Ein Hundeleben: erst mit Herrchen am Rhein auf Karnickelpirsch gehen und danach den Sonnenuntergang bewundern, um anschließend vom Frauchen ausgiebig gebürstet zu werden- mehr Genuß geht nicht für einen Hund von Welt.





Endlich (nach Wochen oder Monaten) fertig koloriert: Belsenplatz Mystery. Lass ich die Personen auf der Zeichnung Menschen oder Geister sein? Weiß ich noch nicht.



Eine ununterbrochene Kakophonie von hammerschlagartigen Klangkaskaden, die bei unter Zwanzigjährigen als Musik gelten, quillt einem schon entgegen, bevor man auch nur der Kirmes ansichtig wird.
Durch die Seiten- und Nebenstraßen Oberkassels, in denen sonst gut betuchte, dezente Menschen zu sehen sind, die ihre SUVs parken und mit ihren Hunden flanieren, strömen Heerscharen von Feierwilligen dem Ort der erhofften Vergnügungen entgegen. Gelegentlich Familien mit ein bis mehreren Kindern, die hier sicher viel Geld loswerden(eine Bratwurst kostet 5,00 Euro), in der Regel aber Gruppen von Jugendlichen mit erkennbaren Migrationshintergründen.

Die Invasion des Neusser, Duisburger, Krefelder und Mönchengladbacher Prekariats spiegelt sich wieder in der endlosen Schlange von KfZs, die auch um 21:00 noch die Luegallee in Richtung Rheinufer rollt. Kurz vor der Rheinkirmes hatte die Stadt Düsseldorf die lobenswerte Idee, die zweite Fahrspur der Luegallee zur Fahrradspur zu machen – verkehrstechnisch das einzig richtige, für die Pkw-Benutzer aber ein Nadelöhr, das den Weg vom Belsen-Platz bis zur Oberkasseler Brücke im Berufsverkehr und jetzt zur Kirmes zu einem Stop-and-Go-Abenteuer macht.

Wenn man sich das Spektakel nur von außen anschaut und sich die nervtötende adoleszente Umpf-Dumpf-Musik wegdenkt, ist die Kirmes ein schöner, glitzernder, flimmernder Anblick. Das findet auch der Hund, der sich neugierig und erstaunt alles anschaut und weder vom Lärm noch von den gleitenden, blinkenden, sich bewegenden Geräten gestört wirkt.

Seine Menschen allerdings sind froh, wenn sie der Vergnügungszone entronnen und wieder im ruhigen, schattigen Park sind.

Schadenfreudiger Fun Fact der ganzen Angelegenheit: während der neun oder zehn Tage Rheinkirmes leiden ausgerechnet die Anwohner in der absolut edelsten und teuersten Wohnlage Düsseldorfs, nämlich die Bewohner der Häuser am noblen Kaiser-Wilhelm-Ring, am meisten unter dem lärmenden Treiben. Es sei ihnen von Herzen gegönnt. Aber wahrscheinlich haben sich etliche von ihnen ohnehin in Fünfsterne-Hotels in der rechtsrheinischen Innenstadt untergebracht oder sind gleich zu einem Kurzurlaub nach Bali oder Hawaii aufgebrochen, um die Kirmeszeit zu umgehen.

Am Freitag beginnt das größte Volksfest in NRW, ausgerechnet quasi vor meiner Haustür. Der lokale Einzelhandel greift das Thema ebenfalls gerne auf; dieser Optiker hat den Vogel abgeschossen und eine ganze Playmobil-Kirmeslandschaft aufgebaut.
Das beste: die eine Figur im Klohäuschen ist in kotzender Haltung dargestellt – eine ziemlich realistische Anspielung auf den zehn Tage währenden Ausnahmezustand, in dem unsere beschauliche linksrheinischen Idylle von den asozialen Horden aus den Unterschichtsstadtteilen oder gar den Prekariatstrollen aus Mönchengladbach, Duisburg und Krefeld heimgesucht wird.




Es ist wieder soweit: das Endgerät muß im Kühlschrank runtergekühlt werden. Leider gibt’s keinen Kühlschrank, in den ICH reinpasse. Und zu irgendeiner Form von Klimaanlage (und sei es ein Ventilator) habe ich es auch noch nicht gebracht. Obwohl ich mir seit ungelogen VIER JAHREN jedesmal sage, dass für den nächsten Sommer aber auf jeden Fall irgendeine Maßnahme ergriffen werden muss, um die Dachwohnung bei plus 30 Grad Außentemperaturen irgendwie zu einem bewohnbaren Obdach zu machen.
“I lost my hat while gazing at the moon, and then I lost my mind.”
Jalāl al-Dīn Muḥammad Rūmī (1207 – 1272)

Bizarre Rituale der mitteleuropäischen Eingeborenen: erwachsene Männchen, meist mit Bierbäuchen, marschieren in Phantasieuniformen mit Fahnen und Standarten im öffentlichen Raum. Die Polizei sperrt dafür sogar Straßen ab.

Selbst in einem Edelviertel wie dem linksrheinischen Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel werden die Anzeichen der Deindustrialiserung und Verarmung des kollektiven Westen, vor allem aber Europas, allmählich sichtbar. Immer mehr Läden schließen, die Anzahl der Bettler und der Leute, die in irgendwelchen Hauseingängen schlafen nimmt zu, man hört immer öfter, dass Nachbarn und Bekannten gerade ihren Job losgeworden sind, weil ihr Arbeitgeber dichtmacht. Dass alte Menschen abends die Papierkörbe nach Pfandflaschen durchsuchen, ist seit einigen Jahren auch in Oberkassel ein gewohnter Anblick.
Hinzu kommt ein Phänomen, das vielleicht nur in einem sehr bürgerlichen „weißen“ Viertel wie Oberkassel überhaupt auffällt: die zunehmende Anzahl von ausländisch aussehenden Männern in den Zwanzigern, die in dunkler Sportkleidung (oft in Kombination mit Baseball-Caps) mit dunklen Autos aus der Kategorie „Protzkarosse über 100.000 Euro“ vorfahren (oder lässig an diese gelehnt stehen und auf arabisch, albanisch oder türkisch in die flach vor ihren Mund gehalten Smartphones reden). Was das nun zu bedeuten hat, kann ich nicht einschätzen. Ich vermute einen Zusammenhang mit örtlicher Gastronomie, Prostitution und dem Vertrieb illegaler Substanzen.

Diese Beobachtungen veranlassen mich zu grundsätzlichen Spekulationen über die Natur des gesellschaftlichen Überlebenskampfes. Jeder dieser individuellen Marktteilnehmer erstrebt für sich ein Optimum an Erfolg, Glück, Zufriedenheit usw.. Das übersetzt sich in dieser Gesellschaft also in das Streben nach dem Stoff, der alle Wünsche wahr werden läßt: Geld. Daran zu kommen, und zwar an möglichst viel und möglichst regelmäßig, ist das A undO aller Bemühungen des marktwirtschaftlichen Individuums.
Die Hindernisse, die zu überwinden sind, die Zwänge, denen man sich unterwerfen muss, um bei diesem Spiel mitzumachen, versucht jeder, so gut es geht für sich nutzbar zu machen, um über die Runden zu kommen. Nicht-Teilnahme wird mit dem Untergang der bürgerlichen, oft der physischen, Existenz bestraft. Alles Streben nach dem bißchen privaten Glück, nach der Nische von Komfort und Sicherheit für sich und die Nächsten, hat sich den vorgegeben Regeln des Gelderwerbs und der gesellschaftlichen Organisation dieser Aktivität, also den Eigentumsverhältnissen, zu unterwerfen.
Der Blick des bürgerlichen Individuums scheint nie über den Tellerrand seines Erfolgsstrebens hinauszugehen. Es fragt sich nicht, woraus der Teller besteht, wer ihn da überhaupt hingestellt hat und warum einige sich nie fürs Zurechtkommen abrackern müssen, die meisten aber schon. Wenn man schon von lauter gesellschaftlichen Zwängen und Einschränkungen umstellt ist, die dem privaten Streben immerzu Steine in den Weg legen und die den Zugang zu den Mitteln der Realisierung des Erstrebten sehr einseitig verteilen – wäre es dann nicht sinnvoll, sich über die Zustände sachkundig zu machen, innerhalb derer dieses private Streben stattfindet?
Man könnte dann herausfinden, dass man weder selber den Tausch gedeckt hat, noch über die Verteilung der Portionen mitzureden hat. Man hat den Teller hingestellt bekommen und darf in aller Freiheit zusehen, wie man ihn gefüllt kriegt. Jeder Versuch, über den Tellerand hinauszuschauen, wird von den Dienern des Restaurantbesitzers höchst ungern gesehen, nach Möglichkeit abgewürgt und mit dem Hinweis auf die vielfältigen bunten Dekorationen auf dem Tellerrand abgebügelt. Wenn dann einer partout immer noch den Kopf heben und mal in die Küche schauen möchte, kriegt er den ultimativen Satz aller Sätze auf die Ohren: „Schnauze! Sei froh, dass es überhaupt Suppe gibt! Eine andere Küche gibt es nicht, jeder der das versucht hat, ist verhungert!“
All die vielen Worte sollen nur meine Verwunderung ausdrücken, dass alle Welt so beschäftigt ist mit dem Streben nach dem individuellen Glück und so desinteressiert an den Bedingungen, unter denen dieses Streben stattfinden muss.

Ich weiß nicht, ich weiß nicht… irgendwie scheinen mir diese beiden Schlagzeilen zusammenzuhängen. Als bestünde eine Korrelation zwischen beiden Meldungen…. Ich komm nicht drauf, aber mir ist so, als hätten sie teilweise den gleichen Inhalt…

Nur das historische Gebäude mit der alten Schrift über der Tür weist noch darauf hin, dass hier einstmals ein staatliches Dienstleistungsunternehmen untergebracht war, das (vielleicht beamtenmäßig, aber zuverlässig) Briefe und Pakete beförderte, Zahlungen und Bankgeschäfte ausführte usw.
Heute beherbergt das Gebäude – so wie alle Postfilialen, die ihr Postgeschäft noch nicht in irgendwelche Kioske oder sonstige Einzelhandelsgeschäfte ausgelagert haben – eine Filiale der Postbank, ein Unternehmen der Deutschen Bank. Diese gelb angestrichene Privatbank hat ihre Öffnungszeiten für den Publikumsverkehr immer weiter reduziert; mittlerweile ist samstags ganz geschlossen und unter der Woche noch vormittags geöffnet.
An den fünf Postschalter sitzen maximal zwei Angestellte, die versuchen, so gut es geht, dem Kundenandrang gerecht zu werden. Auf der gesamten Länge des Publikumsbereiches sind mit Glaswänden abgetrennte Beratungsbüros der Postbank eingerichtet, insgesamt vier, die auch alle besetzt sind. Dort sitzen beschlipste Männchen in Einheits-Sakkos an Schreibtischen und drehen Däumchen beim Warten auf Bankkunden. Denen sollen sie die Bankprodukte der Deutschen Bank im Gewand der Postbank verkaufen. Im Schalterbereich stauen sich unterdessen die Schlangen der Postkunden bis zum Eingang. Geld einzahlen und abheben müssen Postbankkunden nämlich nach wie vor am Schalter.
Das ganze Elend dieses 1995 in einen börsennotierten Konzern umgewandelten staatliche Dienstleisters, der alle paar Jahre umgebaut, filetiert und auf immer noch mehr Profitabilität ausgerichtet wird, bleibt den normalen Postkunden natürlich nicht verborgen. Jeder Gang zur Post für die üblichen Anliegen wird zu einer Zumutung, für die man Zeit, Geduld und Nerven mitbringen muss. Während der ausgiebigen Wartezeit kann man sich die Männchen in den Glaskästen anschauen, die wichtigtuerisch in Akten blättern, Notizen anfertigen und auf Bildschirme schauen, aber in der Regel keinerlei Kundschaft haben.
In einer besseren Gesellschaft würde die gesamte öffentliche Infrastruktur des Landes – Post, Telekommunikation, Transport, Gesundheit – in den wesentlichen Teilen und als erster Schritt wieder staatlicher Kontrolle unterstellt und den privaten Eigentümern entzogen.

