Meine eigene individuelle kleine Presse- und Medienschau deutscher Meldungen über die 100-Jahr-Feier der CPC und die Ansprache des chinesischen Präsidenten macht mich sprachlos.
Das schiere Ausmaß an Haß, Hetze und wertekriegerischer Überheblichkeit, mit der der unglaubliche Aufstieg der Volksrepublik und die sehr sachliche und freundschaftliche Rede Xis kommentiert wird, erschreckt und läßt Schlimmstes befürchten.
Es wird deutlich, dass dieser Westen, dieser Imperialismus, in Form seiner Leitmedien und leitenden Politikern, ausschließlich in Kategorien der Konfrontation, der Konkurrenz und des Kampfes denkt.
Der Gegensatz könnte nicht größer sein – zwischen der (auf der Grundlage seiner historisch einmaligen Erfolgsgeschichte) ausgestreckten Hand Chinas und dem aggressiv feindseligen Kläffen der imperialistischen Meute, die angesichts des eigenen Niedergangs nichts anderes weiß als wütend und irrational um sich zu beißen.
Besteigst du den Kalten Berg,
so nimmt der Weg kein Ende.
Entlang der Bäche aufgetürmt die Felsen,
die Flüsse breit, das Gras von Nebel bedeckt.
Das Moos ist rutschig, doch gab es keinen Regen,
die Kiefern singen, auch ohne Wind.
Wer kann lassen die Bande der Welt und
mit mir sitzen, inmitten der weißen Wolken.
(Han Shan)
„Niemand weiß, woher Hanshan stammte. Es gibt noch alte Leute, die ihn gekannt hatten: sie sagen, er wäre ein armer Mann gewesen, ein verrückter Geselle. Er lebte allein an einem Ort, genannt Hanyan, Kalter Felsen, siebzig Li westlich des Tangxing-Bezirkes von Tiantai. Oft stieg er hinunter zum Guoqing-Tempel, wo Shide lebte, der für den Speisesaal zuständig war. Manchmal bewahrte dieser Essensreste für Hanshan auf und verbarg sie in einem Bambusrohr. Hanshan kam dann und nahm sie mit. Langsam ging er den langen Gang entlang, rufend, lärmend und die Leute neckend, oder er sprach vor sich hin ins Leere und lachte. Einmal folgten ihm die Mönche und fingen ihn, um ihm eine Abreibung zu verpassen. Er blieb stehen, klatschte in die Hände, lachte eine Weile laut – Ha, Ha! – und entfernte sich dann.“
(aus dem Vorwort zu den Gedichten des Hanshan, von Lü Qiuyin, Leiter der Präfektur Tai)
„Die in 100 Jahren nationaler Emanzipation, existentieller Bedrohungen, zahlreicher Rückschläge, an Bürgerkriegskämpfen, zahllosen Diskussionen, etlichen Kursanpassungen, mehrfachen „Sich-selbst-neu-Erfindens“ und unendlichen Lernens hindurch gereifte KPCh hat die europäischen, US-amerikanischen und japanischen Kolonialismen sowie die Kuomintang-Soldateska überwunden; sie hat Hungersnöte, feindlich Interventionen, Isolations- und Sanktionsregime überstanden, die Entwicklung Chinas in schwierigen Phasen mehrfach neu ausgerichtet und ein Land geschaffen, dass völlig neue Wege geht, die die Menschheit so noch nie gegangen ist.
Einer solchen politischen Kraft (darf) man getrost zutrauen und zumuten, selbst definieren zu können, was für sie selbst und ihr Land „der richtige Weg zu. Sozialismus“ ist.
Da (bedarf) es keiner europäischen Intellektuellen, die selbst vielfach in der europazentrierten Denktradition von Staatssozialismus gefangen sind, die nun oft ebenfalls vor-urteilen, bevor sie verstehen und die glauben, besser zu wissen, was der „wahre“, „wirkliche“, „echte“ und „ideale“ Sozialismus für China wäre.“
Nachdem die EU im Schlepptau der kriegslüsternen US-Administration sich auch mal im China-Bashing üben wollte und mit der allzeit nützlichen „Menschenrechts“-Waffe China ein bißchen erpresserisch gekommen ist, gibt’s Reaktionen.
Diesmal macht sich der Westen (ja, genau: derselbe Westen, der in den vergangenen 20 Jahren beim Bombardieren muslimischer Länder die dort ansässige Bevölkerung millionenfach dezimiert hat) zur Abwechslung mal FÜR Muslime stark, nämlich für die, die unter der falschen, also chinesischen, Herrschaft leben. Die chinesischen Umerziehungs- und Ausbildungsprogramme zur Terrorismuspräventionen in Xinjiang passen nämlich den NATO-Herren der Welt schon deswegen nicht, weil sie effektiv dem Terrorismus den Boden entziehen und somit auch den Nachschub an Söldnern für die vom Imperialismus gesponserten Halsbschneiderbrigaden à la IS, Al Nusra usw. den Nachschub an „Freiheitskämpfern“ und Rebellen“ gegen Bashar al-Assad und andere unbotmäßige Staatsmacher ausdünnen.
Da kommen die fabrizierten Schauergeschichten über Lager, in denen „Millionen“ (glaubt man den westlichen Medien, befindet sich bald die Hälfte der dortigen Bevölkerung in solchen „Lagern“ – wobei natürlich schon das Wort selbst die beabsichtigte Assoziation wecken soll) von „Uiguren“ (eine Bezeichnung, die im demokratischen Untertanenverstand mittlerweile synonym ist mit „arme unterdrückte Leute, die wegen der fiesen Chinakommunisten ihre Religion nicht ausüben dürfen!“) eingesperrt sind – warum, erfährt man in der Regel nicht – die Spin-Doktoren dieser Erzählungen setzen beim kundigen demokratischen Untertan zu recht die eingefleischte Überzeugung voraus, dass Kommunisten so etwas Schurkisches schon aus reiner kommunistischer Bosheit machen) – gerade recht als Hebel, um sich in die chinesische Innenpolitik einzumischen, diesem Staat „die Instrumente zu zeigen“ und ganz generell das Erpressungspotential gegenüber der immer mächtiger werdenden Volksrepublik auszuloten.
Kurzum, die EU vollzieht ihre Sanktionen genannten Erpressungsversuche gegenüber China, holt sich die erwartbare sehr coole und entschiedene Abfuhr der keineswegs beeindruckten chinesischen Staatsmacht ab und kriegt bei der Gelegenheit gleich noch – tot for tat – Gegensanktionen aufgedrückt, die sehr zu recht einige den übelsten anti-chinesischen Hetzer im Brüsseler Machtapparat treffen.
Ein wunderbares Zeugnis postfaktischer geopolitischer Verlogenheit liefert daraufhin ein Staatssekretär im Ministerium des Außenministerdarstellers, nachdem es BRD-Außenamt unter seinem Leichtgewicht mit den Konfirmationsanzügen Heiko „Ich bin schon groß“ Maas das dringende Bedürfnis verspürt hatte, mit dem chinesischen Botschafter ein Gespräch führen zu wollen.
Der Staatssekretär lässt sich in Sachen praktischer Heuchelei von seinem Vorturner Maas nicht die Butter vom Brot nehmen und versucht sich ebenfalls in der Kunst, aus schwarz weiß und aus Scheisse Gold zu machen. Die REAKTION Chinas auf die Frechheiten der westlichen Diplomatie gilt ihm demnach als die „unangemessene Eskalation, die die Beziehungen zwischen der EU und China unnötig belasten“!
Diese geniale Erweiterung und Steigerung professioneller Lügen ließe sich im Grunde nur noch toppen, wenn z.B. ein Autodieb die Polizei beschuldigen würde, für die „Eskalation“ gesorgt zu haben, die in der Dingfestmachung des Täters besteht. Oder – dem weißen westlichen Durchschnittsweltbeherrscher gut bekannt – wenn ein Vergewaltiger seinem Opfer eine „unnötige Belastung der Beziehungen“ durch unangemessenen Widerstand vorwirft.
Ist aber alles egal, denn die beabsichtige Wirkung beim Publikum ist erzielt: CHINA BÖSE WEIL DIKTATUR! – DAS soll sich der NATO-Untertan merken, damit die Kriegsvorbereitungen sowie die Erpressungs- und Einmischungsdiplomatie der westlichen Machthaber Akzeptanz finden bei denen, die diese politischen Manöver überhaupt zur Kenntnis nehmen.
Je mehr China zur Bedrohung für die westliche Vorherrschaft wird, umso mehr häufen sich die propagandistischen Versuche, die Volksrepublik mit der bewährten Menschenrechts- und Freiheitsverlogenheit des Imperialismus anzupissen.
Jetzt hat das Reich von Demokratie und Marktwirtschaft, also der vereinte wertewestliche Freiheitsstall, in dem gerne mal Journalisten verfolgt werden, die Polizeigewalt dokumentieren (Frankreich) oder in dem Reporter bestraft werden und die Ausrüstung beschlagnahmt kriegen, wenn sie von Demos berichten (Spanien), entdeckt, dass der neue Hauptfeind im Prinzip noch schlimmer ist als der Russe, bei es dem bekanntermaßen pressefreiheitsmäßig auch schon zappenduster aussieht.
Der Chinese: noch übler!
Der Beweis: die ausländischen Journalisten dort!!
Die wurden nämlich in Form eines australischen Reporters solange vor der Ausreise festgehalten, bis sie zu einer Person befragt werden konnten, die gegen chinesische Gesetze verstoßen hat. Eine Praxis, die im wertewestlichen Paradies niemals passieren könnte und die die diktatorische Gemeinheit des Chinamannes beweist.
Ohne dass es extra erwähnt werden muss, entnimmt der kundige Freiheitsuntertan dem Subtext solcher Meldungen auch so die Botschaft, dass all das natürlich seine Ursache in der kommunistischen Verfasstheit dieses leider fürs Geschäftemachen benötigten aber im Grunde untragbaren Staatswesen hat.
Der aufgeklärte Demokrat gruselt sich ein bisschen und ist mal wieder froh, in einem Land leben zu dürfen, dessen leuchtende Freiheitsidylle den Endzustand menschlicher gesellschaftlicher Entwicklung darstellt.
Die Selbstverständlichkeit, mit der die bürgerlichen Hofmedien die imperialistischen Pläne und Ziele ihrer Obrigkeiten kennerisch begleiten, wird in all ihrer Frechheit kenntlich, wenn man sich es mal umgekehrt vorstellt:
„Immer mehr asiatische Länder verabschieden Konzepte für den Mittelmeer-Raum“ o.ä.
Auch das Pflichtblatt der Höheren Verwaltungsbeamten und Gymnasiallehrer kann in diesen (für das westliche Reich der Freiheit) schweren Zeiten nicht umhin, vorm Chinamann zu warnen.
Bekanntlich wird dieser, so der Artikel, ja von einer „kleptokratischen Partei“ regiert, die sich wiederum (weil kommunistisch) vor allem durch „Knechtungslust“ auszeichnet. Was man einerseits nicht anders kennt bei Kommunisten, andrerseits haben diese roten Schlitzaugen die übliche kommunistische Unterdrückung des freien Unternehmertums… hm, das blüht und gedeiht allerdings im Reich der Mitte, aber egal: Kommunisten unterdrücken einfach per definitionem.
Jedenfalls hat die kleptokratische Partei dort unten einen „digitalen Leninismus“ erfunden, der ganz besonders fies ist, denn die Leute machen ihn alle mehr oder weniger mit. Noch schlimmer: er ist viel eleganter und subtiler als westliche Polizeistaatsmethoden; eine Tatsache, die den besorgten Schreiber gleich auf die richtigen, wichtigen Fragen bringt:
„… wie wird man der chinesischen Politik noch Repression vorwerfen können, wenn hierzulande die Polizei Parks daraufhin abkämmt, ob sich mehr als zwei Leute im Busch lümmeln? Wie wird man den Chinesen Brutalität vorwerfen können, wenn dort – im Gegensatz zur westlichen Welt – zumindest wieder ein öffentliches Leben existiert?“
Am gemeinsten aber die wahrhaft ausgefuchste Methode der chinesischen Freiheitsfeinde, sich als ganz normale, harmlose Regierende zu präsentieren, wo doch jeder weiß, dass sie MACHTHABER sind:
„Die Machthaber sind klug genug, nach außen ein menschliches, ein tolerantes Antlitz des Sozialismus zu präsentieren, was in Europa, das von der Abneigung gegen Trump blind beseelt ist, auch durchgeht.“
Eine Regierung, die „nach außen“ tolerant und menschlich erscheinen will?! Zum Glück sind solche faulen Tricks im wertewestlichen Paradies ausgeschlossen!
Achgottchen. Die Hamburger Experten für Menschenrechtsfragen, berichten über eine Resolution der UN in der Deutschland und „insgesamt 23 Länder“ China mal wieder anpissen.
„Die Staaten“ (nämlich ziemlich genau diejenigen westlichen Staaten, deren blutige Spur von Krieg und Terror von Lybien über Afghanistan, Irak und Syrien bis nach Venezuela führt) verurteilen die Volksrepublik dafür , dass sie dem von eben diesen 23 Ländern kräftig unterstützten und bewaffneten Terrorismus (tausende der westlichen „gemäßigten Rebellen“, die in Syrien in den Reihen der islamistischen Kopfabschneider kämpfen, kommen aus den muslimischen chinesischen Provinzen) konsequent den Nährboden entzieht. In den Augen der staatlichen Förderer des Regime-change-Terrorismus aus dem Wertewesten also ein schlimmes Vergehem.
Nicht umhin einräumen kann aber selbst das NATO-Sprachrohr von der Elbe, dass die gesamte Welt außerhalb der Zentren des Imperialismus Chinas Vorgehen UNTERSTÜTZT und begrüßt, nämlich mehr als 50 Staaten. Darauf wird verschämt mit „es gab auch Gegenstimmen“ hingewiesen.
Dass es bei all dem Zinnober um genau eine Sache NICHT geht, ist auch klar: um „das Schicksal der Uiguren“.
Manchmal ist es so offensichtlich wie dummerhaftig, wie die Frontpresse des Imperialismus ihre Propaganda strickt.