Parkspaziergang IV: Webfäden der Erscheinungswelt

Die gemeinsamen Parkspaziergänge, die der Hund und ich unternehmen, führen uns fast unweigerlich in den Feldmühlepark, der der erste und größte der Oberkasseler Parks ist. In letzter Zeit jedoch versuchen wir (d.h. ich, dem Hund scheint es egal zu sein), diesen Abschnitt unserer Runde zu vermeiden – zu oft gerieten wir gerade dort in merkwürdige temporale Verzerrungen bzw. Risse im Raum-Zeit-Kontinuum, die offenbar den Eintritt von außerirdischen Entitäten in unsere Welt ermöglichten und uns regelmäßig in Bewusstseinszustände jenseits des Alltäglichen beförderten. Mich jedenfalls, obwohl mir auch der Hund nach solchen Begebenheiten auf eine Weise verändert schien, die ich zwar nicht genau definieren, aber auch nicht leugnen kann.

Nun sind exaltierte und fremdartig-mysteriöse Bewusstseinszustände nichts, was mich schrecken könnte. Im Gegenteil, früher habe ich dergleichen förmlich gesucht und machte weder vor Drogen noch vor Gurus aller Art Halt bei dem Versuch, aus der Haut der Normalität heraus- und in das Magische Königreich der neuronalen Zwischenwelt hineinzuschlüpfen.

Heute, als gestandener Realist mit solider kommunistisch-materialistischer Weltanschauung, strebe ich weniger nach besonderen inneren Zuständen, dafür mehr nach einem friedlichen und anständigen Leben – und zwar für alle (deswegen Kommunismus).

Um den Faden wieder aufzunehmen: auf der heutigen Morgenrunde gelangten Hund und ich durch eine Reihe erratischer Zufälle und Umstände doch wieder in besagten Feldmühlepark. Wie vermutet, befand sich dieser immer noch in einer extra-temporalen Dauerschleife raumzeitlicher Divergenz, was sich in einem plötzlichen Anstieg der Wahrnehmungsintensität äußerte:

HINTER den Erscheinungen wurden, kaum dass wir den Park betreten hatten, strukturelle Muster sichtbar, die sich in pulsierenden Rhytmen bewegten und sich zu immer neuen Formen fügten. Manche dieser Formen zerflossen und zerronnen sofort wieder, andere schienen eine gewisse Stabilität zu erlangen, aufgrund derer dem Eindruck nach eine Zeitschleuse geöffnet wurde, aus der sich konkretere Formen, Erscheinungen und Wesen manifestierten.

Eine Reihe monströser, tentakelbewehrter Raumschiffe – Zeitmaschinen? – schwebten über den zum Park hinausgehenden Gärten der Häuser in der vornehmen Leostrasse (eine der begehrtesten und teuersten Adressen in Oberkassel) und verdrängten oder verdeckten diese teilweise. Wie bei den vorigen Phänomenen ähnlicher Natur gingen von den Flugkörpern hochfrequente Strahlen aus (wenn es denn Flukörper waren; sofern sie durch die Zeit reisten, wäre die Bewegung ja eine temporale, keine physische, so das man nicht unbedingt von einem „Flug“ sprechen kann).

Genau diese Strahlen waren es, oder schienen es zu sein, die die gesamte Szenerie in eine Aura von Unwirklichkeit und schwer zu benennender „Zeitlosigkeit“ tauchten. Einem Traum gleich, wirkte alles wie verwandelt und Dinge geschahen gleichzeitig in Zeitlupe und in unerhörter Geschwindigkeit. 

Auf der Parkwiese fand gerade ein Yoga-Kurs statt. Die Teilnehmer bemerkten ganz offensichtlich überhaupt nichts von den Verschiebungen der Raumzeit und den erstaunlichen Veränderungen ringsum. Sie machten ungerührt weiter mit ihren Verrenkungen und ließen sich weder von einem abgerissenen alten Gaukler stören, der hinter ihnen ihre Bewegungen persiflierte, noch von meinem Hund, der sich auf der Wiese zwischen ihnen niedergelassen hatte und in einem Buch las.

Letzterer Umstand allerdings machte mich stutzig und veranlaßte mich, meine verbleibenden mentalen Kapazitäten auf das vage Gefühl konzentrieren, dass hier mal wieder etwas Grundlegendes in den Webfäden der Erscheinungswelt nicht stimmte. Seit wann können Hunde lesen? Von meinem jedenfalls war mir nichts dergleichen bekannt.

Auch dass leicht bekleidete Leute Anfang November in einem sichtbar von keinem Herbst heimgesuchten Park auf einer grünen Wiese Yoga machten, fiel mir plötzlich als anachronistisch und in höchstem Maße bizarr auf.

Zum Glück hatte ich auch diesmal wieder die Spezialbrille meines Großvaters dabei, die dieser in den langen Jahren, die er in Gefangenschaft einer hochtechnoiden und mystischen Alienrasse war, angefertigt hatte. Er war dort in einem extemporalen Straflager in einer subdimensionalem Zeitfalte inhaftiert, wo er freundlich behandelt wurde und Zugang zu der Alien-Technologie hatte. Auf diese Weise konstruierte er die Brille, die mir heute eine so praktische Hilfe ist. Überflüssig zu erwähnen, dass mein Großvater natürlich wusste, dass niemand ihm seine zugegebenermaßen fantastische Geschichte geglaubt hätte, weshalb er es von vornherein für weiser hielt, zu erzählen, er hätte all die Jahre „in russischer Kriegsgefangenschaft“ verbracht.

Dank der Brille und des stets aktiven Residuums von Restverstand am Grunde meines inneren Universums gelangte ich so unbeschadet aus der Zone der Zeitverschiebung. Diesmal, so versprach ich mir selber, wäre aber vorläufig das letzte Mal, dass wir diesen Park besuchen würden. Zu anstrengend (wenn auch aufregend und spannend) die jeweiligen Begegnungen der dritten, vierten oder wievielten Art auch immer, die dort auf uns warteten. Als ich diesen Entschluss dem Hund mitteilte, stutzte dieser nur kurz und antwortete dann „Egal, Hauptsache ich kann irgendwo kacken!“. Das machte wiederum mich stutzig, ja beinahe besorgt. Sollte etwa doch eine dauerhafter Auswirkung dieser Parkrunden beobachtbar sein? Wieso sonst würde der Hund mit mir sprechen? War es überhaupt der Hund oder fand all das nur in meiner Einbildung statt?

Ich blickte den Kameradin an und fragte: „Hast du eben mit mir gesprochen? Hast du das wirklich gesagt?“. Als Antwort erhielt ich ein verhalten freudiges Schweifwedeln und einen Stupser mit der kühlfeuchten Hundenase. Alles war wieder wie immer und der Tag konnte weitergehen.

Morgendliche Einsicht

Nach einer nicht ganz einfachen Nacht geht es weiter beim endlosen Abstieg in die Hades-Party, die auf uns alle wartet. Ob Mensch, ob Tier, ob ganz oder heil – alle sind auf dem Weg dorthin. Wäre es da nicht weise, die verbleibende Zeit mit soviel Freundlichkeit, inspirierendem Austausch und klugen Gesprächen zu füllen wie es irgend geht?

Parkspaziergang II: Temporale Divergenzen als Parkspaziergangskonstante. Endzeitphänomen?

Auf meinen Parkspaziergängen mit dem Hund nehmen die Erlebnisse bizarrer Realitätsverschiebungen zu. Heute kamen wir durch dieselbe Parkanlage, an der sich kürzlich bereits die seltsamen Luftschiffe der Außerirdischen, vielleicht auch Zeitreisenden, am Himmel manifestiert hatten. Jetzt hatten dieselben Besucher eine feste Basis installiert, eine kugelförmige Struktur mit „Wurzel“ aus Kabeln, Rohren und Strängen rätselhafter Bestimmung, die sich von der Kugelstruktur ausgehend in den Parkboden gruben.

Eine Menge Menschen hatte sich um die Erscheinung versammelt. Von der Kugelstruktur gingen hochfrequenzielle neuro-aktive Strahlen aus, die mit der Menschenmenge zu kommunizieren schienen. Nach jeder Aussendung, jeder Impulsphase der Strahlung verfiel die Menge in Trance und begann, scheinbar sinnlose Satzfetzen vor sich hin zu murmeln.

Einige Individuen befanden sich im Besitz miniaturisiertes Sendeanlagen, die wohl die Aussendungen der Kugelstruktur aufzugreifen und multiplizieren sollten. So konnten anscheinend einzelne Spaziergänger zielgerichtet anvisiert werden, um ich sie in den Sogbann des außerirdischen Trancezustandes zu versetzen. Dies ahnend hatte ich allerdings für mich und den Hund unsere Anti-Brainwash-Goggles aus der Zeitkammer geholt, so dass alle Versuche, unsere Vorderen Hirnareale mit extraterrestrischer temporaler Divergenz zu infiltrieren, zum Scheitern verurteilt waren.

Stolze Rheinmetaller

Im staatlich gelenkten Fernsehen der BRD wird ein Gewerkschaftsvertreter gezeigt, der vor einem Rheinmetall-Poster steht und darüber redet, dass die Kollegen früher sich nicht getraut hätten, zu sagen, für wen sie arbeiten. Heute ist das anders: man ist wieder stolz, für Rheinmetall zu arbeiten.

Deutsche Proleten stellen das Kriegsgerät für den BRD-Imperialismus her und sind auch noch stolz darauf. Damit ist die Welt für deutsche Gewerkschafter in Ordnung.

Everywhere is war

„Until the philosophy which hold one race superior
And another inferior
Is finally and permanently
Discredited and abandoned
Everywhere is war

That until there no longer
first class and second class citizens of any nation
Until the colour of a man′s skin
is of no more significance than the colour of his eyes
Me say war“

Bob Marley: War

Parkspaziergang I: Schönes Wetter heute

Schönes Wetter heute. Ich glaube ich drehe noch eine Runde im Park mit dem Hund.

Die Parkrunde mit dem Hund war ein wenig eigenartig. Alles schien irreal, wie im Traum. Spaziergänger wirkten konsterniert und wie von Sinnen, Autofahrer verloren die Kontrolle über ihre Fahrzeuge.  

Grund waren gigantischen Erscheinungen am Himmel, eine Art Luftschiffe, die wie schwebende Städte wirkten. Offensichtlich waren Aliens gekommen, um sich den dritten Planeten in der Endphase seiner Selbstzerlegung genauer anzuschauen. All dies bewog mich, den Spaziergang zu beenden und zu Hause so zu tun, als wäre die Welt in Ordnung und wie immer.