Sylvestergedicht/Neujahrswünsche

Die vielfältigen Glück- und Segenswünsche anlässlich der vollendeten Sonnenumrundung des dritten Planeten inspirieren auch mich zu einem Beitrag, den ich ungefragt all meinen Freunden, Feinden und Bekannten aufdrängen möchte:

Hurra, hurra, ein neues Jahr!
Das alte, welches scheisse war,
weicht einem neuen, das gewiß
so scheisse wie das letzte ist.

Neujahrspredigt des Bundesscholz

Scholz ist klar professioneller als Merkel (oder Schröder und Kohl vorher). Oder er hat bessere Rede-Coaches. Inhaltlich dasselbe Salbadere wie alle anderen, eine Art Imitation des pfäffischen Geschwätzes, mit dem man die Leute einlullt und so tut, als wäre die Obrigkeit die Allerfürsorglichste und hätte alles im Griff.

Interessant die dreiste Lüge, die Gesellschaft wäre gar nicht gespalten, sondern im Gegenteil ein wahres Wunder an Hilfsbereitschaft, Anpackerei und vorbildlicher Volksgemeinschaft. Aber das hören die Leute gerne – oder Politiker denken, dass die Leute das gerne hören.

Wie bei Merkel fällt auf, dass Tonfall, Duktus und Art der Ansprache den Eindruck erwecken, hier spräche einer zu Kleinkindern oder Dementen, müsste alles ganz einfach und langsam in möglichst simplen Worten erklären, um die mentale Kapazität der Zuhörer nicht zu überfordern. Im Grunde eine dreiste Beleidigung der Intelligenz jedenfalls der paar Leute, die sich für zwei Pfennig selber Gedanken machen. Der Rest will’s wohl so haben – diese Art Politikerpredigten können vermutlich schon ähnlich wie „Dinner for one“ als Sylvesterritual gelten.

Achja, die verklausulierte Kriegshetze gegen Russland durfte auch nicht fehlen, maskiert als Friedensblabla – „Die Werte der EU sind Frieden, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie“ – und Bekenntnis zum westlichen Kriegsbündnis.

Eine Vision

Ich werd jetzt Prophet. Letzte Nacht erschien mir folgende Vision im Traum; sie war so eindrücklich, dass ich schnell alles notierte, damit nichts verloren geht!

Huldigungen nehme ich per PN und per Überweisung entgegen.

EINE VISION

Nehmt den Schleier eurer Geschlagenheit
von eurem Blick aufs politische Leben

Zieht weg die Decke von Kummer und Leid
von eurem Verzicht aufs Erheben

Den Deckel aus stummer Verzagtheit hebt
vom Unsinn, dem Feind zu vergeben

Trinkt vom Quell der Erhabenheit
um zum Kommunismus zu streben!

(messianischer Revolutionär/ revolutionärer Messias wandelt über verkohlte Holzbohlen über einer Art Abgrund, in dem Massen von Leuten sind. Er singt dabei, begleitet von einem gewaltigen Chor unsichtbarer Engel, obige Verse zu einer schmissigen Melodie. Gleichzeitig schüttet er inspirierendes Zauberpulver aus Jutesäcken auf die Massen und schenkt Kaffee aus. Die Massen jubeln und werden für den Kommunismus erleuchtet.)

Geschichten die das Kino schreibt: der letzte Rest von Realitätssinn im Imperialismus findet in Filmen statt

In den vergangenen paar Tagen habe ich zwei Filme (einen kanadisch-belgischen Thriller und eine us-amerikanische Komödie bzw. Satire) gesehen, die nahelegen, dass die intelligentesten und realistischsten Leute des zerfallenden Imperialismus immer noch in Hollywood bzw. in der Filmindustrie sitzen.

Nicht unbedingt die Produzenten oder Filmgesellschaften, aber die Drehbuchautoren (und die Schauspieler, zu einem Teil). Es scheint so, dass die Bestandsaufnahme des Zustandes der USA weniger in den Feuilletons der führenden Zeitungen und Onlineportale stattfindet, nicht in der akademischen Debatte oder in soziologischen Fachforen, und schon gar nicht im Denken und Reden von Politikern, ihren oligarchischen Geldgebern oder gar Unternehmen, sondern vorzugsweise und wenn überhaupt in den höchst professionellen und gnadenlos guten cineastischen Abbildungen der amerikanischen Realität – sei es als Krimi oder als Komödie.

Der erste Film heißt „Crisis“ und beschreibt anhand eines vielfältig verknüpften Krimi-Plots die Folgen der Opioid-Krise. Er zeigt, was nicht erst die millionenfache Drogensucht (die sich in millionenfachen Gewinnen der einschlägigen Pharmaunternehmen ausgezahlt hat) aus dem amerikanischen Menschenschlag gemacht hat. Ein hervorragendes Darstellerensemble mit dem genialen Gary Oldman vorneweg und fantastische Landschafts- und Städteaufnahmen erzählen die Geschichte von Verfall, Untergang, Gier und Profit, die das gesamte Leben jenes gestraften Landes ausmacht. Nebenbei fiel mir beim Zuschauen das erste mal die hierzulande unerträgliche Veronika Ferres positiv auf, die die mit allen kapitalistischen Wassern gewaschene unsympathische Vorstandsvorsitzende eines Pharmakonzerns spielt (eine Rolle, für die sie sicher nicht lange üben musste).

Als zweites gönnte ich mir – auf Anraten australischer Freunde – die neue Netflix-Produktion „Don’t look up“. Ein Komet rast auf die Erde zu, die zuständigen Astronomen warnen die offiziellen Stellen und die Menschheit – aber keinen interessiert’s wirklich, alle reagieren entsprechend ihrer jeweiligen Gehirnwäsche durch Politik und Medien; vor allem der amerikanische Blickwinkel, den der Film zwangsläufig hat, zeigt, dass in diesem Land irgendwie schon alles egal ist und auch der Weltuntergang entweder als Geschäftsgelegenheit oder als Social-Media-Debattensteilvorlage benutzt wird. Ein bißchen so, wie man sich das völlig verfaulte, dekadente, untergehende Rom vorstellt. Das Ganze mit den hochkarätigsten Schauspielern, die Hollywood zu bieten hat (DiCaprio, Streep) und bis auf das leicht frömmelnde Ende ein satirischer Hochgenuß.

Nochwas: gebt euch die Filme unbedingt im Original. Englisch versteht jeder, und das bißchen Intelligenz und Anstrengung, bei unbekannten Ausdrücken mal auf die Untertitel zu schauen, ist nicht zu viel verlangt. Sonst macht ihr euch wirklich – speziell bei „Crisis“, der in Teilen (wo er in Kanada spielte) zweisprachig ist – das cineastische Erlebnis kaputt und aus einem ausländischen Film einen Stummfilm mit einem deutschen Hörspiel oben drüber, wodurch ihr die Hälfte des Realitätsgehaltes des Films wegschmeißt.

Geschichten die die Qualitätsmedien schreiben: Gut und Böse sind klar verteilt in der Welt!

Heute nehme ich mir mal die „Heute“-Nachrichten des ZDF vor.

Die Corona-Pandemie nimmt den weitaus größten Teil der Sendung ein; man hört widersprüchliche Informationen über einen im Vergleich zur vorigen Welle wohl weniger schlimmen Verlauf bei der neuesten Virusmutation, andrerseits aber aus verschiedenen europäischen Ländern eine Gruselnachricht an der anderen zum furchtbaren Wüten (oder dem Warten darauf) der „Omicron“-Welle.

Ein Satz läßt dann doch aufhorchen und verdeutlicht die Absurdität dieser Mischung aus Panikmache und Beschwichtigung, eigentlich aber Ratlosigkeit: „Die größer werdende Omikron-Welle schlägt sich noch nicht in den Zahlen nieder – die sinken weiter.“ Sodann berichtet der Sprecher von über 11.000 weniger Neuinfektionen innerhalb einer Woche und sinkenden Inzidenzen. Da soll also etwas größer werden, das abnimmt? Hä?

Zum Glück ist dann der „Corona-Block“ der Nachrichten vorbei und der Zuschauer erhält wieder Gelegenheit, sich wohlig-angstvolle Schauer über den Rücken laufen zu lassen, während ihm die neuesten Meldungen von der Vorkriegsfront verlesen werden: Der Russe hat in Form seines Präsidenten (der in deutschen Frontmedien stets nur „Putin“ – ohne Anrede, ohne Titel – genannt wird) eine 4-stündige Pressekonferenz gegeben und auf dieser frech bestritten, dass er die Ukraine überfallen und bekriegen will.

Er fordert sogar – dreist wie Iwan – von der NATO Garantien gegen eine noch weitere Ausdehnung nach Osten! Ein solch unverständliches Ansinnen fällt dem Oberrussen nur ein, so weiß der Reporter aus Moskau, weil der russische Präsident „beleidigt“ ist, die östliche Demokratiemission des friedliebenden transatlantischen Menschenrechtsvereins also gründlich missverstanden hat und jetzt ein „gekränkter Präsident mit Drohkulisse“ ist, im Grunde also einen Psychotherapeuten braucht.

Zu dem ziemlich lauten und starken Beifall am Ende der Pressekonferenz merkt der ZDF-Reporter an: „Zum Schluss der Veranstaltung gibt es Beifall..“ (er legt eine Kunstpause ein) „… von ein paar russischen Journalisten.“ Damit hat der ZDF-Mann dem deutschen Fernsehpublikum klar gemacht, dass selbstverständlich nur Clacqueure und Hofschranzen einem Autokraten wie Putin Beifall spenden, was ZDF-Mitarbeiter, als freie Journalisten, natürlich erstens durchschauen und zweitens niemals machen würden – die Stichwortgeberrolle derselben Journalisten und ihre unterwürfigen Interviewformate gegenüber Merkel, Scholz & Co sind hier als Vergleich auf keinen Fall angebracht, denn bei unseren Politikern handelt es sich ja um lauter wertebasierte Demokraten.

Um im Kopf des Zuschauers abschließend (für diese „Heute“-Sendung) wieder in Erinnerung zu rufen, wer die Guten und wer die Bösen sind in dieser leider so schlechten – dank unserer weisen Politiker und Journalisten aber doch auch überschaubaren – Welt, wird schnell noch ein neues Schurkenstück des anderen (und, wie wir seit kurzem wissen, noch viel übleren) Bösewichts der Staatenwelt vorgestellt: der CHINESE ist mindestens jeden Tag für irgendeine undemokratische Schandtat gut. Diesmal hat er in Hongkong ein Denkmal abbauen lassen. In Hongkong! Also eigentlich in UNSERER Stadt, denn dass wir als Gesamteuropäer, also irgendwie trotz Brexit auch als Briten, diese Kolonie an die Volksrepublik zurückgegeben haben (so großmütig können wir sein!), ist ja nicht so lange her. Es erweist sich allerdings im Nachhinein als schwerer Fehler, denn der Rotchinese versucht dort tatsächlich, dem dortigen chinesischen Menschenschlag das demokratische Recht auf die Existenz als Fünfte Kolonne des Imperialismus zu nehmen.

Jedenfalls haben die chinesischen Behörden eine Plastik entfernen lassen, die an „das Massaker auf dem Tienanmen-Platz von 1989“ erinnern bzw. das Gedenken daran wachhalten soll. Der „Heute“-Sprecher trägt die offizielle westliche Sprachregelung für die seinerzeitigen Studentenproteste vor, als ob es sich tatsächlich um ein „Massaker“ gehandelt hätte (jeder seriöse Historiker und interessierte Laie weiss mittlerweile, dass die chinesischen Sicherheitskräfte 1989 mitnichten irgendwelche Studentenmassen massakriert haben, sondern im Gegenteil einem in Teilen gewalttätigen und konterrevolutionären Mob erstaunlich milde entgegentraten).

Das westliche Narrativ vom „Massaker“ ist aber zu schön und zweckmäßig für den antichinesischen Propagandakrieg von NATO-Politikern und angeschlossenen Medien, um ihn zugunsten der historischen Wahrheit aufzugeben. So kriegt das Publikum Schluck für Schluck und jeden Tag das Gift der Lüge eingeflößt. Längst hat sich das verselbständigt; längst ist durch die millionenfache Wiederholung auch beim letzten Bürger hängen geblieben, dass erstens der Chinese voll undemokratisch und autoritär beherrscht wird und er zweitens bei abweichender Meinung auch noch massakriert wird. Verständlich, dass ein solcher Unrechtsstaat genauso wie das seinerzeitige ostdeutsche Pendant unter verschärfter Beobachtung durch unsere friedliche NATO stehen muss und letztlich – wiederum ebenso wie das ostdeutsche Unrechtsstaatswesen – zur Demokratie bekehrt gehört.

Der Bürger erschauert erneut, bekreuzigt sich innerlich dreimal, dass er sich zum Reich der Freiheit zählen darf und hofft inständig, dass unsere Bundeswehrmacht und ihre Verbündeten genügend Feuerkraft haben, um die Angriffspläne des beleidigten Russenchefs und die Massaker der gelben Diktatoren abzuwehren. Damit ist aber auch wieder gut mit den Schauermeldungen, schließlich ist Weihnachten und den Menschen ein Wohlgefallen, und nun der Hauptfilm!

Wie man in Deutschland reich wird

Einfache Antwort: so wie überall sonst auch – indem man Geld als Kapital einsetzt, irgendein Business damit anschubfinanziert und die Arbeitskraft anderer ausbeutet.

Komplizierte Antwort: Reichtum ist ein rätselhaftes Naturphänomen, das der liebe Gott oft Unwürdigen, meist aber den Tüchtigen zukommen lässt, die damit für ihre Leistungsbereitschaft und Wettbewerbsfähigkeit belohnt werden. Wie das genau geht, muß bei so einem komplizierten Thema ein Soziologe erläutern.

Knast für „Atheisten“

2021, ca 300 Jahre nach der Aufklärung: Saudi-Arabien, ein vorbildlicher Staat und enger Freund des Westens, ist bekanntlich ein ausgezeichneter Kunde für allerlei Rüstungsgüter aus den Washingtoner und Londoner Hauptstädten der Freiheit und beherbergt eine der gigantischsten US-Basen außerhalb der USA.

Außerdem ist das sympathische Königreich führend im fachgerechten Zerstückeln von Gegnern der dortigen Staatsführung (letztere vielleicht nicht ganz so demokratisch wie wir es von unseren Herrschern gewohnt sind, aber immerhin fest auf dem Boden der wertebasierten westlichen Weltordnung stehend).

Doch auch auf religiösem Gebiet macht sich der Wüstenstaat verdient um die vorschriftsmäßige Frömmigkeit seiner Untertanen bei der Befolgung der göttlichen Gebote, die ja dank eines glücklichen Zufalls dortzulande auch die staatlichen sind.

Er tut dies auf eine Weise, die sogar den Vatikan neidisch werden lässt und gewiß so manchem hiesigen Politiker Bewunderung abnötigt (immerhin gibt es hierzulande sogar zwei ganze Parteien in jahrzehntelanger Regierungsverantwortung, die stolz den Namen der religiösen Hauptströmung des Landes im Namen führen!)

Wie auch immer, die frommen Wüstensöhne (die Töchter haben dort wenig zu melden) haben in Form eines Gerichtsurteils klargestellt, dass sich der liebe Gott – dort vertraulich Allah genannt – bei der Befolgung seiner Gebote keinesfalls auf die eigene Allmacht verlassen möchte, sondern sich gerne seines weltlichen Arms bedient, um Sünder, Ketzer und Kommunisten zur Räson zu bringen.

Und was ist die schlimmste Sünde, die größte Ketzerei? Na klar: die ganze Geschichte von vornherein nicht zu glauben und die Existenz Gottes frech zu leugnen!!

Ganz zu recht schreibt das Fachblatt für vergleichende Religionsforschung, der “Spiegel” (sic!), hier “Atheismus” in Anführungszeichen, denn einem wahren Gläubigen ist klar, dass es sowas in Wirklichkeit gar nicht geben kann, da ja alles Gottes Schöpfung ist!

Soviel Rechtgläubigkeit stimmt jedenfalls zuversichtlich, dass – weltweit gesehen – ketzerische Ideologien wie dekadenter Liberalismus oder gar der gottlose Kommunismus inshallah niemals eine Chance haben werden.

Good News from China

Der Artikel verdeutlicht, WAS der kollabierende Imperialismus sich mit seiner wahnwitzigen Strategie, China zu bekämpfen (und – haha – zu besiegen) vorgenommen hat – statt das Angebot der Volksrepublik anzunehmen, mit ihr zusammen an der Entwicklung einer prosperierenden, multipolaren Welt zu arbeiten:

Eine Don-Quijoterie epochalen Ausmaßes, eine nicht nur völlig unnötige, sondern nicht gewinnbare Konfrontation.

Der Selbstmord des Imperialismus gewissermaßen, und. DAS ist die gute Nachricht.