen Ernstes: “Wissen Sie, was die uns jährlich kosten? Soll ich Ihnen mal die Rechnungen zeigen?”

Zu seiner Überraschung antworte ich: “Ja, gerne. Lassen Sie mal sehen. Denn dass die Diakonie eine Fremdfirma mit den Reinigungsarbeiten betraut, liegt ja wohl ausschließlich daran, dass sie keine Tariflöhne für Hauswirtschaftskräfte bezahlen und die Putzarbeit so billig wie möglich outsourcen will. Stimmt’s?”

Das verschlägt ihm erstmal die Sprache und er bringt sich außer Reichweite in sein Büro.

Beim Mittagessen dann richtet die PDL das Wort an die Küchenchefin:
“Frau K., haben die Reinigungsleute eine Kaffeemaschine? Könnten Sie für die zusätzliche Kaffeekannen bereitstellen?
„Ja, das ist möglich”, antwortet die Küchenfrau sachlich und faktisch.

Jetzt mischen sich andere Schlauberger aus der Verwaltung ein und verteidigen die unsägliche Kein-Kaffee-für-die Putzfrauen-Regelung mit dem Argument, dass sie sich ja auch nicht, wenn sie beispielsweise in eine Behörde oder ein Geschäft kamen, dort am Kaffee bedienten.

Ich sehe, dass hier jetzt ein argumentativer Schlussstrich und eine milde Zurechtweisung für die Untertanengemüter der neoliberalen Beutelschneiderdiktatur erfolgen muss und sage: “Leute! Macht jetzt mal keine Doktorarbeit daraus, wir reden hier von ein paar Tassen Kaffee für die Frauen, die täglich hier alles sauber halten! Jeder hier weiß, dass die Frauen von JEDEM – ob Bewohner oder Mitarbeiter – als Teil der Mitarbeiterschaft angesehen werden. Wollt ihr echt so kleinlich und schäbig sein und denen einen Kaffee verwehren? Ihr habt wohl lange nicht mehr die frommen Losungen durchgelesen, die hier überall an den Wänden hängen…”

Damit ist das Thema fürs Erste durch und dem Anschein nach wird es ab demnächst auch wieder Kaffee für die Reinigungstruppe geben.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Reinigungskräfte brauchen keinen Kaffee!

Morgens um 7.30, während ich in Vorbereitung für einen weiteren langen Vormittag in der „Tagesgruppe Demenz“ den Kaffee-Vollautomaten anwerfe um mich mit einem Cappucino zu versorgen, spricht mich eine der Reinigungskräfte an, die ständig in allen Bereichen der Einrichtung Böden wischen, staubsaugen, Geländer und Handläufe säubern, Bewohnerzimmer reinigen usw. (und das alles unter den verschärften Auflagen des Corona-Desinfektionsregimes.

Kannst du mir bitte auch einen Kaffee machen?“ fragt die Kollegin.

Ja klar“, antworte ich.

Den brauch ich ganz dringend jetzt, sonst schlaf ich gleich wieder ein“, ergänzt sie (Arbeitsbeginn für die Putztruppen-Frühschicht ist 6:30 morgens). „Wir dürfen hier nämlich keinen Kaffee mehr trinken.“

Ich glaube, ich habe mich verhört. „Wie bitte? Wieso das denn?“, will ich wissen.

Der ist für die Bewohner und die Mitarbeiter da, nicht für uns, hat die PDL* gesagt“, klärt mich die Kolegin auf.

Ja und? Ihr seid doch auch Mitarbeiter…“, entgegne ich.

Nee, wir sind Fremdfirma.“

Ich fasse es nicht. Der Kaffee, um den es geht, wird hundertliterweise den ganzen Tag über auf allen Wohnbereichen gekocht, zur Verfügung gestellt und von allen getrunken. In der Regel bleibt massenweise übrig von dem Gebräu, das geschmacklich eher in Richtung Batteriesäure geht.

Nicht umsonst habe ich eine private Kaffeemaschine auf der Arbeit, um nicht auf den Einrichtungskaffee angewiesen zu sein. Dennoch habe ich selten etwas Übleres und Kleingeistigeres gehört als diese Neuigkeit der sparsamen PDL. Wobei die Anweisung wohl nicht auf deren Mist gewachsen ist, sondern vermutlich als Anweisung des Diakonievorstandes umgesetzt wird.

Ich kann mich den ganzen Vormittag über kaum beruhigen über soviel bornierte Schäbigkeit und greife mir den Einrichtungsleiter, sobald ich seiner ansichtig werde.

Hören Sie mal, mit ist da das und das zu Ohren gekommen. Ist das wahr?“

Der Chef bejaht.

Das glaub ich jetzt nicht! Ist Ihnen das nicht peinlich?“ frage ich. „Das kann doch wohl nicht wahr sein, dass die Frauen, die sich hier täglich den Arsch aufreißen, damit es hier sauber ist, noch nicht mal von dem schlechten Kaffe trinken dürfen, den wir hier haben.

Und das in einer Einrichtung, in der an jeder Ecke heilige Sprüche und christliche Menschenbilder hängen? Chef? Denken sie mal ganz scharf darüber nach und sprechen Sie ein Machtwort. Da ist die PDL glaube ich ein bißchen übers Ziel hinausgeschossen…“

Der Chef ist etwas betreten und murmelt was von „Ja, die sind nunmal von einer Fremdfirma, und außerdem haben die eine Kaffeemachine im Keller…“ (er weiß ganz genau, dass der Arbeitstakt der Reinigungskräfte kaum Pausen zulässt, geschweige denn einen Gang in den Keller, um zu versuchen, irgendeine verstaubte alte Kaffeemaschine wieder in Gang zu setzen).

Ja, ich überleg es mir noch mal..“ und weg ist er. Mir scheint, er hat etwas fluchtartig Reißaus genommen.

Ich werde die Kaffeefrage weiter verfolgen.

*PDL = Pflegedienstleitung

Geschichten aus dem Pflegeheim: Küchendienst!

In einem durch die Coronamassnahmen ohnehin schon ausgedünnten Angebot wird der Soziale Dienst bestimmungswidrig für Hauswirtschaftsaufgaben eingesetzt, sobald irgendwo jemand krank oder in Urlaub ist oder der Dienstplan am Wochenende noch mehr Personalknappheit vorsieht.

Die geplanten kulturellen, künstlerischen und sonstigen Betreuungsangebote für die Bewohner müssen dann eben ausfallen. Heute also keine Mal- und Kreativrunde, weil der Kunstgeragoge Küchendienst hat.

Alles zu Lasten der Bewohner und zur Schonung der Diakoniekasse (Hauswirtschaftskräfte einzustellen würde Tariflohn kosten; die Küchendienste machen i.d.R. die billigst entlohnten FSJ.er oder Praktikanten).

Geschichten aus dem Pflegeheim: Sirenenalarm

Bewohner im Pflegeheim während des heutigen Sirenenalarms.

Obwohl wir natürlich vorab ausgiebig über das Thema und den Übungscharakter des „Warntages“ gesprochen hatten, ändert das nichts an den Erinnerungen dieser Generation an Fliegeralarm, Bombennächte und überstürztes Aufsuchen der Schutzräume.

Die Dame, die sich die Ohren zuhält, ist eine von etlichen in der Gruppe, die sich lebhaft an ihre Kindheit in den 1940er-Jahren, an verschüttete Bunkerinsasssen, an die Leichen auf den Straßen beim Verlassen der Schutzräume und dergleichen erinnern.

Die Bedeutung der einzelnen Tonsignale (Ankündigung, unmittelbare Gefahr, Entwarnung) muß man diesen Leuten nicht erklären – das kennen sie alle auswendig.

Ebenso erstaunlich wie die immensen Traumatisierungen dieser Generation ist auch ihre umfassende, alles Weitere ausblendende Bereitschaft, sich ausschließlich als OPFER schlimmer Zeiten und grausamer Umstände zu fühlen. Faschismus und Krieg werden hauptsächlich vom Ende her betrachtet, als der Krieg vergeigt und es mit der Nazi-Herrlichkeit vorbei war, und als zu Bomben und Kriegsbewirtschaftung auch noch Flucht und Vertreibung, also „der Russe“, kam.

DAS rechnet die Mitläufergeneration der faschistischen Führung (der sie zuvor zugejubelt hatte) als Sünde an, während man für Juden- und Kommunistenverfolgung sowie für das ganze Projekt eines völkischen Imperialismus sehr viel Verständnis hatte und (in seiner modernen demokratischen Version) hat.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Der Fauxpas

Während des schweißtreibenden Aufbaus eines Angebotes im Garten der Einrichtung für ca. 40 Bewohner erscheint der Einrichtungsleiter in Begleitung eines Besuchers, beide vorschriftsmäßig maskiert und erkennbar in wichtiger Mission unterwegs, vermutlich um das Gelände für den geplanten Neubau zu begutachten.

Der Besucher trägt teure Freizeitkleidung und begrüßt mich mit „Guten Tag!“, als er an mir vorbeikommt, während ich einen Getränkewagen über die Terrasse schiebe.

Hi!“ antworte ich kurz angebunden, registriere die etwas verblüffte Reaktion des Fremden, und schiebe weiter, da die Veranstaltung in Kürze beginnt und noch jede Menge zu tun ist. Angebote im Garten sind in Corona-Zeiten extrem wichtig und beliebt, weil dies die einzige Gelegenheit ist, bei der wohnbereichsübergreifend alle Bewohner zusammenkommen dürfen – allerdings selbst draußen nach Wohnbereichen getrennt. Dennoch schätzen die Heimbewohner solche Veranstaltungen, die eine seltene Unterbrechung des nun schon ein halbes Jahr andauernden Ausnahmezustandes sind, in den die strengen Corona-Maßnahmen den Heim-Alltag versetzt haben.

Eine Stunde später: ich bin mit dem Rücktransfer der zahlreichen zufriedenen Bewohner beschäftigt. Während ich eine Rollstuhlfahrerin zum Aufzug im Foyer schiebe, erscheint der Einrichtungsleiter in der Tür seines Büros und winkt mich herbei. „Kommen Sie doch bitte gleich mal kurz rein!“ ruft er mir zu.

Ein paar Minuten später betrete ich sein Büro, setze mich auf den Besucherstuhl vor seinem Schreibtisch und bin ganz Ohr.

Der Mann, mit dem ich vorhin im Garten war – kennen Sie den?“, beginnt er.

Nein, keine Ahnung.“, antworte ich. „Noch nie gesehen. Hab mir allerdings gedacht, dass das irgendein wichtiger Mensch sein muss, so teuer, wie der gekleidet war!“

Das war Herr L., unser oberster Chef, der neue Diakonievorstand. Da kam das nicht so gut, dass Sie ihn einfach mit `Hi!` begrüßen…“

Ich muß grinsen, weil mir natürlich die hierarchischen Strukturen des Ladens bekannt sind und meine Begrüßung tatsächlich leicht genervt und im Stress dahingemurmelt war. Andrerseits ist mir zwar bekannt, dass die Diakonie Rhein-Kreis Neuss seit Januar einen neuen Vorstand hat, aber getroffen oder gesehen habe ich ihn noch nie.

Chef, Sie hatten beide Masken auf…“, raffe ich mich zu einer Antwort auf, „ich kann ja schlecht bei jedem mir unbekannten Besucher sagen `Ziehen Sie doch mal Ihre Maske ab, damit ich nachsehen kann, ob ich sie nicht in irgendeinem Diakonie-Heft gesehen habe und Sie vielleicht eine wichtige Person sind`… außerdem war ich wirklich im Stress mit den Vorbereitungen da draußen, das haben Sie doch gesehen…“

Der Chef grinst ebenfalls und meint: „Ja, das hab ich ihm auch gesagt. Der hat natürlich gleich gefragt, was das für ein Mitarbeiter gewesen ist. Ich hab ihm gesagt, dass das der Herr Strathus ist, der mit den Kunstprojekten, und dass der gerade im Stress war. Ich hab’s also abgebogen. Aber ich wollte es ihnen doch gesagt haben, dass das nicht gut ankam mit dem `Hi`…“

Ich überlege kurz, ob ich ein gewisses Maß an Zerknirschung vortäuschen soll, zumal ich nächstens mal wieder eine Überprüfung meiner Lohneinstufung anzumelden gedenke, was auf jeden Fall beim Vorstand landen wird. Ich lass es bleiben, trolle mich und sinniere über die Lächerlichkeit einer Arbeitswelt, in der die Oberen die Unteren nicht nur so knapp wie irgend möglich halten, sondern dafür auch noch die Einhaltung der sozialen und einkommensmäßigen Hierarchie durch respektvoll-devote Anrede erwarten.

Geschichten aus dem Pflegeheim: Im Frühtau zu Berge

Die „Tagesgruppe Demenz“ hat sich personell verändert: vier Teilnehmer, deren Demenz so weit fortgeschritten ist, dass sie nicht mehr in der Lage sind, dem Angebot zu folgen und die lediglich – mehr oder weniger vor sich hin dämmernd – teilnahmslos in ihren Pflegerollstühlen sitzen, sind ausgeschieden; die freien Plätze nehmen jetzt vier Damen mit leichter bis mittelschwerer Demenz ein. Diese Einstufung ist auch, laut Konzept der „Tagesgruppe“, die Voraussetzung für eine Teilnahme.

Damit hat sich die gesamte Atmosphäre der Gruppe verändert; die Stimmung ist deutlich aktiver und fröhlicher. In der neuen Zusammensetzung findet wieder mehr Interaktion zwischen den Teilnehmern statt und Spiele-, Rate-, Sing- und sonstige Runden finden bei der deutlichen Mehrheit der Anwesenden ein begeistertes und engagiertes Echo.

Beim Frühstück summt eine der neuen TeilnehmerInnen die Melodie „Im Frühtau zu Berge“ vor sich hin, zwei weitere fallen ein und schon haben wir den schönsten Morgengesang am Tisch. Der strahlende Sonnenschein dieses herrlichen Frühsommertages scheint die Gemüter empor zu heben, und die Runde beginnt von sich aus, sich über Wanderungen in Wald und Gebirgen zu unterhalten.

Frau P., wann sind sie denn das letzte Mal gewandert?“, frage ich eine 92-Jährige, die ebenfalls erst seit kurzem in der Gruppe ist. „Ach, das ist lange her..“, sinniert sie. „Das war beim BDM!

Ein paar Anwesende lachen und bestätigen, dass auch für sie die Wanderungen und Naturerlebnisse beim „Bund Deutscher Mädel“ mit schönen Erinnerungen verknüpft sind. Frau S. aus Westpreußen erinnert sich ebenfalls an viele Wanderungen und Abenteuer „beim Jungvolk“, denkt aber ebenso gerne an Wanderungen mit ihrem Vater zurück, bei denen dieser lauthals Lieder schmetternd mit ihr durch die Buchheide bei Stettin zog.

Flugs ist eine geeignete Playlist bei Spotify gefunden („Wanderlieder zum Mitsingen“) und in der Fantasie verwandelt sich die ganze Tagesgruppe in eine Wandergruppe auf dem Weg in die Berge. Die passende Bebilderung male ich derweil ans Flipchart, wobei ich Vorschläge aus der Runde aufgreife. „Ja, genau so einen Wanderhut hatte mein Vater!“ höre ich von Frau F., und „Das könnte ich mit meinem Opa sein!“ kommt aus einer anderen Ecke.

Wir singen, malen, erzählen und verbringen einen Vormittag in den Bergen, obwohl wir alle in einem eher kleinen Raum an vier Tischen sitzen. Besonders die kleinen Details auf dem Bild faszinieren meine Schützlinge: das rosa Kaninchen zum Beispiel, das natürlich viel schlauer ist als der Fuchs, der weiter oben auf die Gelegenhet wartet, dem Kaninchen das Fell über die Ohren zu ziehen. Oder die Ameisen, die von ihrem Hügel neben dem Kilometerstein zu der Bananenschale hin- und hermarschieren, um mit dem halb vergammelten Fund ein Festmahl zu feiern.

Auf Wunsch einer weiteren Teilnehmerin baue ich noch einen Mitbewohner in das Bild ein, der zwar nicht an der „Tagesgruppe“ teilnimmt, dafür aber wohnbereichsweit bekannt ist für seine dauernden Klagen, dass ihm so schwindlig sei. Dabei schwankt er in der Regel demonstrativ hin und her, wie ein Seemann bei Windstärke 10 und starkem Wellengang – ein hervorragender Anlaß, um einen kleinen musikalischen Abstecher in das weite Feld der Seemannslieder zu machen, so dass nun die ganze Runde „Junge, komm bald wieder“ intoniert.

Zwischendrin gibt’s noch ein paar Worträtsel zum Thema „Berge und Wandern“ als Gedächtnistraining – auf diese Weise kann ich auch überprüfen, wie es um die kognitiven und assoziativen Fähigkeiten meiner Truppe bestellt ist. Hier tut sich Frau F. hervor, auch eine von den Neuen: eine 90-Jährige, die ansonsten eher still ist und meistens gütig lächelt. Diese Übungen jedoch machen ihr Spaß, sie erfaßt die zu vervollständigenden Wörter sofort und platzt schon mit der richtigen Antwort heraus, während die anderen noch lesen. Frau F. ist räumlich ziemlich desorientiert; sie findet oft den Weg in ihr eigenes Zimmer nicht – umso erstaunlicher, dass sie auf dem Gebiet der Worterkennung und -Verknüpfung keinerlei Probleme hat.

Schon naht die Mittagszeit. Dem Thema des Vormittags entsprechend, ist uns allen jetzt eher nach einer Brotzeit mit Schinkenbroten und Radler als nach dem Kaiserschmarren mit Kompott, der heute auf dem Speiseplan steht. Aber der Hunger treibt‘s runter, schmecken tut‘s auch einigermaßen und die Höhenluft des Vormittags hat die Teilnehmer so müde gemacht, dass alle zufrieden und satt sich in ihre Zimmer zum verdienten Mittagsschlaf zurückziehen.