Geschichten die das Leben schrieb: Alle tanzen munter in den Faschismus hinein, alle wollen auf Kreuzfahrt

Als Fernsehfeind komme ich nur selten in die Verlegenheit, die serielle Verdummung der Bevölkerung durch Propaganda, Ablenkung, Betäubung und Konsumaufforderungen mitzubekommen, aus denen das Zeug besteht, das aus den Flachbildaltaren in deutschen Wohnzimmern quillt. Wenn ich jedoch gelegentlich eine Lampe anschalten, einen Vorhang oder ein Fenster öffnen bzw. schließen will, kann es vorkommen, dass ich mich in die von meiner Liebsten dominierte Fernsehzone begebe. Dann kann es passieren, dass ich im Vorübergehen die stummen Bewegtbilder mitbekomme, die auf dem Fernsehschirm zu sehen sind. Stumm, weil die Gattin aus Rücksicht auf mich Kopfhörer benutzt, wenn sie sich der rituellen Berieselung durch staatlich gelenkte und Konzernmedien hingibt.

Heute ist wieder so ein Moment. Im ZDF läuft gerade irgendein Werbeblock zwischen zwei vorabendlichen Unfugssendungen. Aus dem Augenwinkel kriege ich zehn oder fünfzehn Sekunden mit. Es handelt sich offensichtlich um Werbung für einen Kreuzfahrtangebot namens „Bella Vita“.

Gezeigt wird ein hochhausgroßes Kreuzfahrtschiff, das in einer idyllischen Küstenlandschaft – vermutlich Mittelmeer – unterwegs ist und in den Sonnenauf- oder untergang hinein fährt. Romantische Berge, spiegelglattes Meer, bestes Wetter, die ganze Idylle eines sorgenfreien Lebens wird in einem einzigen Kameraschwenk eingefangen.

Nun kommt das Oberdeck ins Bild, wo einige Leute an großzügig verteilten Tischen sitzen. Die Kamera zoomt näher heran und zeigt uns ein junges Paar, wie die anderen abgebildeten Passagiere in ihren frühen Dreißigern, luftig und elegant in abgestimmt dezente Farbtöne gekleidet, angenehm anzuschauen und unglaublich guter Dinge.

Es handelt sich um ein oder zwei Handvoll Personen, die auf diesem Oberdeck, in der milden Luft eines sommerlichen Morgens oder frühen Abends, bei einer Tasse Kaffee oder Wein das gepflegte Nichtstun genießen. Man wundert sich, wieso auf so einem riesigen Schiff, auf so einer großen Fläche nur zehn oder zwölf Leute zu sehen sind. Die gesamte Szenerie erinnert eher an das Deck einer Luxusyacht, die ihre vermögenden Passagiere zwischen zwei Galas von A nach B bringt, als an ein Angebot für die Massen.

Die Protagonisten selber sind durchweg gut aussehend, mit dem Erscheinungsbild der seltsamen werbetypischen Mischung aus Durchschnittlichkeit und Attraktivität. Auch der Kellner, der hinzukommt, um den Passagieren zu servieren, ist aus der selben Altersgruppe, ein gut aussehender Bursche, der sich anscheinend unbändig freut, dass er diesen tollen Job ergattert hat und nun seinesgleichen zuvorkommend und mit eleganter Leichtigkeit zu Diensten sein darf.

Alle scheinen diese Kreuzfahrt, diese Szenerie und diesen Moment aufs Äußerste zu genießen. Man merkt das daran, dass sie alle von einem offenbar kaum aushaltbaren tiefen Glück erfüllt sind: sie strahlen unablässig um die Wette, werfen den Kopf zurück, die Frauen schütteln das gut gepflegte, wallende Haupthaar, jeder zeigt bei fröhlichem Lachen die perfekten Zähne, und durch die Bank sind alle dermaßen gut drauf, dass man sich als Zuschauer im Grunde gezwungen fühlt, sofort bei diesem Anbieter anzurufen und eine ähnliche Kreuzfahrt zu buchen. 

Ob die werbepsychologischen Feldstudien der Marktforscher und Marketingexperten diesem Unternehmen nahelegten, dass genau solche Bilder und Aufnahmen das Unterbewußte, die Sehnsüchte, die Wünsche der Zielgruppen ansprechen und bedienen? Alles, was ich in den wenigen Sekunden, die ich von dem Werbeclip mitbekommen habe, sehen konnte, war extrem professionell gemacht, alles entsprach den Glanzbildern aus Urlaubsprospekten, alles hatte den überall propagierten und absolut verlogenen Zuckerguß jener dümmlichen Oberflächlichkeit, die Geld für Glück und Dauergrinsen für Freude hält.

Es mag sein, das das, was in mir Brechreiz auslöst, bei anderen Leuten den Kaufimpuls bewirkt, den sich die werbetreibenden Unternehmen davon versprechen. Schließlich lautet eines der ältesten Paradigmen der Werbebranche: Wenn du ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen willst, bewerbe nicht das Produkt oder die Dienstleistung, sondern appelliere an das Unterbewusstsein, sprich die Wünsche und Träume der Leute an.

Funktioniert das noch in einer Zeit des Niedergangs, des knapperen Geldes, des immer ungemütlicheren Lebens in der Vorkriegszeit? Vielleicht da erst recht. 

Die flüchtige Betrachtung solcher Werbefilmchen (und der genauere Blick auf das westliche Imperium in seinem hoffentlich finalen Stadium) versetzt mich in einen Zustand verwunderter Hoffnungslosigkeit. Nein, es vertieft diesen Zustand nur, der ja wie ein Hintergrundrauschen dieser Ära ist. Alle tanzen munter in den Faschismus hinein, alle wollen wenigstens ein Zipfelchen vom guten Leben mitkriegen, alle fordern ihr gutes Recht ein, sich umfassend verdummen und verarschen zu lassen. 

ZDF: Kingdom of Disinformation

Das ZDF sieht sich genötigt, der um sich greifenden Russlandversteherei zu begegnen und bringt eine dreiteilige „Dokumentation“ über Alina Lipp unter dem Titel „Princess of Disinformation – Alina Lipp und Putins Krieg“.

Dokumentarisch daran sind allerdings einzig die Auszüge aus Interviews mit Alina Lipp selber, die das ZDF geführt hat. Der Rest ist eine musterhafte Übung in Werbung für den Krieg, den die NATO in der Ukraine gegen Russland führt. Die sogenannten Experten, die der Staatssender aufbietet, sind junge Leute, die für die einschlägigen transatlantischen Stiftungen und Think-Tanks arbeiten und mit gewichtigem Blick die pro-ukrainischen Talking Points verbreiten, die ihre Auftraggeber (und der deutsche Staatssender) von ihnen erwarten.

Jeder Kommentar außerhalb des O-Tons von Alina Lipp kolportiert schon rein sprachlich-semantisch die westliche Lüge vom „durch nichts gerechtfertigten russischen Angriffskrieg“, „Putins Krieg“ usw., alle Interviewpartner oder im Rahmen der „Reportage“ vorgestellten Menschen werden durch die im staatlich-medial verordneten Diskurs zwingend erforderlichen derogatorischen Begriffe „Schwurbler“, „Verschwörungstheoretiker“, „pro-russisch“, „Putin-Propagandist“ etc. in die Ecke absortiert, in der die NATO-Journalismussimulanten des ZDF sie haben wollen. Im Zweifelsfall also rechts, rechtsoffen, Reichsbürger und Schlimmeres.

Neben dem schnell durchschaubaren propagandistischen Zweck dieser ZDF-Übung in Desinformation ist besonders das verkrampfte Gender-Neusprech lästig und penetrant, mit dem andauernd Kunstpausen eingelegt werden, um Personalsubjekten ein „und INNEN“ hinzuzufügen. Dies ist gleichzeitig aber auch, im Hinblick auf den generellen Charakter solcher Propagandastücke, entlarvend: man bekommt dadurch sofort mit, dass hier ein sozusagen staatsoffiziell gewünschtes Weltbild verbreitet wird.

Das GUTE an dieser dreiteiligen Reportage sind, wie eingangs angemerkt, die Originalinterview-Auszüge und kurzen Clips aus Alina Lipps Telegram-Kanal. Die ZDF-Propagandisten mühen sich wirklich nach Leibes- bzw. Geisteskräften ab, hier die gewünschte russophobe und pro-ukrainische Einordnung vorzunehmen, auf die es ihnen ankommt, doch scheitern sie auf ganzer Linie – aufgrund der schlichten Tatsache, dass die Berichte und Aussagen Alinas nun mal die Wirklichkeit im Donbas oder auf der Krim abbilden.

Mitunter erreicht die ZDF-Desinformationssendung ein an Debilität grenzendes Niveau, wenn z.B. Lipp unterstellt wird, dass ihre Reportagen von vornherein von Manipulationsabsichten motiviert sind.

Oder wenn der ZDF-Kommentator anmerkt, dass von ihr interviewte Donbassbewohner, die zu Protokoll geben, wie heilfroh sie sind, durch die russische Armee vom ukronazistischen Terror befreit worden zu sein, sich natürlich nur so äußern, weil sie um ihr Leben fürchten müssten, wenn sie etwas anderes sagten. Dem glaubensfesten NATO-Propagandisten will einfach nicht einleuchten, dass seine ukrainischen Lieblingsnazis ihre ehemaligen russischen Landsleute seit nunmehr neun Jahren beschießen, bombardieren und massakrieren.

Oder es wird erwogen, ob „5%, 10%, 20% oder manchmal auch etwas mehr“ von Lipps Aussagen „wahr sind“. Denn die Wahrheit, so soll es der gelehrige ZDF-Zuschauer aus der „Dokumentation“ mitnehmen, wird exklusiv und ausschließlich von der NATO, der Ukraine und willfährigen medialen Multiplikatoren wie eben dem Zweiten Deutschen Fernsehen definiert und verkündet.

Unterm Strich bleibt zu notieren, dass dieses pro-ukrainische Hetzstück des deutschen Staastsenders das Potential hat, genau das zu erreichen, was sich die staatlichen Propagandisten zu verhindern vorgenommen haben: Aufmerksamkeit für Alina Lipp und ihren Telegram-Kanal zu generieren und noch viel, viel mehr Leute für eine nicht-NATO-konforme Sicht auf den ukrainischen NATO-Krieg zu interessieren.

https://www.zdf.de/dokumentation/die-spur/the-princess-of-disinformation—teil1-wie-wird-man-alina-lipp-100.html