Der Eifelphilosoph ist ein recht gescheiter und belesener älterer Herr, der anscheinend in der Eifel lebt und gelegentlich seinen Senf zur allgemeinen Weltlage und speziell den deutschen Verhältnissen auf Facebook veröffentlicht.
Seine Beiträge sind in der Regel sehr lesenswert, nachdenklich und klug. Stets aber bleiben seine Beobachtung Erklärungen und Analysen stecken in dem Idealismus des bürgerlichen Subjekts, dass daran verzweifelt, wie die ökonomische und politische Realitäten des Kapitalstandortes seine hehren Vorstellungen von Freiheit und Demokratie ständig blamieren.
Und diesen Umstand erlaube ich mir gelegentlich zu kritisieren:
Flitzpiepe Merz – der Luschenkanzler – kann einem wirklich nur leid tun. Wie muss man sich fühlen als Kanzler, den keiner wollte – den schon seit zwanzig Jahren keiner will, der sogar von der Merkel weggeschubst werden konnte, nachdem der Schröder mit ihm den Boden gewischt hatte? Aber das ist ja auch eine Krankheit unseres Systems: der Typ wird einem so lange serviert, bis man ihn nimmt. Wie im Restaurant: wenn die Gulaschsuppe weg muss, empfiehlt der Kellner jedesmal die Gulaschsuppe, bis man aus Gnade einfach sagt: ach, komm, gib her den Mist.
Und dann ist er umgeben von Feinden. Die Rentner zum Beispiel: fressen ihm die Haare vom Kopf. Werden immer mehr und leben immer länger: unverschämtes Pack. Oder die Ausländer: verschandeln das Stadtbild wo sie nur können. Absichtlich. Dann die Arbeitslosen: leben auf seine Kosten in Saus und Braus, haben Spaß wie Bolle und schaden dem Bruttosozialprodukt. Dann die Frauen: wollen in der Ehe nicht mehr vergewaltigt werden. Geht ja gar nicht! Oder die Arbeitnehmer: Faultiere wie sie im Buche stehen. Sitzen den ganzen Tag nur blöd herum und kosten viel. Und sind dann auch noch dauernd krank. Nun – die Krankheit wurde vorhergesagt: die zunehmende Arbeitsverdichtung, unter der Arbeitnehmer seit langer Zeit leiden (immer mehr, immer schneller mit immer weniger Personal) überfordert jeden gesunden Menschen. Aber gut: Arbeit. Das war ja nie so sein Ding. Das hat er aber mit vielen im Parlament gemein: wozu blöd schuften, wenn man doch konsumieren kann – auf Kosten der Allgemeinheit. Privatflieger geht auch ohne Schwielen an den Händen oder einen kaputten Rücken.
Jetzt sollen die mehr arbeiten. Alle. Eine Forderung, die an Blödheit nicht zu überbieten ist. Dazu fällt mir ein Gespräch mit einem Unternehmer ein, der mir am Wochenende erzählte, er würde nie wieder deutsche Autos kaufen – und schwärmte von chinesischen Autos, die er jetzt auch für die Firma anschafft. Massagesitze und – noch nie gehört – eine Meditationshilfe, die ihm im Stau sehr geholfen hatte. Wozu sollen wir eigentlich noch mehr Autos bauen, die keiner will, weil China uns in allem überholt hat? Und hat dem Merz noch keiner gesagt, dass Arbeit an sich kein Geld bringt, wenn man keinen Markt hat, auf dem man handeln kann? Wir haben außerdem schon etliche Millionen Überstunden im Jahr – die meisten davon unbezahlt – und trotzdem schaffen es die Manager nicht, die Wirtschaft auf Kurs zu bringen. Aber Manager kritisieren – diese „Nieten in Nadelstreifen“ – das traut sich keiner mehr. Die sind tabu geworden.
Und sicher: jetzt gibt es Aufschwung. Hört man ja. 0,7 Prozent. Alle jubeln, dabei ist das so, als käme der Familienvater nach Hause, bringt teure Geschenke für alle, weil er jetzt deutlich mehr Geld hat. Nur: das war ein Kredit von der Bank, keine Gehaltserhöhung. Und unser Wachstum besteht hauptsächlich aus Rüstungsaufträgen auf Pump. Sagt einem nur keiner. Da zahlt die junge Generation die Zeche für. Damit die das nicht merken, macht man ihnen mit der Rente Angst.
Und dann noch der Russe. Ein barbarischer Feind. Der Amerikaner. Jetzt auch Feind. Und der Chinese ebenso. Sogar die Saudis haben ihn abblitzen lassen. Die kleine Flitzpiepe in einem Meer von Feinden. Kein Wunder, dass der dauernd unterwegs ist auf der Suche nach irgendjemanden, der ihn mag.
Vielleicht würde er den ja in Bayern finden. Der Söder hat ja jetzt einen ´rausgehauen: das „Scheißbürgergeld“ wird abgeschafft. Ja, dieser elaborierte Sprachcode ist ein Originalzitat. Ich frage mich, ob man dann die Empfänger auch Scheißsyrer, Scheißafghanen und Scheißukrainer nennen soll. Immerhin stellen die die größte Gruppe. Na ja: und Scheißdeutsche sind wir ja sowieso – siehe oben. Für die sprachliche Entgleisung möchte ich mich hier aber erstmal entschuldigen: normal benutze ich solche Begriffe nicht, aber ich wollte mich mal dem Niveau unserer politischen Elite anpassen.
Was so durch die Blume vermittelt wird: wir sind wieder in einem Feudalstaat angekommen. Nicht namentlich – aber funktional. Als Funktionssklaven ist es unserer Aufgabe, die Obrigkeit glücklich zu machen und ihr nicht beim Lebensgenuss im Wege zu stehen, ihnen die Luft wegzuatmen, die Straßen zu überfüllen oder das Stadtbild zu verschandeln. Was könnte man nur für schöne Subventionen für die Wirtschaft verteilen, wenn die Rentner nicht vorher alles aufgefressen hätten – und die Wirtschaft braucht Subventionen, weil sie erfolgreiche Geschäftsmodelle seit Jahrzehnten verpassen. „Wir sind ein Volk von Maschinenbauern, wie können keine Software“ – so in der Art hat die Flitzpiepe mal getönt und sich damit in die Reihe der Totalversager gestellt, deren Standpunkt ist, dass sie „Jäger und Sammler“ sind und sonst nichts können und überhaupt ihre Höhle nicht verlassen wollen.
Der Linnemann hat das ja sogar auf die Spitze getrieben: er überlegt, den Bürgern mehr Freiheit zu geben (Welt, Video, 17.02.2026). Der König möchte den Sklaven etwas Ausgang gönnen, oder? Das ist das feudale Selbstverständnis der selbstverliebten Politikblase in Berlin, die nur noch eins im Sinn hat: möglichst viel Geld für sich selbst aus dem Steuersäckel ziehen. Oder?
Wer traut sich eigentlich, denen mal zu sagen, in was für einem Land wir leben? Hier bestimmt nur einer, wieviel ich arbeite: und das bin ich. Das regele ich vertraglich mit dem Arbeitgeber, als freier Bürger in einem freien Land. Da hat eine Regierung, die von Wirtschaft schon lange keine Ahnung mehr hat, nichts drin verloren. Und das die Gemeinschaft der Bürger sich Versicherungen leistet, kommt jedem zugute – auch das sind freie Verträge freier Bürger zum Schutz vor Ungemach aller Art. Wir dürfen uns sogar Bürgergeld leisten, um die Bürger vor dem Totalversagen deutscher Managementnieten zu schützen, die verdammt nochmal jeden Trend in der Welt verschlafen, schlecht planen, miserabel kalkulieren, bescheiden organsieren und kaum noch in Innovationen investieren, weil die ja erstmal die Rendite schmälern. So rutscht man langsam mit viel Rendite in die globale Bedeutungslosigkeit – und eine an Blödheit kaum zu übertreffende Politik assistiert da noch … für ein paar Plätze im Vorstand. Soviel Versagen läßt sich auch durch noch soviel geschenkte Überstunden nicht ausgleichen. Absolut nicht! Die Arbeit würden wir Bürger lieber in neue Wirtschafts- und Finanzstrukturen investieren, die vor allem uns zugute kommen – und nicht nur dem Plantagenbesitzer
Ich denke ja: bei so vielen Feinden wird es Zeit für den Luschenkanzler, dass er … sich ein anderes Land sucht. Wo man noch Arbeitssklaven kennt. Junge, nie kranke Menschen, die nie altern, nichts essen brauchen, nicht wohnen müssen und auch gar kein Geld wollen. Kanzler einer chinesischen Maschinenhalle – das wäre was. Die bauen inzwischen ganze Straßen ohne einen einzigen Menschen, habe ich gelesen. Haben Fabriken, die völlig dunkel sind: die Maschinen brauchen kein Licht. Da könnte er Kanzler werden. Dunkelkanzler. Aber schnell, bevor auch hier das Licht ausgeht.
Oder?
Ein „Like“ für die insgesamt treffsichere Bestandsaufnahme – die allerdings gegen Ende konterkariert wird durch die leider typischen Staatsidealismen liberaler Demokraten:
„Hier bestimmt nur einer, wieviel ich arbeite: und das bin ich. Das regele ich vertraglich mit dem Arbeitgeber, als freier Bürger in einem freien Land.“
Das ist ideologisches Wunschdenken. Diese idealen Verhältnisse erträumen sich bürgerliche Gemüter, deren Ideal einer gerechten, demokratischen freien Marktwirtschaft ständig an der Wirklichkeit der realen kapitalistischen Verhältnisse blamiert wird:
Wer wieviel arbeitet bestimmt in einer modernen Konkurrenz- und Klassengesellschaft mitnichten der einzelne Lohnabhängige, sondern der Zwang zum Geldverdienenmüssen. Und der fällt an einem kriegsbereiten Kapitalstandort wie der BRD, dessen ökonomische Prosperität durch die Erfordernisse dieser von den Herrschenden verordneten Kriegstüchtigkeit immer härter zulasten der Lohnabhängigen aus, da die sinkende Kapitalverwertungsrate nunmal ihre Verarmung zugunsten der Aufrüstung und dercKriegsvorbereitung erfordert.
Darum ist es auch falsch, den Machthabern Unfähigkeit, Versagen, Schlafmützigkeit gegenüber Welt-Trends, Planungsinkompetenz usw vorzuwerfen. Die Standortverwalter planen im Gegenteil sehr präzise und aus ihrer Sicht stringent strategisch für den nunmehr dritten Anlauf des deutschen Imperialismus zu der Wucht und Größe, die ihm im Verständnis der wesentlichen Teile der herrschenden Klasse zukommt und zusteht.
Man kann kritisieren, dass der in die geopolitische und welthistorische Ecke gedrängte Imperialismus – zumal der chronisch zu kurz gekommene deutsche, dessen Ambitionen weit über seine Möglichkeiten hinausgehen – in seiner lethalen Krise Züge eines Tech-Feudalismus annimmt, dass er immer bürgerfeindlicher und autoritärer wird, dass seine Zielsetzungen und Absichten für die lohnarbeitende Bevölkerung äußerst unverträglich sind.
Aber man hat damit immer noch nicht verstanden, was der politökonomische Gehalt dieser Zustände ist. Von welcher Seite man die Sache auch betrachtet, wenn man ehrlich ist, landet man immer bei dem, was politisches Handeln in der Klassengesellschaft antreibt: bei der Eigentums- und damit der MACHTfrage.
Dass Deutschland nicht auf einmal von lauter unfähigen Politdeppen beherrscht wird, die zwar wollen aber nicht können, könnte man schon dem Umstand entnehmen, dass es offensichtlich keine Rolle spielt, welchem „politischen Lager“ die regierenden Kriegstreiber angehören. Die mal wieder alternativlose Notwendigkeit des Aufrüstungs-, Kriegs-, Verarmungs- und Deindustrialisierungskurses wird ja bekanntlich von allen Parteien geteilt, und auch die selbsternannte „Alternative“ eilt zur Zeit mit Siebenmeilenstiefeln in Richtung „Verantwortung für Deutschland“, also Machtbeteiligung und damit Kompatibilität mit der Agenda der Eliten, die den politischen Kurs des deutschen Imperialismus bestimmen. Und das sind nach Lage der Dinge immer noch die üblichen Verdächtigen, also die Besitzer der Produktionsmittel, die finanzkapitalistischen Eliten, die Netzwerke der Superreichen, der Konzerne und der „Investoren“, kurz: die Epsteinklasse, unsere Bourgeoisie.
Wollen wir die loswerden, jedenfalls ihre politische Macht brechen und ihr die Möglichkeit nehmen, unser aller Leben zu bestimmen und zu kontrollieren und uns demnächst für ihren Krieg gegen Russland zu verheizen? Oder wollen wir sie nur untertänig (also durch Wahlen) darum ersuchen, doch bitte nicht so „unfähig“ zu sein und unseren Idealen einer gerechten bürgerlichen Ordnung zu entsprechen, auf die sie, wenn’s hart auf hart kam, immer schon geschissen haben und eher einen Faschismus installieren, als unsere Interessen zu berücksichtigen?