Aus aktuellem Anlass:

Aus aktuellem Anlass:

Спасибо, Мария Захарова.
„US Deputy Secretary of State Victoria Nuland said that if she were a Russian, she would expect the government to invest in road construction, education and medicine. But instead, the Kremlin is engaged in creating a crisis and sending “the military there in the snow.”
In response, Russian Foreign Ministry spokesman Maria Zakharova advised her to remain an American citizen, but keep thinking about the same. In the United States, education and medicine are a “great problem.” The US healthcare system during the pandemic clearly demonstrated its level both to the population of the country and to the whole world, “Zakharova wrote in Telegram.
She also advised Nuland to take care of the state of the roads in the US and start from New York. Maria Zakharova noted that there are no such “potholes” as in Manhattan in any major city in the world.
The Foreign Ministry spokesman proposed to find the necessary amount of money by reducing American bases in Europe. Zakharova also advised to stop funding “color revolutions” and not spend money on maintaining impostors like Juan Guaido or Svetlana Tikhanovskaya.“
https://azlyrics.com.az/lyrics/zakharova-answered-nuland-who-suggested-that-she-was-a-russian/

Sie schreiben‘s herbei. Sie wünschen sich so sehnlich, endlich den Waffengang gegen Russland starten und journalistisch begleiten zu können, dass ihnen schon der Finger am Abzug zuckt.
Der „Angriff auf die Ukraine“ (also auf den inoffiziellen NATO-Vorposten an der russischen Grenze), der ohnehin nur in der bellizistischen Fantasie westlicher Kriegsherren existiert, ist für die Kriegsberichterstatter des Hamburger Ostfront-Landserblättchens schon beschlossene Sache – so tief haben sie sich in das Denken des russischen Präsidenten eingelesen (vermutlich mit der großen Glaskugel in der Chefredaktion), dass es nur noch darum geht, ob man „Putin davon abhalten kann“ oder nicht.

Die „Tagesgruppe Demenz“ kann momentan aus Personalmangel nicht wie gewohnt stattfinden: eine zweite Person wird benötigt, wenn es in dem gewohnten (und gemäß geronto-psychiatrischem Konzept der „Tagesgruppe“ vorgesehenen) separatem Raum stattfinden soll.
„Du musst das mit allen hinten im Speisesaal machen. Ich kann dir niemanden für die Tagesgruppe geben – da finde ich kein Personal für“, informiert mich die Wohnbereichsleiterin stoßseufzend und widmet sich wieder ihrer undankbaren Aufgabe, den von Krankmeldungen und sonstigen Ausfällen in Mitleidenschaft gezogenen Dienstplan irgendwie so umzumodeln, dass ein halbwegs geordneter Betrieb möglich ist.
„Hinten im Speisesaal“ heißt, dass ich es statt mit neun dementen Menschen in der stabilisierenden Umgebung unseres gewohnten vormittäglichen Zusammenseins mit 12 – 15 Personen zu tun habe – und zwar im vergleichsweise unruhigen Umfeld des öffentlichen Speisesaals, einem Durchgangsraum, der neben den Küchenkräften mit ihren Essenswagen von Pflegerkräften, Besuchern, Fußpflegerinnen, Physiotherapeuten und diversen Kollegen frequentiert wird, die alle irgendetwas wollen und so für Ablenkung sorgen.
Für die Bewohner andrerseits – jedenfalls für diejenigen, die nicht ohnehin Mitglied der „Tagesgruppe“ sind – ist es ein Gewinn und eine willkommene Abwechslung. Anstatt unbeschäftigt vor sich hin zu starren und sich zu langweilen, wird ihnen ein unterhaltsames und interessantes Programm geboten. Dement sind sie alle in verschieden Graden, auch wenn nicht alle die offizielle Diagnose haben. In der Altersgruppe der Hochaltrigen (Menschen über 80 Jahre) gibt es statistisch gesehen einen Anteil von einem Viertel bis einem Drittel Demenzkranker – in den Pflegeeinrichtungen allerdings weit mehr als die Hälfte, in manchen Wohnbereichen alle bis auf wenige Ausnahmen.
Ich schließe erstmal die beiden Durchgangstüren, um den morgendlichen Aufstehlärm auszusperren. Der Arbeitsrythmus in Pflegeheimen erfordert es, die Bewohner ab 7:00 aufzuwecken und „frisch zu machen“, also die Grundpflege durchzuführen. Das wird begleitet von oft lautstarker Kommunikation auf den Gängen und aus den Zimmern zwischen Pflegern, Hauswirtschaftskräften, Sozialdienst-Mitarbeitern usw.
Das frühe Aufstehen ist nicht jedermanns Sache, und manch eine beschwert sich darüber. Dann wird versucht, den Leuten mehr Zeit zu lassen – was auch dem ausgedünnten Personalstand bei den Pflegekräften zugutekommt, die sich ohnehin die Arbeit gut einteilen müssen, um alles schaffen zu können. Umgekehrt gibt es Bewohner, die aus irgendwelchen Gründen immer die letzten sind, die aus dem Bett geholt werden und die sich wiederum gerade darüber beschweren; verständlich, wenn man bedenkt, das dies Menschen sind, die gar nicht alleine aufstehen KÖNNEN.
Ab 8.00 Uhr beginnt sich der Speisesaal zu füllen, um kurz nach 9:00 sind auch die letzten erschienen und bis um 10:00 haben alle gefrühstückt. Ich habe mich wie in der regulären „Tagesgruppe“ nützlich gemacht, indem ich Essen verteile, denen helfe, die alleine nicht zurechtkommen, Essen anreiche usw. Vor allem aber habe ich unsere traditionelle Tagesgruppen-Guten-Morgen-Musik aufgelegt, die „Wiener Walzer“-Playlist von einem meiner Endgeräte, die ich seit Jahr und Tag im Heim einsetze. Diese musikalische Begleitung des Frühstücks – in dezenter Lautstärke natürlich – ist ein wichtiger mentaler Anker für Leute, deren ganze Welt im negativen Sinne im Fluß ist und vor ihrem inneren Auge immer fragmentarischer und unübersichtlicher wird.
Jetzt, um kurz vor 10 Uhr , kann es losgehen. Ich verbinde Endgerät 1 (Telefon) mit einem wuchtigen und leistungsfähigen LG-Lautsprecher; Endgerät 2 (Tablet) wird mittels eines HDMI-Kabels mit dem Riesen-Fernseher, der an der Wand montiert ist, verbunden und ich frage meine Zuhörer, womit wir uns heute so gemütlich wie möglich die Zeit vertreiben wollen: Quatsch mit Soße oder kunterbuntes Halligalli? Das frage ich jedesmal, und meistens ist die Antwort „Quatsch mit Soße!“. Auch diesmal will eine qualifizierte Mehrheit Quatsch mit Soße serviert bekommen; ergänzend fügt Frau N. hinzu: „… und ganz viele Lieder!“.
Im Grunde ist es völlig egal, was gewünscht wird, da ich eigentlich immer improvisiere und nie weiss, was bei unseren vormittäglichen Runden rauskommt. Der einzige „gesetzte“ Programmpunkt ist die Musik. Die Musik – in der Regel Schlager der 1930er bis 1970er Jahre – ist der Kitt, der alles verbindet und der Schlüssel zum Tor der Erinnerungen.
Um für meine Truppe ein bißchen die Spannung zu erhöhen und – ich gebe es zu – auch mir selbst ein solides Quantum Entertainment und Spaß zu verschaffen, frage ich aber erstmal in die Runde, was auf dem Bildschirm – der den weißen Hintergrund der Zeichen-App anzeigt – zu sehen ist. Nach ein paar verdutzten Sekunden rufen einige „Nichts!“ In die Runde. Darauf habe ich natürlich nur gewartet, denn nun kann ich aus dem „Nichts“ eine bebilderte Geschichte entstehen lassen, deren Ablauf und Details auch mir selbst noch nicht bekannt sind. Ich zeichne also drauflos und kommentiere dabei, was entsteht.
Wir (mich eingeschlossen) werden Zeuge, wie eine schöne, aber für den Zuschauer unsichtbare, Prinzessin oder Sultanstochter einsam in einem festungsartigen Palast auf der persischen Hochebene festsitzt, während ihr Galan, ein durchaus traditioneller Prinz, sich anschickt, sie in Begleitung seines treuen dicken Dieners und eines Lehrers zu besuchen, vielleicht sogar zu befreien. Wovon? Soweit sind wir noch nicht. Zunächst mal müht sich der dicke Diener mit dem schweren Koffern ab, während der Lehrer angestrengt in das Klassenbuch blickt und sich wundert, wieso alle Schüler gute Noten haben.
Der Lehrer ist überhaupt nur ins Spiel gekommen, weil das ferne Land, in dem die Geschichte spielt, das Land der Blauen Berge ist. Das bekannte Lied ist schnell gefunden, ist den meisten bekannt, und schon singt die ganze Runde einen Pennälersong, den sie bestimmt schon zu Schulzeiten gesungen haben. Und so geht es weiter, vom Hölzchen aufs Stöckchen und von Lied zu Bild und umgekehrt. Aus einem wilden Gekritzel entsteht plötzlich Friedrich Nietzsche, dessen tragisches kurzes Leben und Ende als Pflegefall die Anwesenden fasziniert hören und anscheinend gut nachempfinden können. Jeder hat auch schon mal irgendwo von „Also sprach Zarathustra“ gehört, und sei es – was wahrscheinlicher ist – als musikalisches Werk von Richard Strauss.
Nach diesen Ausflügen in die Kindermusik und zu symphonischen Klassikern kehren wir zurück zu der bei dieser Klientel beliebtesten musikalischen Gattung: dem Schlager. Meine Zuschauer sind gebannt und bestens unterhalten von der Mischung aus Live-Zeichnen und der dank Internet schnell zur Verfügung stehenden Musik. Wir wenden uns jetzt einer Quiz-Show zu, die stets beliebt ist und für allerlei Rätselfragen, Erinnerungsarbeit und biografische Reminiszenzen sorgt: dem Schlager-Raten!
Das Prinzip ist denkbar einfach: ich versuche, zeichnerisch Titel und Thema des Liedes abzubilden und die Anwesenden sollen es erraten. Das ist bei der Arbeit mit dementen Menschen manchmal gar nicht so ohne. Oft muss ich ihnen auf die Sprünge helfen, indem ich sie immer wieder auffordere, zu beschreiben, was sie sehen – von dort ausgehend kommt dann in der Regel jemand auf den gesuchten Titel.
Heute hat die Quiz-Show aber eine besondere Note. Schon beim ersten Bild, dessen musikalische Vorlage („Lass uns träumen am Lago Maggiore“) schnell erraten wird, werden ungewohnt kritische Stimmen laut, als ich den Sänger nenne: Rudi Schuricke, u.a. Urheber des All-Time-Klassikers „Capri-Fischer“. „Bloß nicht!“, läßt sich Frau K., eine neue Bewohnerin, vernehmen. Auf meine erstaunte Frage nach dem Grund ihres Ausrufes antwortet sie: „Ich kann den Schmalz nicht hören!“
Die anderen, quasi der Rudi-Schuricke-Fanclub von Neuss, sind fassungslos. Sie halten sich aber zurück, obwohl man manchen der alten Herrschaften anmerkt, dass sie eine solche Herabsetzung ihres Idols nicht billigen können. Frau K. informiert jetzt noch mich und die Runde, dass sie eigentlich Jazz und Swing bevorzuge, und „von dem ganzen Schlagerkram“ noch nie etwas gehalten habe. Das finde ich nun wieder sehr gut und gebe gleich mal „Swing“ in die Suchfunktion der Musik-App ein.
Um die Mehrheit der Zuhörer nicht allzusehr zu verprellen und um nicht zu drastisch mit den ziemlich konventionellen Hörgewohnheiten meiner Leute zu brechen, wähle ich Glenn Millers „In the Mood“ aus. Am Tag zuvor konnte ich nämlich beobachten, wie die hochdemente Frau Sch. auf dem Weg in ihr Zimmer schnurstracks kehrt macht und mit ihrem Rollator so eilig sie kann zurück in den Speisesaal steuert, als genau dieser Song im Radio läuft. Sie gerät dabei ins Schwärmen: „Diese Musik finde ich so toll! Dazu haben wir getanzt früher!“
„In the mood“ finden alle richtig gut, sie kennen die Melodie; im Übrigen enthalten recht viele Erfolgsschlager aus den 1950er und 1960er Jahren Swing-Elemente, so daß hier nichts gänzlich Unvertrautes oder Schräges die Ohren meines Publikums verwirrt. Tatsächlich gefällt der Swing-Sound einer Bewohnerin, Frau H. aus der „Tagesgruppe“, so gut, dass sie mit Oberkörper, Armen und Händen mitgeht und im wahrsten Sinne des Wortes mitschwingt.
Das allerdings ruft ihre Sitznachbarin, Frau B., auf den Plan. Die hat schon eine ganze Weile mit wachsendem Unmut Frau H.s Sitztänzchen beobachtet und kann nun nicht mehr an sich halten: „Lassen Sie mal den Unsinn. Müssen Sie hier so rumhampeln? Ist ja lächerlich…“, zischt sie Frau H. an. Frau B. ist keine Teilnehmerin der „Tagesgruppe“, sonst hätte sie vermutlich Frau H.s oft spontane und direkte Art gekannt und sich gar nicht erst mit ihr angelegt.
Frau H., die wegen ihrer durch die Demenz verursachten Angst- und Verwirrtheitszustände seit kurzem „Bedarf bekommt“ (Pflege-Deutsch für die Vergabe von ruhigstellenden Psychopharmaka „bei Bedarf“), ist zwar etwas verlangsamt und für ihre Verhältnisse ziemlich milde gestimmt, aber keineswegs so sediert, dass sie nicht zu antworten wüsste. Sie mustert ihre Nachbarin erstaunt und sagt: „Was haben SIE denn? Lassen Sie mich in Ruhe!“
Frau B. läßt sie aber nicht in Ruhe und zetert weiter auf sie ein. Um die Sache nicht eskalieren zu lassen, muß ich eingreifen. Ich stelle mich zwischen die beiden und bitte sie, freundlich zu bleiben und jeden so tanzen und sein zu lassen, wie er oder sie es will. Um Frau B. einzubeziehen – ich weiß, dass sie an Depressionen leidet und oft tagelang das Bett nicht verlässt – und ihr einen Ausweg zu bieten, frage ich sie, was sie denn gerne so für Musik hört oder früher gehört hat.
Mit der Frage bin ich allerdings an die Falsche geraten. „Gar keine!“, bescheidet sie mich abschlägig, „ich musste ARBEITEN!“, wobei sie das Wort „arbeiten“ betont wie eine abscheuliche Krankheit. Hinter ihren Worten sind die Bitterkeit und der entgangenen Spaß am Leben zu spüren. Ich starte einen Versuch, sie vorsichtig in sanfteres Fahrwasser zu bringen und frage, ob sie bestimmte Lieder oder Musik gut fand, als sie jung war, tanzen ging und verliebt war… vielleicht die Musik, die sie beim ersten Kuss gehört hat, denn an die erinnert man sich gern (falls dabei Musik lief). Das kennen die meisten und nicken zustimmend.
Frau B. entgegnet, schon etwas milder, aber immer noch mit einer unterschwelligen Jahrzehnte alten Bitterkeit: „Das war doch Sünde! Das hat doch der Pfarrer verboten!“. Ich kenne ihre persönliche Geschichte nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass sie als junge Frau genau diese bigotte christliche Frömmelei, diese kranke Repression menschlicher Zuneigung und Sexualität erfahren hat und davon bis heute geprägt ist.
Ich bedränge sie nicht weiter mit diesem Thema und spiele zur Versöhnung aller mit allen – außer der Schmalz-Allergikerin Frau K. – einige unserer Standardschnulzen aus den goldenen Fünfzigern und Sechzigern. Das heißt, ich spiele sie nicht einfach ab, sondern lasse meine Leute anhand meiner Zeichnungen raten, welches Lied als nächstes dran kommt. Seefahrtslieder, die oft von Sehnsucht, Heimweh und Verlorenheit in der Fremde singen, sind aus naheliegenden Gründen sehr beliebt bei dementen Menschen, und so erklingt zunächst mal „Wolken, Wind und Wogen“ und „Heimweh nach St. Pauli“ von Freddy Quinn. Die melancholische Melodie des ersten Liedes in Verbindung mit seinem leicht unheimlichen Text („Was das Meer genommen gibt es nie zurück“) scheint auch Frau B. zu gefallen, denn sie hat ihre Nachbarin in Ruhe gelassen, schließt die Augen und wiegt ganz vorsichtig ein bißchen den Kopf dazu.
Um auch Frau K. mit der Schmalz-Aversion zu signalisieren, dass sie gehört und gesehen wird, erinnere ich an die 1950er Jahre, in denen die Musik entstand, die als Vorläufer und Wegbereiter der ganzen nachfolgenden Pop- und auch Schlagermusik gelten kann. Und welche Musik war das? Rätselraten bei meinen Zuhörern. Als ich aber die Namen der bekanntesten Protagonisten nenne, strahlt Frau K. und ruft „RockˋnˋRoll!!“ in die Runde.
Rock‘n‘Roll ist die Musik der Jugendzeit dieser Generation und überfordert auch die Schlagerfans nicht musikalisch. Zu den Klängen von Bill Haley’s „Rock around the clock“ nähern wir uns dem letzten Teil unserer heutigen Runde – die Mittagszeit naht. Für mein schlagerseliges Klientel ist Rock’n’Roll allerdings nicht einfach zu schlucken – egal ob sie alle in ihren Teenager- oder Twen-Jahren waren, als dieser Sound neu war. Ich merke, dass einige überhaupt nichts damit anfangen können und dass auch diejenigen, die die Musik eigentlich gut finden, wegen der englischen Texte nicht mitsingen können – was sie aber gerne würden.
Darum schlage ich jetzt noch einen Bogen bzw. einen Haken zum Schlager und erzähle ein bißchen was über einen weiteren Schmalz- und Schnulzenkönig der deutschen Schlagerwelt und dessen tragisches Ende. Ich lasse die Gruppe raten, mit welcher dänischen Sängerin ein gewisser Ludwig Franz Hirtreiter (so sein legaler Name) unter dem Künstlernamen Rex Gildo ein Lied über einen Stadtpark mit ausgefallener Straßenbeleuchtung zum Besten gegeben hat. Kein Problem für die versierten Schlagerexperten meiner Runde – ich habe kaum die Mauer des Stadtparks und die Laternen fertig skizziert, schon kommen aus verschiedene Richtungen die richtigen Antworten!
Mit dem schönen zweistimmigen Gesang des Duos Rex Gildo/Gitte Haennig und dem positiven und rebellischen Text des Liedes „Vorm Stadtpark die Laternen“ – der Text bricht eine Lanze für die Liebe ohne Kompromisse mit Neidern und Besserwissern – klingt die Runde aus. Noch eine halbe Stunde bis Mittag, und die brauche ich für Abbau und Rücktransport meines Equipments und für die unumgängliche Dokumentation.





Diese Dokumentation von ARTE über den chinesischen KP-Chef und Staatspräsidenten Xi Jinping ist in zweierlei Hinsicht interessant.
Einmal als Musterbeispiel des gewohnt dümmlichen Antikommunismus westlicher Medien, die von Klassenkämpfen und -Interessen aus Prinzip keine Ahnung haben wollen und alles politische Handeln von Staaten und Klassen auf die Launen und Psychomacken einzelner Führer zurückführen (außer natürlich bei westlichen Anführern – diese vertreten grundsätzlich die weltgeistige Gesamtvernunft und handeln stets sachdienlich im Sinne regelbasierten Freiheiten, klar).
Der ARTE-Beitrag bildet da keine Ausnahme, sondern gipfelt u.a. in der messerscharfen tiefenpsychologischen Analyse, dass „Xi von seinem Volk (verlangt), dass es ihm wie einem Propheten folgt, um gemeinsam mit ihm die Welt zu erobern“.
Auch benötigt das Propagandastück des Deutsch-französischen Kultursenders keine 10 Minuten, um bei dem Satz anzugelangen, der es mittlerweile zu Kultstatus, zahllosen Memes und einem populären Hashtag bei Twitter gebracht hat: „… aber zu welchem Preis?“ (#butatwhatcost), die Frage die westlich eingebettete Medien immer dann stellen, wenn sie nicht umhin können, Chinas Erfolge auf allen möglichen Gebieten zähneknirschend einzugestehen.
Soweit, so unfreiwillig lustig für den nicht imperialismusgläubigen Zuschauer, der im Heu der Ideologie die Nadel der Information zu finden versteht. Und hier wird’s zweitens interessant, weil der Beitrag dann doch zumindest die Stationen des chinesischen Präsidenten aufzählt und zwischen den bizarren antikommunistischen Textbeitrögen und Interviews unbeabsichtigt eben auch viel nützliches Wissen für diejenige versteckt, die sich ihren eigenen Reim auf die Verhältnisse und deren Aufbereitung durch die freiheitlich-demokratischen Gaubebskrieger zu machen wissen.
Wie Armin Kirchmaus kommentiert: „Der Duktus ist der Übliche, aber wenn man selektives Drüberwegschauen gelernt hat, erfährt man bissl was.“
https://www.arte.tv/de/videos/078193-000-F/die-neue-welt-des-xi-jinping




Warum geht’s den Chinesen immer besser, so dass die chinesische KP Zustimmungsraten hat, von denen imperialistische Politiker nur träumen können?
Das macht der chinesische Kommunistenchef nur aus einem Grund: er will sich seine Macht sichern!
Machterhalt, na klar! Wenn das man kein Grund ist
– das bevölkerungsreichste Land der Erde aus 100jähriger kolonialer Demütigung und Ausplünderung zuführen;
– hunderte Millionen Menschen aus absoluter Armut zu befreien;
– in wenigen Jahrzehnten ein prosperierendes und modernes sozialistisches Staatswesen aufzubauen, dass den untergehenden Westen, also die ehemaligen Kolonialisten, in jeder Hinsicht überrundet…
..all das einzig aus persönlichem Machtstreben eines einzelnen Chinesen! Wie gut, dass westliche Journalisten mit Psychologie-Diplom uns über diesen Zusammenhang aufklären! Und wie gut, dass die seriöse und neutrale „Zeit“ solchen profunden Analysen Zeilen einräumt.
#butatwhatcost #deppenpropagandafuernarren #diegelbegefahr

Vielleicht mit ganz viel Achtsamkeit?

Ich trat aus der Zeitlosigkeit heraus und betrat mit frischen Augen, die Programmierungen der Vergangenheit abstreifend, die äußere Realität des dritten Planeten zu Beginn des – nach der Zeitrechnung der Erdlinge – dritten Jahrtausends.
Es gelang mir, mich unerkannt einzufügen in das betriebsame Durcheinander einer Spezies, die nur mit einem beschäftigt schien: Überleben in einem so unverständlichen wie unnötigem Kampf jeder gegen jeden, aller gegen alle; ein Kampf, den die Kämpfer selber religiös verklärten und verabsolutierten mit Sagen und Erzählungen über „Freiheit“ und einer angeblich ihnen innewohnenden Neigung zur Konkurrenz und zur Hierarchie.
Ja, sie gingen sogar soweit, dass sie die bizarren Rituale ihrer privaten und gesellschaftlichen Reproduktion auf eine nur ihnen eigenen und innewohnenden „Natur“ zurückführten, auch wenn weit und breit keine Lebensform in Sicht war – weder auf dem dritten noch irgendeinem anderen der bewohnten Planeten – deren Natur im erbarmungslosen Ringen um Dominanz über ihresgleichen bestand oder in der davon bewirkten fortschreitenden Zerstörung ihrer eigene Lebensgrundlagen.
Am merkwürdigsten allerdings mutete mich an, dass diese Spezies, die kognitiv eindeutig zur Abstraktion und Selbstwahrnehmung befähigt schien und einen ausgeprägten präfrontalen Cortex besaß, in ihren privaten wie vor allem in ihren öffentlichen Räumen buchstäblich überall, auf jeder freien und sichtbaren Fläche, Botschaften des Inhaltes anbrachte, dass das Gattungsindividuum die Güter und Waren, die seine Gesellschaft herstellte, kaufen und konsumieren möge.
Durch den Wegfall einer Rückkehrmöglichkeit (aufgrund eines Risses in der Raumzeit) währte mein Besuch nun bereits etliche Jahrzehnte, und mich deuchte, das oben beschriebene Phänomen würde immer ausgreifender und allgegenwärtiger. Und so war es auch: immerzu und in überwältigender Häufigkeit forderten die Erdlinge sich gegenseitig auf, die Zahlungsmittel ihrer Gesellschaft für Kaufvorgänge einzusetzen. Dabei schien es egal, für welche Art Konsumtion dieser weitgehend rituelle Vorgang vollzogen würde – entscheidend war wohl, DASS er vollzogen wurde.
Wohin ein unbefangener Besucher dieses Planeten seinen Blick auch richtete (jedenfalls solange er sich nicht in einer der wenigen verbliebenen dünner besiedelten Zonen der Planetenoberfläche befand), sein Cortex erlebte einen Ansturm verschiedenster Konsum- und Verhaltensaufforderungen und Kaufanreize. Die visuelle Überflutung praktisch aller Gesellschaften des Planeten mit solch primitiver, im wesentlichen die niederen Instinkte ansprechenden, Gedankenkontrolle wurde allerdings von den Eingeborenen kaum registriert. Sie hatten sich daran gewöhnt und schienen die allgegenwärtigen Reize der Verhaltenssteuerung nicht mehr bewusst wahrzunehmen.
Das allerdings war ganz im Sinne ihrer Herren, die angewiesen waren auf das beständige, endlos wiederholte und immer neu definierte Konsumtions- und Unterordnungsverhalten der einzelnen Gattungsvertreter. Denn dies waren Gesellschaften, deren Reichtum in der abstrakten Form des Zugriffs auf die Produkte gemessen wurde, die die Gesellschaften hervorbrachte.
GELD hieß die konkrete Manifestation dieses Zugriffs, und der Zugang zu dieser einzig legitimierten Quelle des Überlebenkönnens und -dürfens in den primitiven Gesellschaftsordnungen des Planeten war strikt reglementiert. Und zwar dem äußeren Anschein nach frei und gleich für jedes Individuum, tatsächlich jedoch entsprechend den hierarchischen Verhältnissen, die der Besitz dieses „Geldes“ (und damit der Möglichkeiten seiner Benutzung und Vermehrung) bereits eingerichtet hatte – und das seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden.
All dies war den betriebsam hin- und her eilenden einzelnen Gattungsvertretern nicht bewusst, während sie ihren täglichen Verrichtungen nachgingen und dabei getrieben waren von der Notwendigkeit eines Überlebens in solcherart absurden Verhältnissen. Sie wähnten sich sogar ohne Herrschaft über sich, da ihre Herren selten als solche auftraten, sondern sich viel lieber den Anschein gaben, Vertreter des allgemeinen Interesses dieser spezifischen Gesellschaften zu sein.
Dadurch, dass der Reichtum in Geld gemessen wurde – und zur Gewinnung eines Reichtums, der in den Augen der Erdlinge diesen Namen verdiente – waren die Besitzer des Reichtums jedoch abhängig von den Produzenten desselben, ohne deren Arbeit nichts produziert und auch kein Reichtum zustande kommen konnte.
Deshalb war ihr Hauptbestreben, letztere niemals dieser Tatsache gewahr werden zu lassen. Dies nämlich hätte für die Herren leicht das Ende ihrer Herrschaft bedeuten können – die Produzenten hätten auf den Gedanken kommen können, die Dinge ihres Bedarfes einfach ohne Herren selber herzustellen und zu verteilen.
Meine Feldforschungen haben jedoch ergeben, dass es anscheinend einige wenige Exemplare unter den planetarischen Humanoiden gab, die die Möglichkeiten ihres entwickelten präfrontalen Cortex nutzten, um sich und ihresgleichen die terrestrische Wirklichkeit zu erklären, damit sie diese entsprechend den Bedürfnissen und Notwendigkeiten der gesamten Spezies verändern konnten.
Ihre Analysen und Ideen blieben nicht fruchtlos; sie sanken, zum großen Ärger der Herren, wie Samen in das kollektive Verständnis der planetarischen Zivilisation und führten an einigen Fokalpunkten der Raumzeitachse des Planeten bereits zu ersten Versuchen, auch mit der kollektiven Organisation der menschlichen Gesellschaften den Möglichkeiten einer intelligenten Spezies näherzukommen.
Diese Versuche, die – wie wir aus der Geschichte der galaktischen Entwicklungsbögen wissen – immer erst gegen Ende der barbarischen Frühphase einer Zivilisation eintreten, die also im Falle des dritten Planeten noch sehr jung und neu sind, wurden in einem Falle von der alten Herrschaft – allerdings nach einem Zeitraum, der der Lebensdauer eines Erdlinge entsprach – erfolgreich wieder rückgängig gemacht.
Ein weiterer Versuch begann vor ebenso langer Zeit – einem Menschenalter – in derjenigen Oberflächenregion, die nicht nur die älteste Zivilisation, sondern auch die höchste Einwohnerzahl des Planeten aufweist. Als interstellare Beobachter kommen wir nicht umhin, dieses im Vergleich zu den vorherigen Versuchen höchst durchdachte, flexible und für die terrestrischen Verhältnisse völlig neuartige Projekt als eine realistische Option einzuschätzen; die in der besagten Oberflächenregion aktiven Gattungsvertreter haben die ersten Schritte unternommen, um die humanoide Spezies des dritten Planeten aus der barbarischen Phase herauszuführen und könnten in wenigen Jahrzehnten die Mindestanforderungen an die galaktischen Standards der Intelligenzentwicklung erfüllen.
Da sich in absehbar kurzer Frist das Raum-Zeit-Portal wieder öffnen wird um meine Rückkehr in die Zeitlosigkeit zu erzwingen, werde ich den Bericht über die Erfolge oder Misserfolge der zivilisatorischen Entwicklung des besagten kleinen Planeten in jenem abgelegenen Sonnensystem anderen Zeitreisenden überlassen müssen. Solange ich kann, verfolge ich die erstaunlichen Wendungen der hiesigen Humanoiden jedoch mit einer Mischung aus Faszination, Abscheu und Respekt vor ihrem Potential.

Nach 3,5 Stunden Schlaf am Neujahrsmorgen um 7:30 im Pflegeheim antreten zu dürfen, um den Küchendienst für ca. 20 Bewohner zu machen – ein würdiger Start in ein weiteres Jahr der Lohnarbeit.
Die WBL sitzt mit Bandscheibenvorfall fitgespritzt im Büro und koordiniert die immer weniger werdenden verfügbaren Pflege-, Betreuungs- und Hauswirtschaftskräfte.
Der einzige Kollege vom Fach (auch er jedoch nur Pflegehelfer), der neben den zwei Azubis heute für die Bewohner da ist, flucht lautstark vor sich hin über den Diakonievorstand, dem es „nur ums Geld geht“ (er macht das Geldzähl-Zeichen mit den Fingern), weshalb die Personalsituation ist, wie sie ist.
Ein relativ neuer FSJler ist, wie ich von ihm erfahre, zur Einzelbetreuung eingeteilt, während ich – als Kunstgeragoge im Sozialen Dienst – mich in die Küche stellen soll. Mir fällt erstmal die Kraft aus dem Gesicht, als ich das höre.
Es stellt sich aber heraus, dass der FSJler ursprünglich den Küchenmenschen des anderen Wohnbereiches ersetzen sollte; dieser ist aber heute wieder erschienen und so kann ich den FSJ-Kollegen sofort dienstverpflichten, mir zur Hand zu gehen.
Auf diese Weise kann ich zwischen den Essenszeiten mein Vormittagsprogramm anbieten, den einrichtungsweit populären Frühschoppen, in welchem ich im Wesentlichen die Rolle des gutmütigen Kneipenwirtes zu verkörpern habe
Nach einer knappen Stunde fröhlichen Palavers und Biertrinkens betreten zwei neue Bewohnerinnen den Raum, angelockt durch mein großes Hinweisplakat vor der Tür und die offenkundig gut gelaunte Gesellschaft drinnen. Die beiden geraten mitten in die feucht-fröhliche Debatte, was es am Jahreswechsel überhaupt zu feiern gäbe – ich ergreife die Gelegenheit, um der Runde meinen gereimten Beitrag zum Thema vorzutragen:
„Hurra Hurra, ein neues Jahr!
Das alte, das schon scheisse war,
weicht einem neuen, das gewiß
so scheisse wie das letzte ist“
Über sowas können Demente wie Orientierte lachen, alle freuen sich über die frechen Verse, nur die demente Frau S. sagt „Scheisse sagt man nicht!“, muß aber lachen, als ich ihr antworte „Jetzt haben Sie’s aber selber gesagt, oder?“
Die Frühschoppenbesucher (alle 14 Tage mache ich das) sind immer mehr oder weniger dieselben Leute und eine verschworene kleine Gemeinschaft – unsere beiden Neuzugänge wirken leicht indigniert, es sind KZP(Kurzzeitpflege)-Gäste, beide orientiert, bildungsbürgerlich erkennbar über dem Durchschnitt. Sie erheben sich, bedanken sich artig und verlassen unsere zotige Kneipe.
Es ist her ohnehin schon wieder kurz nach Elf und ich muss die Leute anspornen, jetzt zügig die Sache zu beenden, weil ich zurück in die Küche muß, um das Mittagessen vorzubereiten.
Herr T., unser (von mir ernannter) „Präsident“ hatte mir zu Beginn der Runde ein Set verschiedenere Weine in 0,5l-Flachen überreicht („Weinreise Deutschland“) und wirkt ohnehin erfreut, dass ich nach einer Woche Urlaub wieder auf der Bildfläche erschienen bin. Als ich abschließend resümiere, das wir all unsere von der Frühschoppen-Tradition vorgeschriebenen Themen gehakt haben (Fußball, Politik, Krieg/Flucht/Vertreibung und Essen), bemerkt er: „Das nächste Mal sprechen wir mal über Kapitalismus/Kommunismus!“
Mit einem anzüglichen Seitenblick auf mich ergänzt er: „Da hat uns der Herr Strathus bestimmt einiges zu erzählen… ich kenn’ doch ihre politischen Ansichten!“ Er hört sich aber nicht an wie ein Gesinnungsinquisitor, sondern eher wie ein diskutierfreudiger Demokrat, der dem kommunismusverdächtigen Sozialer-Dienst-Mitarbeiter mal auf den Zahn fühlen möchte.
„Können wir gerne machen, Herr T.“, antworte ich. „ich bringe ihnen vorab schon mal ein bißchen Marx- und sonstige Lektüre mit, damit wir wissen, über was wir reden und Sie sich ein bißchen ins Thema einlesen können!“
Ich weiß natürlich, dass er aufgrund einer diabetesbedingten Sehschwäche kaum noch lesen kann, aber wir flachsen uns gerne mal ein bißchen gegenseitig an. Immerhin scheint er neugierig zu sein, und sei es nur, um „den Kommunisten“ zu bekehren oder um wie bei Werner Höfers Frühschoppen ein bißchen über Politik zu streiten.
Für ein Wochenende mit Küchendienst ist dieser Samstag meiner Einschätzung nach ganz ordentlich gelaufen.
