Der Eifelphilosoph interpretiert die Welt nur, es kömmt aber darauf an, sie zu verändern

Der Eifelphilosoph ist ein recht gescheiter und belesener älterer Herr, der anscheinend in der Eifel lebt und gelegentlich seinen Senf zur allgemeinen Weltlage und speziell den deutschen Verhältnissen auf Facebook veröffentlicht.

Seine Beiträge sind in der Regel sehr lesenswert, nachdenklich und klug. Stets aber bleiben seine Beobachtung Erklärungen und Analysen stecken in dem Idealismus des bürgerlichen Subjekts, dass daran verzweifelt, wie die ökonomische und politische Realitäten des Kapitalstandortes seine hehren Vorstellungen von Freiheit und Demokratie ständig blamieren.

Und diesen Umstand erlaube ich mir gelegentlich zu kritisieren:

Ein „Like“ für die insgesamt treffsichere Bestandsaufnahme – die allerdings gegen Ende konterkariert wird durch die leider typischen Staatsidealismen liberaler Demokraten:

„Hier bestimmt nur einer, wieviel ich arbeite: und das bin ich. Das regele ich vertraglich mit dem Arbeitgeber, als freier Bürger in einem freien Land.“

Das ist ideologisches Wunschdenken. Diese idealen Verhältnisse erträumen sich bürgerliche Gemüter, deren Ideal einer gerechten, demokratischen freien Marktwirtschaft ständig an der Wirklichkeit der realen kapitalistischen Verhältnisse blamiert wird:

Wer wieviel arbeitet bestimmt in einer modernen Konkurrenz- und Klassengesellschaft mitnichten der einzelne Lohnabhängige, sondern der Zwang zum Geldverdienenmüssen. Und der fällt an einem kriegsbereiten Kapitalstandort wie der BRD, dessen ökonomische Prosperität durch die Erfordernisse dieser von den Herrschenden verordneten Kriegstüchtigkeit immer härter zulasten der Lohnabhängigen aus, da die sinkende Kapitalverwertungsrate nunmal ihre Verarmung zugunsten der Aufrüstung und dercKriegsvorbereitung erfordert.

Darum ist es auch falsch, den Machthabern Unfähigkeit, Versagen, Schlafmützigkeit gegenüber  Welt-Trends, Planungsinkompetenz usw vorzuwerfen. Die Standortverwalter planen im Gegenteil sehr präzise und aus ihrer Sicht stringent strategisch für den nunmehr dritten Anlauf des deutschen Imperialismus zu der Wucht und Größe, die ihm im Verständnis der wesentlichen Teile der herrschenden Klasse zukommt und zusteht. 

Man kann kritisieren, dass der in die geopolitische und welthistorische Ecke gedrängte Imperialismus –  zumal der chronisch zu kurz gekommene deutsche, dessen Ambitionen weit über seine Möglichkeiten hinausgehen – in seiner lethalen Krise Züge eines Tech-Feudalismus annimmt, dass er immer bürgerfeindlicher und autoritärer wird, dass seine Zielsetzungen und Absichten für die lohnarbeitende Bevölkerung äußerst unverträglich sind. 

Aber man hat damit immer noch nicht verstanden, was der politökonomische Gehalt dieser Zustände ist. Von welcher Seite man die Sache auch betrachtet, wenn man ehrlich ist, landet man immer bei dem, was politisches Handeln in der Klassengesellschaft antreibt: bei der Eigentums- und damit der MACHTfrage. 

Dass Deutschland nicht auf einmal von lauter unfähigen Politdeppen beherrscht wird, die zwar wollen aber nicht können, könnte man schon dem Umstand entnehmen, dass es offensichtlich keine Rolle spielt, welchem „politischen Lager“ die regierenden Kriegstreiber angehören. Die mal wieder alternativlose Notwendigkeit des Aufrüstungs-, Kriegs-, Verarmungs- und Deindustrialisierungskurses wird ja bekanntlich von allen Parteien geteilt, und auch die selbsternannte „Alternative“ eilt zur Zeit mit Siebenmeilenstiefeln in Richtung „Verantwortung für Deutschland“, also Machtbeteiligung und damit Kompatibilität mit der Agenda der Eliten, die den politischen Kurs des deutschen Imperialismus bestimmen. Und das sind nach Lage der Dinge immer noch die üblichen Verdächtigen, also die Besitzer der Produktionsmittel, die finanzkapitalistischen Eliten, die Netzwerke der Superreichen, der Konzerne und der „Investoren“, kurz: die Epsteinklasse, unsere Bourgeoisie.

Wollen wir die loswerden, jedenfalls ihre politische Macht brechen und ihr die Möglichkeit nehmen, unser aller Leben zu bestimmen und zu kontrollieren und uns demnächst für ihren Krieg gegen Russland zu verheizen? Oder wollen wir sie nur untertänig (also durch Wahlen) darum ersuchen, doch bitte nicht so „unfähig“ zu sein und unseren Idealen einer gerechten bürgerlichen Ordnung zu entsprechen, auf die sie, wenn’s hart auf hart kam, immer schon geschissen haben und eher einen Faschismus installieren, als unsere Interessen zu berücksichtigen?