Propagandaschau

Ich habe heute Abend durch Zufall etwas mitkriegen müssen, was ich sonst tunlichst vermeide, nämlich die Nachrichten im staatlich kontrollierten Propagandasender der BRD. Ist so passiert, weil ich in das Spiel Spanien – Cabo Verde reingeschaut hatte; im Anschluss daran kam gleich die „Tagesschau“.

Wenn man seit Jahren entwöhnt ist von derlei Volksverhetzung und -verblödung, empfindet man dabei eine Mischung von Entsetzen und Amüsement, übergehend in Ekel, über die dümmliche und rotzfreche Chuzpe, mit der dieses Format sogenannte Nachrichten für die gleichgeschaltete Volksgemeinschaft aufbereitet.

Immerhin weiß ich jetzt, dass die aktuelle Sprachregelung für die imperialistischen Kernstaaten, die sich in den G7 versammeln, nicht mehr „die größten westlichen Industriestaaten“ ist, sondern jetzt „die größten DEMOKRATISCHEN Industriestaaten“ lautet. Damit ist dem bundesdeutschen Sofadeppen mit einem kleinen Adjektivwechsel untergejubelt, dass alles, was außerhalb der transatlantisch-imperialistischen Epsteinwelt wirtschaftsmäßig unterwegs ist, schon mal auf keinen Fall demokratisch sein kann. Im Gegenteil gehören Nicht-G7-Staaten im Zweifel zu den Autokratien oder – noch schlimmer – Diktaturen, gegen die wir zurecht gerade aufrüsten und Krieg führen oder zu führen beabsichtigen. China und Russland müssen gar nicht mehr erwähnt werden; der gelernte Staatsmedien-Konsument weiß, wer gemeint ist.

Die Vorlesetante hinter dem News-Pult befragt einen Vor-Ort-Journalismussimulanten nach Gesprächsthemen und möglichen Ergebnissen des G-7-Gipfels, speziell aber nach der Reaktion des „Regimes“ – damit ist die Regierung des Iran gemeint – auf Trumps großartigen Erfolg einer Vereinbarung, die den Krieg beenden soll. 

Die lächerliche Masche, alles, was sich der imperialistischen Kriegsmaschine zu entziehen versucht oder tatsächlich dagegen opponiert, als Regime statt als Regierung zu bezeichnen, kennt man und überhört es als schmerzfreier Beobachter imperialistischer Propaganda schon fast automatisch – viel interessanter an der Meldung ist jedoch die komplett unkritische Parteinahme und Identifikation der „Tagesschau“-Redaktion mit dem US-Imperialismus und seinen europäischen Vasallen, die in diesem Fall einmal als Gesamtgebilde verstanden werden (sollen).

Dessen universal wohltätiges und vernunftgebotenes Interesse an einer gedeihlichen prosperierenden Weltwirtschaft wird nämlich, so suggeriert uns die „Tagesschau“, andauernd von irgendwelchen fiesen Mullahs, finsteren „Regimen“ und deren Hisbollanten, Hamassiten und sonstigen Allahu-Akbar-Proxies behindert und sabotiert, und zwar durch den naturgegebenen terroristischen Charakter, der diesen Gesellen zu eigen ist.

Dort unten ist jedenfalls wegen all dieser sinnlos bösartigen, also islamischen, vom Iran bewaffneten Freiheitsfeinde immerzu unsere freiheitlich-friedliche Weltordnung in Gefahr, was selbstverständlich einige sehr robuste Antworten erfordert. Diese werden vor allem von unserem amerikanischen Verbündeten gegeben, aber auch die einzige Demokratie im Nahen Osten, der tapfere kleine Judenstaat, ist gerne mit dabei, wenn es darum geht, den Araberhorden ringsum ihre angeborene Lust an Gewalt und Terror auszutreiben.

Ganz schlimm auch eine fürchterlich gruselige Truppe namens Hisbollah, die im Libanon unseren Lieblings-Holocaustopfern, den Israelis, das Leben schwer macht, weshalb diese den Libanon dauerhaft besetzen müssen, um eine Sicherheitszone zu schaffen. Die „Tagesschau“ präsentiert diesen Umstand als so grundvernünftig und keiner weiteren Diskussion würdig, wie wenn man kommuniziert, dass man sich mit Autan einreibt, wenn man in einem Mückengebiet wandert. 

Wiederum verdutzt und befremdet die unverhohlene propagandistische Identifikation des staatlichen „Nachrichten“-Propagandaschlachtschiffes mit dem zionistischen Apartheid- und Völkermordstaat und seinen expansionistischen militaristischen Abenteuern.

Zwei-Minuten-Hass: russophobes Highlight der Tagespropagandaschau

Dann aber kommt das Highlight der heutigen Propagandisierung des Volkskörpers: die obligatorischen Zwei-Minuten-Hass gegen den Feind im Osten! 

Dieser hat nämlich gestern Nacht – höchstwahrscheinlich aufgrund seiner grundlos bösen und gewalttätigen Russennatur, denn andere oder überhaupt IRGENDWELCHE Gründe für die russischen Angriffe mit Drohnen und Marschflugkörpern erfahren wir nicht – unsere demokratischen Helden in Kiew bombardiert und dabei eine Kloster-Kathedrale beschädigt, die UNESCO Weltkulturerbe ist, darum also für die „ukrainische Identität“ steht – behauptet jedenfalls die Tagesschau. 

Tatsächlich ist die historische religiöse Stätte seit Jahren Verfolgung und krimineller Gewalt durch die Kiewer Machthaber ausgesetzt: orthodoxe Mönche wurden vertrieben, Priester inhaftiert, die Stätte wurde entweiht als Plattform für bekannte ukrainischen Nazis wie Dmitro Korchinsky sowie für militärische Zeremonien wie Medaillenverleihungen u.ä. genutzt. Die gestrigen Schäden wurden laut Auskunft russischer Stellen von Kiewer Streitkräften verursacht, entweder durch eine Luftabwehrrakete oder durch vorsätzliche Brandstiftung. 

Solche Feinheiten interessieren natürlich die „Tagesschau“ nicht; sie zerrt stattdessen eine „Olexandra“ und eine „Natalja“, jedenfalls nachnamenslose Ukrainerinnen, vor die Kamera, damit sie die Sätze aufsagen, auf die es der Redaktion ankommt und die der Zuschauer wissen soll: Der Russe will die ukrainische Kultur zerstören! Er will die Identität der ukrainischen Nation eliminieren, denn eine Nation ohne Identität lässt sich einfacher auslöschen, beziehungsweise nach Russland absorbieren! 

Nachdem so die dämonische Natur das russischen Untermenschen – hinterlegt von beschädigten und brennenden Kathedralenkuppeln aus allen Perspektiven – mal wieder eindeutig belegt ist, kommt noch ein bedenkenträgerischer weiterer „Tagesschau“-Journalismussimulant vor die Kamera. Dabei handelt es sich um einen deutsch-ukrainischen Hardcore-Propagandisten, den mit allen Wassern transatlantischer pro-ukrainischer Gehirnwäsche gewaschenen Wassili Golod, dessen Statements genauso gut direkt aus dem ukrainischen Präsidialbüro in der Bankova stammen könnten. Golod fasst alles noch mal in zwei oder drei einprägsamen Sätzen zusammen und ordnet es damit für den Staatsfunk-Konsumenten so ein, dass dieser die Propagandahäppchen gut verdauen und lange etwas davon haben kann: „Museen, Kulturzentren, Klöster – Russland greift verstärkt die Orte an, die für die historischen Wurzeln der Ukraine stehen…“

Wäre die „Tagesschau“ eine Nachrichtensendung und kein staatliches Propagandaorgan der kriegführenden BRD-Regierung, könnten wir tatsächlich Informationen erhalten über den gestrigen Luftschlag Russlands auf Kiew und andere Orte in der Ukraine.

Die Angriffe galten folgenden Zielen:

  • JSC „Kiewer Radarwerk“, das Komponenten für unbemannte Langstreckenflugzeuge entwickelt und herstellt sowie militärische Radarsysteme produziert und repariert;
  • einer Werkstatt für die Produktion und Einsatzvorbereitung (Einstellung) von Lang- und Mittelstrecken-UAVs auf dem Gelände des Dovzhenko-Filmstudios;
  • LLC „Unmanned Technologies“, die die groß angelegte Montage ausländischer Komponenten für Langstrecken-Angriffs-UAVs durchführt;
  • JSC „Mayak-Werk“, das Kampfkomponenten für UAVs und Startbeschleuniger für „Flamingo“-Marschflugkörper herstellt;
  • JSC „Burevestnik-Werk“, das Lang- und Mittelstrecken-UAVs sowie Radargeräte für die Streitkräfte der Ukraine herstellt;
  • LLC „Ukr Arm Tech“, die Kampfkomponenten (Munition) für UAVs und verschiedene Raketentypen montiert;
  • JSC „Kyiv Aggregate Plant“ und „Civil Aviation Repair Plant No. 410“, die Luft- und Raumfahrzeuge, Flugzeugturbostrahltriebwerke sowie Komponenten für Lang- und Mittelstrecken-UAVs herstellen;
  • JSC „New Mail Innovation Terminal“, das Dual-Use-Produkte liefert und lagert, unter anderem für die Herstellung von UAVs, Roboterkomplexen und elektronischen Kampfsystemen;
  • Darüber hinaus wurden Militärflugplätze in Wasilkow, Uman, Tscherkassy und Krasna Slobodka sowie territoriale Rekrutierungszentren in Kiew getroffen.