Der Russe: blöd wie immer

Ja wann den nun?
Nicht mal gescheit einen Angriff auf uns planen kann der Iwan!

Aber wie dämlich von ihm, dass er mit dem Angriff wartet, bis wir mit den jetzt herbeigeliehenen Fantastilliarden so richtig fett aufgerüstet haben!

Wenn er schlau wäre, der Russe, würde er uns ja JETZT angreifen – jetzt, wo er voll im Saft steht, die Ukrainer besiegt hat und die beste und kampferfahrendste Armee der Welt hat.

Aber er ist eben nicht schlau, der dumme Iwan, hehehe.

Gruselige Aktualität

Dieser Text von Wolfgang Borchardt entstand als seine letzte Arbeit wenige Wochen vor seinem Tod am 20. November 1947 und wurde an Borcherts Todestag das erste Mal im Rundfunk vorgetragen. Achtundsiebzig Jahre später ist die gruselige Aktualität des Textes verblüffend:


Du. Mädchen hinterm Ladentisch und Mädchen im Buero. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Granaten fuellen und Zielfernrohre für Scharfschuetzengewehre montieren, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Besitzer der Fabrik. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst statt Puder und Kakao Schiesspulver verkaufen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Forscher im Laboratorium. Wenn sie Dir morgen befehlen, du sollst einen neuen Tod erfinden gegen das alte Leben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Dichter in deiner Stube. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Liebeslieder, du sollst Hasslieder singen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Arzt am Krankenbett. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst die Männer kriegstauglich schreiben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Pfarrer auf der Kanzel. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst den Mord segnen und den Krieg heilig sprechen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Kapitän auf dem Dampfer. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keinen Weizen mehr fahren – sondern Kanonen und Panzer, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Pilot auf dem Flugfeld. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Bomben und Phosphor über die Städte tragen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Schneider auf deinem Bett. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Uniformen zuschneiden, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Richter im Talar. Wenn sie dir morgen befehlen, Du sollst zum Kriegsgericht gehen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Mann auf dem Bahnhof. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst das Signal zur Abfahrt geben für den Munitionszug und für den Truppentransporter, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Mann auf dem Dorf und Mann in der Stadt. Wenn sie morgen kommen und dir den Gestellungsbefehl bringen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Mutter in der Normandie und Mutter in der Ukraine, du, Mutter in Frisko und London, du am Hoangho und am Missisippi, du, Mutter in Neapel und Hamburg und Kairo und Oslo – Mütter in allen Erdteilen, Mütter in der Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebären, Krankenschwestern für Kriegslazarette und neue Soldaten für neue Schlachten, Mütter in der Welt, dann gibt es nur eins:
Sagt NEIN! Mütter, sagt NEIN!

Denn wenn ihr nicht NEIN sagt, wenn IHR nicht nein sagt, Mütter, dann: dann: In den lärmenden dampfdunstigen Hafenstaedten werden die grossen Schiffe stöhnend verstummen und wie titanische Mammutkadaver wasserleichig träge gegen die toten vereinsamten Kaimauern schwanken, algen-, tang- und muschelüberwest, den früher so schimmernden dröhnenden Leib, friedhöflich fischfaulig duftend, mürbe, siech, gestorben – die Straßenbahnen werden wie sinnlose glanzlose glasäugige Käfige blöde verbeult und abgeblättert neben den verwirrten Stahlskeletten der Drähte und Gleise liegen, hinter morschen dachdurchlöcherten Schuppen, in verlorenen kraterzerrissenen Strassen – eine schlammgraue dickbreiige bleierne Stille wird sich heranwälzen, gefrässig, wachsend, wird anwachsen in den Schulen und Universitäten und Schauspielhäusern, auf Sport- und Kinderspielplätzen, grausig und gierig unaufhaltsam – der sonnige saftige Wein wird an den verfallenen Hängen verfaulen, der Reis wird in der verdorrten Erde vertrocknen, die Kartoffel wird auf den brachliegenden Äckern erfrieren und die Kühe werden ihre totsteifen Beine wie umgekippte Melkschemel in den Himmel strecken – in den Instituten werden die genialen Erfindungen der grossen Ärzte sauer werden, verrotten, pilzig verschimmeln – in den Küchen, Kammern und Kellern, in den Kühlhäusern und Speichern werden die letzten Säcke Mehl, die letzten Gläser Erdbeeren, Kuerbis und Kirschsaft verkommen – das Brot unter den umgestürzten Tischen und auf zersplitterten Tellern wird grün werden und die ausgelaufene Butter wird stinken wie Schmierseife, das Korn auf den Feldern wird neben verrosteten Pflügen hingesunken sein wie ein erschlagenes Heer und die qualmenden Ziegelschornsteine, die Essen und die Schlote der stampfenden Fabriken werden, vom ewigen Gras zugedeckt, zerbröckeln – zerbröckeln – zerbröckeln – dann wird der letzte Mensch, mit zerfetzten Gedärmen und verpesteter Lunge, antwortlos und einsam unter der giftig glühenden Sonne und unter wankenden Gestirnen umherirren, einsam zwischen den unübersehbaren Massengräbern und den kalten Götzen der gigantischen betonklotzigen verödeten Städte, der letzte Mensch, dürr, wahnsinnig, lästernd, klagend – und seine furchtbare Klage: WARUM? wird ungehört in der Steppe verrinnen, durch die geborstenen Ruinen wehen, versickern im Schutt der Kirchen, gegen Hochbunker klatschen, in Blutlachen fallen, ungehört, antwortlos, letzter Tierschrei des letzten Tieres Mensch – all dieses wird eintreffen, morgen, morgen vielleicht, vielleicht heute nacht schon, vielleicht heute nacht, wenn — wenn — wenn ihr nicht NEIN sagt.

Krieg ist Frieden, und Europa sein Apostel

Die einzigen, die den Krieg wollen, die einzigen, die das Gemetzel in der Ukraine fortsetzen wollen, sind die ukrainischen Neo-Nazis und ihre europäischen Sponsoren. Ihr pathologischer Haß auf Russland ist so überwältigend wie er ohne Basis in irgendeiner Realität ist. Je ohnmächtiger die Europäer de facto sind, umso wilder wird ihr Kriegsgeschrei und ihr psychotisches Kriegsgetrommel.

Die einzige Hoffnung, die bleibt, ist die annähernde Gewißheit, dass die europäischen Bellizisten weder die Mittel noch die industrielle Basis haben, um ihre Weltkriegspläne Realität werden zu lassen.

Auch die gigantischen Fantasiesummen, die sich sich selbst leihen, um vielleicht in ein paar Jahren ihren maroden Kriegsapparat auf Vordermann zu bringen, sind in Wahrheit virtuelle Zahlen, die kaum unmittelbare und konkrete Aufrüstung bewirken – dafür aber unmittelbare und konkrete Zahlungsverpflichtungen.

Erinnert sich noch jemand an die Scholz‘sche „Zeitenwende“ und die „Sondervermögen“ titulierten Schulden von 100 Milliarden Euro, die die Ampelkoalition für Krieg und Aufrüstung freimachen wollte?

„Die 100 Milliarden Euro schrumpfen schon ohne Ausgaben. Nach Angaben von Rafael Loss, Verteidigungsexperte beim European Council on Foreign Relations (ECFR), wurde ursprünglich geschätzt, dass nur 8 Milliarden Euro aus dem Sonderfonds als Zinsen für dieses zusätzliche Darlehen der Regierung gezahlt werden müssen. Aufgrund der steigenden Zinssätze sei diese Schätzung nun auf 13 Milliarden Euro gestiegen. Bleiben also noch 87 Milliarden Euro, die tatsächlich ausgegeben werden können.

Hinzu kommen die Inflation und die Mehrwertsteuer, so dass nach Deckung aller zusätzlichen Kosten nur noch etwa 50 bis 70 Milliarden Euro für die eigentliche Hardware übrig bleiben. „Je länger man dieses Geld irgendwo liegen lässt, desto länger werden Faktoren wie Inflation und Zinszahlungen diese Geldmenge auffressen“, sagte Loss.“

In Wirklichkeit liegen die Tilgungen viel höher und die für Kriegsgerät verfügbare Summe deutlich niedriger. 20 oder 30 Mrd Euro wurden an die USA für F-35 Kampfflugzeuge und Transporthubschrauber bezahlt, von denen noch kein einziges in Deutschland ist (die technisch überfrachteten US-Fighterjets sind übrigens die Flugzeuge, die in der Ukraine am Boden bleiben müssen oder bei Flugversuchen crashen bzw. abgeschossen werden, weil sie so hochempfindlich und kompliziert sind, dass sie nicht nur spezielle Startbahnen brauchen, sondern durch ihre Über-Komplexität den robusten, wendigeren russischen Suchoi SU-34 und neueren Kampfjets klar unterlegen sind).

Ähnlich wird’s mit den Fantastilliarden gehen, die die KriKo (Keiegskoalition) jetzt raushaut. Bevor auch nur irgendein spür- und sichtbarer militärischer Effekt eintritt, werden schon absolut irrwitzige Summen für Zins und Tilgung abgedrückt worden sein, und bei der gesamthaft desolaten Lage der europäischen Ökonomien werden eher Jahrzehnte als Jahre vergehen, eher die gewünschten Resuktate sich einstellen. Einigen spricht dafür, dass diese sich NIE einstellen werden.

Vielleicht machen auch die europäischen Völker selber dem Irrsinn ein Ende, wenn sie konkret merken, dass und wie die Finanzierung der Kriegsfantasien der Machthaber durch weitere drastische Einschnitte bei den sogenannten Sozialausgaben erfolgt. Oder weil sie einfach die Schnauze voll haben von der irrealen russophoben Hysterie, der sie rund um die Uhr ausgesetzt werden.

Geschichten aus dem Pflegeheim: „Wir haben das alles schon einmal erlebt.“

Seit kurzem kümmere ich mich wieder verstärkt um die kulturelle Bildung der Bewohner der Pflegeeinrichtung, in der ich arbeite, indem ich ein bis zweimal monatlich ein literarisches Café veranstalte. Das ist ein etwas anspruchsvoller Name für eine Vorleserunde, die ich aber mit der Auswahl interessanter, dem Anlass und dem Klientel entsprechender Literatur, netter Musik und intensiver Gemütlichkeit würze, so dass meine Schützlinge idealerweise davon bereichert werden.

Heute halte ich die Gelegenheit für günstig, um mal Kurt Tucholsky vorzustellen und zwei kürzere Texte von ihm vorzulesen:
Einen in der „Weltbühne“ veröffentlichten humorvollen, aber extrem pessimistischen Text namens „Der Mensch“, sowie das letzte Kapitel eines Buches, das Tucholsky zusammen mit John Heartfield im Jahr 1929 herausgebracht hat. Letzteres hat den spaßhaften – oder soll man sagen: zynischen – Titel „ Deutschland, Deutschland über alles“.

Würde dieses Buch heute erscheinen, wäre es kein Buch, sondern ein Blog, mit einer Fülle von Filmen, Collagen, Karikaturen, Gedichten, Persiflagen, Texten, politischen Betrachtungen, Polemiken und dergleichen. Es war von Machart und der Kombination verschiedener literarischer Gattungen, kombiniert mit dem künstlerischen Input von John Hartfield, seiner Zeit weit voraus. Tucholsky und Heartfield sahen kommen, was wenige Jahre später eintreten würde.

Jedenfalls heißt das letzte Kapitel Heimat und enthält unter anderem solche Textpassagen:

„Es ist ja nicht wahr, dass jene, die sich «national» nennen und nichts sind als bürgerlich-militaristisch, dieses Land und seine Sprache für sich gepachtet haben. Weder der Regierungsvertreter im Gehrock, noch der Oberstudienrat, noch die Herren und Damen des Stahlhelms allein sind Deutschland. Wir sind auch noch da. Sie reißen den Mund auf und rufen: «Im Namen Deutschlands …!» Sie rufen: «Wir lieben dieses Land, nur wir lieben es.» Es ist nicht wahr. Im Patriotismus lassen wir uns von jedem übertreffen – wir fühlen international. In der Heimatliebe von niemand – nicht einmal von jenen, auf deren Namen das Land grundbuchlich eingetragen ist. Unser ist es. Und so widerwärtig mir jene sind, die – umgekehrte Nationalisten – nun überhaupt nichts mehr Gutes an diesem Lande lassen, kein gutes Haar, keinen Wald, keinen Himmel, keine Welle – so scharf verwahren wir uns dagegen, nun etwa ins Vaterländische umzufallen. Wir pfeifen auf die Fahnen – aber wir lieben dieses Land.“

Oder:

„Wir haben das Recht, Deutschland zu hassen – weil wir es lieben. Man hat uns zu berücksichtigen, wenn man von Deutschland spricht, uns: Kommunisten, junge Sozialisten, Pazifisten, Freiheitsliebende aller Grade; man hat uns mitzudenken, wenn «Deutschland» gedacht wird … wie einfach, so zu tun, als bestehe Deutschland nur aus den nationalen Verbänden. Deutschland ist ein gespaltenes Land. Ein Teil von ihm sind wir.“

Die Wirkung des Textes auf die Zuhörerschaft – Leute im Alter von Mitte 70 bis 104 Jahren – ist erstaunlich. Alle hören gebannt und fasziniert zu, und als ich zum Schluss frage, was sie von dem Gehörten halten, wie es auf sie gewirkt habe, bekomme ich mehr Antworten und Feedback, als ich von anderen Angeboten dieser Art gewohnt bin.

„Das macht sehr nachdenklich, dieser Text“ kommentiert Frau T., die eine Demenzdiagnose hat, in diesem Moment aber hellwach und tatsächlich nachdenklich wirkt.

„Wir haben das ja erlebt und mitgemacht!“ bekomme ich von etlichen der fünfzehn oder sechzehn Anwesenden zu hören. Es ergibt sich ein Hin und Her aus persönlichen Geschichten, kleinen Anekdoten, und teilweise sehr präzisen Erinnerungen aus der Zeit, als die Anwesenden Schulkinder oder Teenager waren, also in den späten 1930er und in den 1940er Jahren.

„Und jetzt geht es ja schon wieder los…“, bemerkt die 87-jährige Frau K. Einige nicken oder machen bestätigende Bemerkungen.

„Wie finden Sie das denn, mit ihrer Lebenserfahrung, dass jetzt wieder zum Krieg gegen Russland gerüstet wird? Halten Sie Russland für eine Bedrohung?“ frage ich jetzt direkt die Leute. Zu meinem Erstaunen gibt es keine einzige bejahende Antwort. Die Reaktionen variieren zwischen „ Das ist doch Quatsch“, „Wer glaubt denn sowas?“ und „Die haben keinen Krieg erlebt, die wissen nicht, was das ist. Die wollen nur ihre Vorteile und ihre Macht…“

Besonders die in dem letzten Zitat ausgedrückte schlechte Meinung von der Politik bzw den Politikern teilen scheinbar alle. Ich bin jetzt neugierig geworden und stelle eine Anschlussfrage: „Und? Was meinen Sie, kann man da was machen? Kann man das denn aufhalten, wenn das so erkennbar wieder in dieselbe Richtung geht?“

„Die da oben machen, was sie wollen und die Leidtragenden sind wir“ ist der Tenor, in den alle einstimmten. Diese Leute in ihren letzten Lebensjahren, in ihrer Mehrzahl hochaltrige Menschen, wirken auf eine traurige, ernüchternde und schmerzhafte Weise realistischer als sämtliche Kriegsprediger in Politik und Medien.

Da ich merke, dass das Thema viele emotional einigermaßen mitnimmt und die Atmosphäre ein bisschen gedrückt wird, schlage ich vor, dass wir die stimmungsverderbende Politik jetzt erst mal sein lassen und dafür Musik hören. Und zwar Musik, die zu der Zeit passt, als Tucholsky diese Texte verfasst hatte – und als die Anwesenden alle jung waren. Das finden sie natürlich klasse und nach einiger Diskussion einigen wir uns auf ein Potpourri mit den Hits der Comedian Harmonists. Die kennen alle, und so singen dann auch fast alle lauthals mit, als Harry Frommermann, Robert Biberti, Roman Cycowski, Ari Leschnikoff und Erich A. Collin einer fiktiven Veronika vorsingen, dass der Lenz da wäre und der Spargel wachsen würde.

Das rundet dieses Nachmittagsangebot versöhnlich ab; einige der Teilnehmer bedanken sich anschließend für die Lesung und die Gespräche.