Falsche Begriffe führen zu falschem Verständnis: „links“ ist „rechts“ und oben ist unten in einer komplett absurden Debatte unter Anhängern des bürgerlichen Staates


Die Diskussionen um die Ermordung von Charlie Kirk kochen hoch. Dabei fällt nicht nur auf, dass recht viele Leute aus dem Lager der woken, linksgrünen Radikalen Mitte seinen Tod explizit feiern und sich dabei – ganz im Gegensatz zu den weltenretterischen „humanistischen“ Inklusions- und Diversitätsparolen, die sie sonst verkünden – als unappetitlich widerwärtige und schadenfreudige Fanatiker outen.

Die zweite Auffälligkeit ist ein Phänomen, das schon länger zu beobachten ist: dem GEGENLAGER zur Radikalen Mitte der linksgrünen Kleinbürger, dem anti-grünen, konservativen bis völkisch-rechtem Kleinbürgermilieu, gilt umstandslos alles als „linksradikal“, „linksextrem“ oder gleich einfach als „links“, was sie an ihren Kontrahenten aus der Radikalen Mitte kritisieren und festmachen.

Es handelt sich um eine Begriffsverschiebung, die den Mainstream-Kleinbürgern der rotgrünen bis schwarzgelben politischen Mitte, der Anhängerschaft der ehemaligen „Volksparteien“, zu Unrecht ein Etikett verpasst, das diese gar nicht verdienen. Denn „links“, gar „linksextrem“ ist an der zutiefst bürgerlichen Status-Quo-Fraktion der gesellschaftlichen Beharrungskräfte gar nichts. Der Begriff „Radikale Mitte“ passt viel besser zu diesen grünen bis schwarzen Spieß- und Kleinbürgern, deren pseudo-aufgeklärte, pseudo-tolerante und pseudo-humanistische Staatsfrömmigkeit nichts anderes ist als die übliche Anpassungsleistung braver kapitalistischer Untertanen an die Erfordernisse des Kapitalstandortes, die ihnen von Regierung und Medien vorbuchstabiert werden.

Die von den schimpfenden AfD-Kleinbürgern ausgemachten „Linksextremen“ sind die eifrigsten und treuesten Fans der Staatsmacht und ihrer repressiven Maßnahmen gegen den Kriegs- und Verarmungskurs, die man sich denken kann. Sie sind die Fanatiker der „Demokratie“, die sie zu schützen beabsichtigen, indem sie sie abschaffen bzw. deren Abschaffung durch den bürgerlichen Staat sie begrüßen, weil ihnen einleuchtet, das das alles „Gegen rechts!“ passiert.

Wirkliche Linksextreme (in der Definition bürgerlicher Soziologen und staatskonformer Politiker) sind Gegner des bürgerlichen Staates, Gegner der kapitalistischen Eigentumsordnung, Gegner des Klassenstaates. Nichts davon trifft auf die Radikale Mitte von CDUSPDFDPGRÜNELINKE zu. Diese ist im Gegenteil der entschiedenste Verteidiger von bürgerlicher Ordnung, kapitalistischer Eigentumsordnung und Klassenstaat.

Jetzt nochmal zu Charlie Kirk:

Dessen Thesen und politischen Ansichten entsprachen mehr oder weniger dem GEGENLAGER der Radikalen Mitte, er äußerte sich gerne anti-woke, pro-trumpistisch, gender & diversity-kritisch usw.

Teil seines Einflusses und seiner Popularität beruhte drauf, das er seine Auffassungen zur Diskussion stellte, dass er gerne und gut debattierte. Er wollte überzeugen ohne zu missionieren. Egal was man von seinen Ansichten hielt, er war in seinem Einsatz für die Verbreitung seiner Ideen geradezu ein Musterbeispiel demokratischer Debattenkultur. „Convince me that I’m wrong“ war seine Devise, mit der er in Debatten mit politischen Gegnern ging. Er hörte zu, argumentierte und versuchte, seine Standpunkte nachvollziehbar darzulegen.

Wer die Ermordung diese Mannes feiert, hat seinen Platz in der Gemeinschaft zivilisierter Menschen verloren und belegt, dass es ihm nicht um Diskussion geht, sondern um rechthaberische Gewalt und diktatorische Definition des Diskussionsraumes. Und das ist nicht „links“ oder „linksextrem“, sondern zutiefst rechts, autoritär und, ja: faschistisch.

Und im übrigen zeigt der Vorfall und die anschließende hitzige Debatte der beiden verfeindeten ideologischen Lager – die sich immer noch beide INNERHALB der bürgerlichen Weltsicht eines kapitalistischen Staatswesens bewegen – dass die herkömmlichen Begriffe von „links“ und „rechts“ nicht mehr tauglich sind, um die widerstreitenden ökonomischen, ideologischen und kulturellen Interessen innerhalb des realen Kapitalismus zu beschreiben.