Rückblick auf die Rheinkirmes

Am Sonntag ging die Düsseldorfer Rheinkirmes am Oberkasseler Rheinufer zu Ende, das größte Volksfest in Nordrhein-Westfalen. 300.000-400.000 Besucher suchen Spaß, Abwechslung, Vergnügen, Unterhaltung und Konsum auf zahlreichen modernen Fahrgeschäften, in Fressbuden, Bierzelten und was sonst noch so zu einem Riesenvolksfest gehört.

Das Düsseldorfer Edelviertel Oberkassel, Hort und Refugium einer zahlungskräftigen Mittel-bis Oberschicht, die in den historischen Altbauten weitgehend unter sich bleibt, wird zwar großräumig abgesperrt, aber die Durchgangsstraßen bleiben für den Verkehr geöffnet, und die Menschenmassen, die von den Parkplätzen und ÖPNV-Haltestellen zur Kirmes drängen, sind natürlich überall zu sehen in diesen acht oder neun Tagen

Viele Oberkasseler verziehen sich während der Rheinkirmes in den Urlaub oder aufs Land, sind also lieber nicht vor Ort. Die, die hierbleiben, sind mit einem erstaunlichen Phänomen konfrontiert, dass Oberkasseler so sonst überhaupt nicht kennen: den Einbruch der Unterschicht nach Oberkassel! 

Nicht unbedingt die lumpenproletarische Unterschicht; etliche der so genannten „Asen“ (Oberkasseler Codewort für „Asoziale“, also Wenigverdiener vorwiegend migrantischer Herkunft, die nicht hierher gehören), die mit ihren tiefer gelegten Teuerkarosseen im Schritttempo die Luegallee Richtung Rheinufer fahren, verdienen vermutlich mehr als manche Einwohner Oberkassels. Jedenfalls definitiv mehr als ich.

Gemeint sind mit der abschätzigen Bezeichnung die Horden aus Krefeld, Duisburg, Mönchengladbach, Neuss und so weiter, die während der Kirmes hier einfallen, laut sind, alles vermüllen, nachts besoffen durch die schönen, von Altbauten gesäumten Straßen Oberkassels torkeln und in die Rabatten pinkeln. Tatsächlich gleicht das Gassi gehen mit dem Hund an einem Kirmeswochenende einem Spießruten- oder Slalomlauf: überall zerbrochene Bierflaschen, Glascherben, Erbrochenes, Müll, Essensreste… Es ist nicht schön.

Ungewohnt für Oberkasseler Bürger ist auch der hohe Anteil erkennbar migrantisch geprägter Mitbürgern, aus denen das Kirmespublikum zu gefühlt 75 % besteht: in der Regel junge, entweder muskulöse oder in der Art der aufgedunsenen ukrainischen Bandera-Spacken dickliche Männer, fast alle bärtig, die mit lauten Stimmen und in Begleitung ihres weiblichen, häufig bekopftuchten Anhangs, erwartungsvoll dem Ort ihres Vergnügens und der Leerung ihres Portmonees zustreben. 

Denn der Spaß ist teuer. Eine Einzelperson gibt für den Besuch von ein bis zwei Fahrgeschäftsattrakionen, ein Bier und einen Döner locker 50 € aus. Wie eine ganze Familie mit vielleicht zwei oder drei Kindern einen Kirmes Besuch finanziell stemmt, will ich mir lieber nicht vorstellen.

Am Ende des Spektakels atmet ganz Oberkassel auf, und mich überfällt schlagartig die Einsicht, dass ich hier wirklich in einem fast irrealen Paralleluniversum lebe: Bekanntlich sieht der Großteil der Stadt (und vermutlich Deutschlands) mehr so aus wie unser Nobelviertel in den letzten neun Tagen: Lärm, Gebrüll und Müll wo man hinkommt, sehr viele Ausländer im Straßenbild (ja ja, ich weiß, die haben alle einen deutschen Pass) und das Gefühl, dass das alles zu viel ist. 

Vielleicht bin ich aber nur zu alt für den Scheiß.

Rheinkirmes droht

Ab morgen wieder neun Tage Ausnahmezustand.

Das größte Volksfest in NRW direkt vor meiner Haustür. Heerscharen von vergnügungswütigen Ruhrpotteinwohnern, die zu allem entschlossen sind, um ihre tiefergelegte, übermotorisierte Karre irgendwo in Fusswegnähe der Rheinkirmes abzustellen (ÖPNV ist für einen gewissen sozialen Cluster tabu bzw. ihm unbekannt), sind schon in den Startlöchern.

Zum Glück sperrt die Düsseldorfer Stadtverwaltung unser elitäres Viertel weiträumig ab, so dass die Oberkasseler zumindest parkplatzmässig noch mehr unter sich bleiben als gewohnt.

Die babarischen Horden der Duisburger, Krefelder und Bchumer Unterschichten werden uns dennoch heimsuchen, die Straßen vermüllen und uns nachts keine Ruhe gönnen.

Erbarmungslose Jagd nach Spaß und Vergnügen ist angesagt am linken Rheinufer, denn es ist RHEINKIRMES!!

Eine ununterbrochene Kakophonie von hammerschlagartigen Klangkaskaden, die bei unter Zwanzigjährigen als Musik gelten, quillt einem schon entgegen, bevor man auch nur der Kirmes ansichtig wird.

Durch die Seiten- und Nebenstraßen Oberkassels, in denen sonst gut betuchte, dezente Menschen zu sehen sind, die ihre SUVs parken und mit ihren Hunden flanieren, strömen Heerscharen von Feierwilligen dem Ort der erhofften Vergnügungen entgegen. Gelegentlich Familien mit ein bis mehreren Kindern, die hier sicher viel Geld loswerden(eine Bratwurst kostet 5,00 Euro), in der Regel aber Gruppen von Jugendlichen mit erkennbaren Migrationshintergründen.

Die Invasion des Neusser, Duisburger, Krefelder und Mönchengladbacher Prekariats spiegelt sich wieder in der endlosen Schlange von KfZs, die auch um 21:00 noch die Luegallee in Richtung Rheinufer rollt. Kurz vor der Rheinkirmes hatte die Stadt Düsseldorf die lobenswerte Idee, die zweite Fahrspur der Luegallee zur Fahrradspur zu machen – verkehrstechnisch das einzig richtige, für die Pkw-Benutzer aber ein Nadelöhr, das den Weg vom Belsen-Platz bis zur Oberkasseler Brücke im Berufsverkehr und jetzt zur Kirmes zu einem Stop-and-Go-Abenteuer macht.

Wenn man sich das Spektakel nur von außen anschaut und sich die nervtötende adoleszente Umpf-Dumpf-Musik wegdenkt, ist die Kirmes ein schöner, glitzernder, flimmernder Anblick. Das findet auch der Hund, der sich neugierig und erstaunt alles anschaut und weder vom Lärm noch von den gleitenden, blinkenden, sich bewegenden Geräten gestört wirkt.

Seine Menschen allerdings sind froh, wenn sie der Vergnügungszone entronnen und wieder im ruhigen, schattigen Park sind.

Schadenfreudiger Fun Fact der ganzen Angelegenheit: während der neun oder zehn Tage Rheinkirmes leiden ausgerechnet die Anwohner in der absolut edelsten und teuersten Wohnlage Düsseldorfs, nämlich die Bewohner der Häuser am noblen Kaiser-Wilhelm-Ring, am meisten unter dem lärmenden Treiben. Es sei ihnen von Herzen gegönnt. Aber wahrscheinlich haben sich etliche von ihnen ohnehin in Fünfsterne-Hotels in der rechtsrheinischen Innenstadt untergebracht oder sind gleich zu einem Kurzurlaub nach Bali oder Hawaii aufgebrochen, um die Kirmeszeit zu umgehen.

Die Rheinkirmes naht!

Am Freitag beginnt das größte Volksfest in NRW, ausgerechnet quasi vor meiner Haustür. Der lokale Einzelhandel greift das Thema ebenfalls gerne auf; dieser Optiker hat den Vogel abgeschossen und eine ganze Playmobil-Kirmeslandschaft aufgebaut.

Das beste: die eine Figur im Klohäuschen ist in kotzender Haltung dargestellt – eine ziemlich realistische Anspielung auf den zehn Tage währenden Ausnahmezustand, in dem unsere beschauliche linksrheinischen Idylle von den asozialen Horden aus den Unterschichtsstadtteilen oder gar den Prekariatstrollen aus Mönchengladbach, Duisburg und Krefeld heimgesucht wird.