Die Ente

„Die Ente“ / Musik: Johann Sebastian Bach, Choral „So fahr ich hin zu Jesu Christ“, Oboenkonzert (BWV 105, 170 & 49) 3. Adagio, Albrecht Mayer & The English Concert


Auch mit den heutigen Mitteln der KI muss man für ein paar Sekunden Film einen beachtlichen Aufwand treiben – jedenfalls wenn’s länger dauern soll, als die 6 Sekunden Animation, die Grok aus hochgeladenen Bildern erstellt. Wenn man dann noch ein paar Minimalansprüche an Inhalt, Präsentation, „Story“ eventuell und passende Soundeffekte und Musikuntermalung hat, müssen in der Regel verschiedene Bearbeitungswerkzeuge (und einiges an Zeitaufwand) zum Einsatz kommen.

Trotzdem ist das ein Klacks gegen die Mühe, die frühere Trickfilmzeichner hatten, als jedes Einzelbild von Hand gezeichnet, koloriert, abfotografiert und schließlich zu einer zusammenhängenden Bewegtbildfolge montiert wurde.

Solch Zeitvertreib scheint zwar eine der kreativeren Einsatzmöglichkeiten der KI, aber nach Lage der Dinge kann das nicht die Nachteile aufwiegen, die diese Technologie im Kontext einer neofeudalen finanzkapitalistischen Klassengesellschaft zwangsläufig mit sich bringt.

Wie die australische Bloggerin und Aktivistin Caitlin Johnston kürzlich schrieb, ergänzen sich KI-Anwendungen und das kapitalistische Bedürfnis nach Kontrolle aller Aspekte der Geschäftemacherei aufs Vortrefflichste:

Eure Herrscher wollen, dass ihr euch beim Denken auf Maschinen verlasst.
Sie wollen, dass ihr euch beim Denken, Recherchieren, Analysieren und Schreiben auf KI verlasst.
Sie wollen, dass ihr leicht kontrollierbare Software benötigt, um euer Verständnis der Welt zu formen und dieses Verständnis anderen gegenüber auszudrücken.
Sie können die Maschinen kontrollieren, aber sie können den menschlichen Verstand nicht kontrollieren. Deshalb wollen sie, dass ihr euren Verstand zugunsten der Maschinen aufgebt.
Sie wollen, dass ihr euch auf künstliche Intelligenz verlasst, damit ihr aufhört, eure organische Intelligenz zu nutzen.
Sie wollen, dass eure Fähigkeiten zum kritischen Denken verkümmern.
Sie wollen, dass eure Fähigkeit, unbequeme Informationen zu finden und zu analysieren, nachlässt.
Sie wollen, dass eure Inspiration und Intuition verfallen.
https://open.substack.com/pub/caitlinjohnstone/p/they-want-you-relying-on-artificial

Anzumerken wäre höchstens, dass man es ja selbst in der Hand bzw. im Verstand hat, die eigene Inspiration, Intuition und generell das kritische Denken nicht den Erfordernissen der Eliten und der politischen Machthaber zu unterwerfen. Man kann die Möglichkeiten der Technologie auch gegen die Herrschenden, gegen die imperialistische Barbarei richten, wenn man sie für listige, geschickte, subversive und gut gemachte Agitation verwendet.

Das möchte ich wenigstens gerne glauben. Aber wie es – unter der Voraussetzung, dass das westliche imperialistische System sich so lange hält – in wenigen Jahrzehnten aussehen wird, mit dann zwei bis drei Generationen, die in einer kollabierenden, deindustrialisierten Gesellschaft KI als allgegenwärtige Denkkrücke und Bespaßungsdroge erfahren haben, vielleicht von irgendeinem Bürgergeld-Grundeinkommen knapp am Überleben gehalten werden – das möchte ich mir lieber nicht vorstellen.


Verwendete Tools für das obige 50-Sekunden-Filmchen:

Concepts – Zeichnung und Kolorierung

PicsArt– Bildbearbeitung

Retouch – Retusche

Grok – Animation

Premiere Rush – Videobearbeitung