Geschichten die das Leben schrieb: Mein Hund auf CBD

Mein Hund musste heute zum Check-Up zum Tierarzt. Die Höchststrafe für ihn. Er lässt zwar brav alles über sich ergehen, führt sich aber auf, als wenn man ihn direkt zur Schlachtbank führen würde. Um seinen Stress ein bißchen zu mildern, bot ich ihm vorher einen CBD-Riegel an. Solche Dinger werden in den Futterläden als Beruhigungs-Snacks für Hunde verkauft, die von der Sylvesterknallerei gestresst sind.

Er war aber schon zu aufgeregt, um den Riegel zu essen, weil es zur ungewohnten Mittagszeit raus ging. Jedenfalls lief alles glatt, der Kamerad ist in Topform, und als wir wieder zuhause waren, ließ er sich dann endlich den Hanf-Riegel schmecken.

Was soll ich sagen: selten erschien mir der Kumpel so gechillt und gleichzeitig etwas fahrig wie auf der abendlichen Runde. Sein Radius blieb klein, dafür uferten die Untersuchungen von Markierungen anderer Hunde, Sandhaufen an Baustellen und dergleichen zu ausgiebigen Schnüffelorgien aus, die sich immer weiter in die Länge zogen und nach Abschluß direkt von neuem begonnen wurden.

Er wirkte, als sähe (bzw. rieche) er alles mit erweiterter Wahrnehmung und müsste erstmal die vielfältig intensivierten sensorischen Eindrücke verarbeiten.

Zu meiner Überraschung kam er noch 40 Minuten freiwillig mit nach Hause, während er sich sonst wie ein Löwe in die Leine wirft, um nicht die Treppenstufen zum Hauseingng mitkommen zu müssen.

Das Zeug kriegt er jetzt öfters.

Geschichten, die das Leben schrieb: ein mediales Selbstexperiment

Heute habe ich zum ersten Mal seit – gefühlt – Jahren die „Tagesthemen“ der ARD gesehen. Meine Liebste schaut sich diese oder vergleichbare „Nachrichtensendungen“ fast jeden Tag an, oft sogar mehrfach. Ich hatte seit einigen Tagen krankheitsbedingt nichts mehr essen können und verspürte heute erstmalig wieder ein bißchen Appetit, so dass ich mir ein trockenes Brot mit Olivenöl beträufelte und mich gesellig zur Frau aufs Sofa verfügen wollte.

Mit der Bemerkung „Mach mal laut, ich will auch mal ‚tagesthemen‘ gucken!“, setze ich mich zu ihr (sie guckt aus Rücksicht auf mich immer mit Kopfhörern Fernsehen). „Nee, ich mach nicht laut, dann muss ich mir deine Kommentare anhören!“ kriege ich zur Antwort. 

Dem hab ich wenig entgegenzusetzen, denn ob ich es schaffe, mir 30 Minuten die merkwürdige Mischung aus Heile Welt, Sportnachrichten, Wetterbericht und Kriegspropaganda anzusehen, die in solchen „Nachrichten“-Sendungen zusammengerührt wird, ist wirklich äußerst zweifelhaft. 

Weise und beziehungserfahren wie ich nun mal bin, trolle ich mich wieder aufs Bett und überlege, aus lauter Jux und Dollerei mir doch mal zu Gemüte zu führen, womit meine bei weitem bessere Hälfte sich Tag für Tag berieselt. Nach kurzem Nachdenken ist die Entscheidung gefallen: Ich werde es tun. Ich werde mir persönlich und eigenäugig, unter Missachtung aller Konventionen mentaler Hygiene und psychischer Balance, die „Tagesthemen“ anschauen!

Wie werde ich es verkraften? Wird ein solches Experiment meinen ohnehin angeschlagenen Gesundheitszustand nicht endgültig in lethale Bereiche versetzen? Ich bin risikofreudig genug um es dennoch zu versuchen, denn ich sage mir „Millionen von Menschen sehen sich das Zeug an und überstehen es auch irgendwie! Sei keine Memme und gib es dir! Augen auf und durch!!“

Gedacht, getan. Die ARD-App auf dem iPad hat einen „Live-TV“-Bereich, soeben hat die Sendung begonnen, ein Moderator namens Ingo Zappelphilipp oder so steht in einem grauen Anzug mit Hochwasserhosen vor einem gebogenen Riesenbildschirm und berichtet von einem Holocaust-Gedenken im Bundestag. Ich ahne Fürchterliches. Und richtig: Gezeigt wird die politische Elite der BRD, die Amtsträger und Abgeordneten, die in der Ukraine echten Faschisten zur Macht verholfen haben und deren Stellvertreterkrieg gegen Russland ausrüsten und finanzieren. Also die politische Klasse, die sich nicht daran stört, dass ukrainische Nazis mit SS- und Hakenkreuztattoos sich beim Russenmorden auf ihre historischen und ideologischen deutschen Vorbilder beziehen.

Die politischen Charaktermasken werden mit ernsten, schwerste Betroffenheit signalisierenden Gesichtsausdrücken gezeigt – und in Begleitung einer alten Dame, die als kleines Kind in einem deutschen Konzentrationslager war. Sie darf sogar im Bundestag sprechen und schildert das Grauen, dem die Insassen dieser Aufbewahrungs- und Vernichtungsstätten für Abweichler von der staatlich verordneten Ideologie ausgesetzt waren. 

So wie sie es schildert, hat es anscheinend nur Juden in den KZ gegeben und nur jüdische Menschen wurden dort getötet. Die Hunderttausende von Kommunisten, Sozialdemokraten, Humanisten, sowjetischen Soldaten und anderem unerwünschten Menschenmaterial werden nicht erwähnt. Natürlich erzählt die Frau nur über ihr eigenes persönliches Schicksal, und es ist kein historischer Vortrag von ihr zu erwarten. Ihre Rede dient aber der Bestätigung des erbärmlichen, verlogenen, offiziellen „Antifaschismus“ eines Staates, der nicht nur der direkte Nachfolger des faschistischen „Deutschen Reiches“ ist, sondern diesem unterhalb der direkten physischen Menschenvernichtung mittlerweile in einigen Bereichen zum Verwechseln ähnelt.

Vorrangig in Bezug auf den durch nichts mehr gebändigten Russenhaß, die hysterische Russophobie, die das Denken und Handeln der politischen Eliten bestimmt. Ebenso durch manche Aspekte der Repression, die staatlicherseits gegen abweichende Meinungen und Kritiker in Anschlag gebracht wird.

All dies habe ich im Hinterkopf, während ich mir das bizarre Schauspiel höchster politischer Heuchelei im Bundestag anschaue und frage mich: Glauben die sich selbst ihre so aufdringlich dargestellte Betroffenheit? Oder wissen die einfach, dass dies das Gesicht ist, das man zu machen hat, wenn mal wieder die Rede vom Holocaust ist? 

Der Fernsehbürger muss aus dieser Art Vergangenheitsbewältigung vor allem eins zum Thema Faschismus und Holocaust mitnehmen: da gab’s mal eine Vernichtung um der Vernichtung willen, ohne jeden staatlichen und politischen strategischen Willen dahinter. Es war unerklärlich und abgrundtief böse, weil der Mann mit dem Bärtchen an der Staatsspitze unerklärlich böse war. Dieses Böse lauert irgendwie immer, heute vor allem bei der AfD, aber wir haben es ein für allemal überwunden, weshalb es nie wieder vorkommen kann und darf.

Die Lebenslüge und die Ohnmacht des bürgerlichen Antifaschismus besteht ja vor allem da drin, dass kein Demokrat zugeben kann und darf, dass der Faschismus nur die härtere Variante seines geliebten Kapitalismus ist. Er möchte sich gerne in der Illusion wiegen können, dass die mildere Variante – die bürgerliche Demokratie – so etwas wie der Gegensatz zum Faschismus wäre.

Nach diesen Bericht aus dem Bundestag kommt unvermittelt und übergangslos, wie es nun mal die Art dieser Sendungen ist, ein Sportbericht über irgendeinen Handball-Wettbewerb. Es scheint eine Weltmeisterschaft zu sein, denn es geht weniger um Spielberichte, sondern um das sehr emotionale Anheizen nationaler Gefühle. Man soll sich als Zuschauer mit dem deutschen Team identifizieren, weshalb dieses ausführlich, sogar noch in seiner Umkleidekabine, in seiner Freude nach irgendeinem gewonnenen Spiel gezeigt wird. Die Milchgesichter des Handballteams werden „interviewt“ und geben den unwesentlichen Quatsch zum Besten, der von Sportlern nach solchen Spielen zu erwarten ist.

Dann folgen Bilder aus Sizilien, wo an der Südküste ein Erdrutsch über einige Kilometer mehrere Häuser in den Abgrund gerissen hat und die Leute zu tausenden ihre Wohnungen und Häuser verlassen mussten. Wir kriegen gezeigt, wie Maria und Fabrizio – ein älteres Ehepaar, dessen Haus direkt am Abgrund steht – in Begleitung der örtlichen Feuerwehr einiges an Zeug aus ihrem Häuschen in Sicherheit bringt. Solche Protagonisten als Sympathieträger dürfen anscheinend in keinem Bericht über Naturkatastrophen und dergleichen fehlen. Sie sollen wohl die Reportage menschlicher, nachvollziehbar und emotionaler machen. Ganz am Ende dieses Berichts erfährt man noch in einem Nebensatz, dass es unter den Bewohnern der Ortschaft zu Protesten kam, weil die Erdrutschgefahr seit Jahren bestanden hätte und jede Vorbereitung darauf oder Schutz dagegen von politischer Seite vernachlässigt worden sei. 

Und nun zum Wetter. Auch und selbst hier wird es sofort emotional und gefühlig. Der Moderator spricht von der weichen Schneedecke, die jeder lieben würde, weil sie selbst Innenstädte von urbanen Zentren zu magischen Orten machen würde usw.  Letztlich kriegt man dann aber doch einen einigermaßen akkuraten Wetterbericht.

Die fast 30 Minuten Tagesthemen, die ich mir jetzt angeschaut habe, hinterlassen bei mir den Eindruck, gerade ein süßliches, völlig von Zusatzstoffen und künstlichen Aromen durchzogenes Tütengericht konsumiert zu haben, das zwar den Eindruck vermittelt, man habe etwas gegessen, aber das Bedürfnis nach echter Nahrung – an Informationen, wenn man so will – überhaupt nicht stillen kann..

Irgendwo habe ich kürzlich gehört oder gelesen: „Je härter die Zeiten sind, umso weicher werden die Geschichten darüber“. Das scheint mir das Prinzip all der Fernsehsendungen zu sein, die in die Gehirne derjenigen Leute eingeträufelt werden, die sich freiwillig diesem Medium aussetzen. Es betrifft ja nicht nur die so genannten Nachrichtensendungen. Viel wirkmächtiger aufgrund ihres weichgespülten propagandistischen Storytellings sind die endlosen Fernsehfilme, die Krimis (ja, auch die) und die Unterhaltungssendungen, die tagein, tagaus, rund um die Uhr, in den staatlichen und kommerziellen Kanälen gezeigt werden.

Die Parallelrealität, die man durch den Fernseher betritt, ist eine Teletubbie-Welt bürgerlicher Behaglichkeit, in der die Schrecken einer zunehmend dystopischen imperialistischen Realität zwar nicht ganz ausgeblendet werden (das ginge auch gar nicht, angesichts der täglichen Erfahrungen, die die Leute in ihrem Lebens- und Arbeitsalltag machen). Sie werden aber eingebettet, eingehegt und weichgespült durch die ERZÄHLUNG darüber als einer fortlaufenden Geschichte im Grunde wohlgeordneter, eigentlich idealer Verhältnisse, die leider – So ist der Mensch nun mal! – immer wieder vom unerklärlich Bösen – Nazis! Trump!! Putin!!! – aufgestört und durcheinandergebracht werden.

Zum Glück aber haben zumindest wir in Deutschland verantwortungsvolle Politiker, die alle unser Bestes wollen und in deren Händen unser Wohlergehen, die wirtschaftliche Prosperität, der Frieden und im Grunde die Welt außerhalb unseres familiären Umfeldes und unserer persönlichen Ziele bestens aufgehoben ist.

Soweit mein Bericht über das Selbstexperiment „30 Minuten staatliche Nachrichtensendung“. Nach dieser Grenzerfahrung jedenfalls verspüre ich das dringende Bedürfnis nach Drogen.

Philosophisch-medizinische Betrachtung I: Influenza und Canis lupus familiares

Ich liege auf dem Krankenbett
kurz vor dem Exitus.
Knochen schmerzen, Luft ist knapp –
bald ist mit mir wohl Schluss.
Ich sehe schon das frühe Grab
in das ich steigen muss.

Was bringt mich wieder auf die Beine?
Der guten Wünsche leider keine!
Doch schleunigst muss ich senkrecht stehen,
will der Hund mal Gassi gehen.

Der Stupor endgültigen Aufgebens

Vor einiger Zeit brach die innere Welt um mich herum zusammen (geht das überhaupt, ich meine: dass etwas Inneres außen kollabiert?). 

Jedenfalls erfasste mich der eisige Hauch der Sinnlosigkeit und drang bis in mein mentales Knochenmark und in die Leere zwischen Atomkernen und Elektronen, kurzum: der Abgrund völliger Vergeblichkeit füllte alles aus was ich war und wahrnahm.

Nach einer Weile kam ich mit der Dauerpräsenz des Abgrundes besser zurecht, bewegte mich aber durchs Leben und die Welt wie jemand, der über brüchiges Eis geht. Jederzeit konnte die dünne Oberfläche scheinbarer Normalität einbrechen und schwarze Kälte mich verschlingen.

Heute überraschte mich eine neue Wahrnehmung: eine flache Indifferenz drängte sich in mein Inneres, eine öde, leere, sinnlose und gleichgültige Vergeblichkeit. Wie ein Schiffbrüchiger, der mitten auf dem Ozean auf einem brüchigen Floß schaukelt und erfasst, dass kein Land mehr in Sicht kommen wird, niemals — und der im Begreifen der Ausweglosigkeit seiner Lage in den stumpfen Stupor endgültigen Aufgebens fällt.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, wie man sagt:

Dream#12 Der Froschkönig von Oberkassel

Ich hab wieder geträumt. Dass es ein Wachtraum war, sieht man schon daran, dass die Realität meiner Wohnumgebung sich immer wieder mit der Traumebene vermischt. Oder ist es umgekehrt? Wer weiß das schon…

Und ob der Froschkönig die Prinzessin wirklich mit so billigen Mitteln (naja, die Immobilienpreise in Oberkassel dürften noch um etliches über dem BRD-Durchschnitt liegen) kaufen kann? Darüber muss ich wohl nochmal nachträumen.

Von der Drogenverherrlichung in der Inquisitionsszene muss ich mich übrigens entschieden distanzieren. Diese Traumsequenz muss mir Putin untergejubelt haben, wahrscheinlich im Zuge des hybriden Kriegs, den der Russe laut Regierung gegen uns führt. Ich will lieber nicht wissen, was Merz und ähnliche Spazierstöcke so träumen…