Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe: Demokratische Meinungsbildung als circulus vitiosus zwischen Beherrschten und Herrschaftspresse

Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe:

Die demokratische Führerin des deutschen marktwirtschaftlichen Musterstaates „stimmt die Bürger ein“, „ruft auf“ und – bester Nachweis ihrer moralischen und diskurstechnischen Vorzüglichkeit – „schlägt auch selbstkritische Töne an“.

Soweit also die Neujahrspredigt einer wohlmeinenden Landesmutter, die von der freiheitlichen Presse entsprechend als seriöser Dialog mit den kennerisch und aufmerksam lauschenden kritischen Bürgern gewürdigt wird.

Ganz anders dagegen der nordkoreanische Mini-Stalin, ausgewiesener Kommunist und Diktator, dessen Bemühen um Gediegenheit der „Spiegel“ sofort durchschaut: alles nur „große Propaganda“, deren „wahre Botschaft“ nur „zwischen den Zeilen“ heraushörbar ist – eine Aufgabe, die die Claas-Relotius-Gazette als Fachblatt für politische Hörakustik freiwillig übernimmt.

Gut, dass dem demokratischen Staatsbürger diese Unterschiede sowieso längst klar sind und der „Spiegel“ sie insofern bloß nochmal bestätigt.

So geht demokratische Meinungsbildung: als circulus vitiosus zwischen Beherrschten und Herrschaftspresse.

Auch bei Wahlen: Alles falsch beim Russen!

Die „Tagesschau“ informiert den demokratischen Untertanen über die Wahlen in Russland: Alles falsch beim Russen!

Nawalny, ein krimineller (und deswegen nicht zugelassener) – aber von den Westmedien zum „Putingegner“ und Musterdemokraten aufgebauter – Bewerber erhält soviel Sendezeit wie die restliche ebenso tendenziöse Propagandaberichterstattung.

Eine stammelnde Reporterin bemüht sich angestrengt, die erwünschten negativen Sprachregelungen rüberzubringen.

Wohliges Erschauern beim Zivilgesellschaftsbürger: Gottseidank gibt’s SOWAS in unserer Superdemokratie nicht. Jetzt müssen wir dem Russen nur noch eine richtige demokratische Regierung spendieren, zur Not auch gegen seinen Willen.

Staats-TV im Würgegriff des Anti-Kommunismus

Strafplanet Erde:

Nach einer nachmittäglichen Ruhephase TV eingeschaltet und die letzen Minuten einer Nachrichtensendung mitgekriegt:

“… ein Land im Würgegriff der Castros”, so Abschluss-Satz einer Reportage der “heute”-Nachrichten über die Trauerfeier für Fidel Castro in Cuba.

Eine Nachrichtensendung, wohlgemerkt. Die Niedrigkeit und Hässlichkeit der Hetze dieses Staatssenders wird bekanntlich mit Zwangsgebühren finanziert. Frage mich wer solche Texte schreibt und sie als Audiospur zu Berichten über den Tod eines Menschen wie Fidel verlesen lässt. Und was für “Journalisten” geben sich her für diese Art propagandistischer Meinungsmache?

Was ist das für eine Welt, in der die Befreiung der Leute von Ausbeutung, Hunger und Armut soviel Hass und Häme auf sich zieht und in der die Ausbeuter, Kriegsherren und kapitalistischen Machthaber als respektable Demokraten medialisiert werden?