Es braucht keine „unsterbliche Seele“, um den Bewusstseinsstrom im Zwischenzustand nach dem physischen Tod (und in anderen Zwischenzuständen) den dann auftretenden Phänomenen auszusetzen. Es gibt eine ganze Literatur die sich mit dieser Angelegenheit beschäftigt, größtenteils aus alten religiösen Quellen wie dem tibetischen Buddhismus, teilweise aber auch aus Quellen neuer und neuester Hirn- und Quantenphysikforschung. Vor allem aber gibt es die eigene Praxis und die eigene Erfahrung mit und in diesen Bereichen.
All das hat im übrigen rein gar nichts zu tun mit der Notwendigkeit, die hier im realen Leben vorgefundenen Umstände so zu gestalten, dass ein anständiges Leben für alle dabei herauskommt, also Kommunismus.
Erst dann hat man nämlich wirklich die Freiheit, sich bereits in diesem Leben mit dem zu beschäftigen, was darüber hinausgeht bzw. dem, was vor und nach der kurzen Zeitspanne der Existenz als Körper-Geist-Organismus auf dem dritten Planeten in dieser Randzone der Galaxie existiert.
Die Trostsuche in Konzepten nachtodlicher Permanenz durch Konzepte „unsterblicher Seelen“ und dergleichen sollten wir den Gläubigen aller Richtungen überlassen. Ich selber halte mich an Padmasambhavas Unterweisung:
“Seeing the mind as extraneous to oneself is indeed bewildering, yet bewilderment and non-bewilderment are of a single essence.”
Die Traumebene ist in diesem Leben das, was dem Zwischenzustand (tibetisch: Bardo) am nächsten kommt.
Was träumt, ist der physische Körper – genauer: das Gehirn – aber wenn der physische Körper das Haltbarkeitsdatum erreicht hat und seinen Dienst als Vehikel für das Bewusstsein aufkündigt, gehen die Träume ohne Körper weiter.
Ohne Körper gibt es keinerlei physische Grenzen mehr und der Geist bewegt sich in Gedankenschnelle von einem Ort zum anderen.
„Von Augenblick zu Augenblick und ohne jede Rast kommt der Tod näher und näher.
Wer Tod und Vergänglichkeit verinnerlicht, wird alle Eigenschaften erwerben, die man auf dem Weg der Befreiung braucht: Du wirst die Vorstellung, dass der Körper mit einem »Selbst« ausgestattet ist, verlieren und erkennen, dass Zerstreuungen nichts anderes als Dämonen sind und begehrenswerte Objekte nur zur Täuschung führen.
Leben ohne Leiden gibt es nicht. Alter, Krankheit und Tod sind unvermeidlich. In allen Existenzbereichen gibt es nur einen endlosen Kreislauf des Lebens, in dem die Wesen gefangen sind. In allen sechs Seinsweisen gibt es nichts, das über den endlosen Kreislauf von Werden und Vergehen hinausreicht, in dem die Wesen von den Wellen ihrer eigenen geistigen Gifte und widerstreitenden Emotionen in einem wahren Ozean des Leidens hin- und hergeworfen werden.
Es genügt nicht, dass du nur die unkonditionierte Leerheit deines Geistes erkennst – ohne das große Mitgefühl entstehen zu lassen besteht die Gefahr, dass du in den Nihilismus verfällst. Deshalb ist es notwendig, dass du über die Einheit von Leerheit und Mitgefühl meditierst.“