Medien im Dienste von Staatsmacht und Regierungspolitik

In seinem Buch „Von Bismarck zu Hitler“ schreibt Sebastian Haffner über die Medienpolitik der neuen „Regierung der nationalen Erhebung“ ab 1933 und gibt Betrachtungen zu Protokoll, die einem angesichts der vielfältigen, aber streng regierungsnah orientierten (Leit-)Medienlandschaft der heutigen BRD doch sehr bekannt vorkommen:

Es gab im dritten Reich durchaus eine Art Pressevielfalt. Wer die Frankfurter Zeitung las, der bekam Dinge in ganz anderem Ton und Stil dargestellt, als jemand, der den völkischen Beobachter las. (…) Der Zeitungsleser hatte durchaus die Wahl, die Dinge so dargestellt zu sehen, wie er es sich wünschte und gemäß seiner Stimmungslage weiter bedient zu werden. 

Nur auf einen relativ bescheidenen Eingriff beschränkte sich Goebbels. An jedem Tag wurde im Ministerium für Propaganda unter der Leitung eines Ministerialrat – selten von Goebbels selbst – eine Zusammenkunft abgehalten, zu der die Zeitungen einen Redakteur, normalerweise nicht den Chefredakteur, entsandten und auf der eine so genannte Sprachregelung ausgegeben wurde. Diese Sprachregelung bedeutete nicht, dass man den Zeitungen jede Kleinigkeit vor schrieb; wie gesagt, sie durften, sollten sogar ihren Stil behalten. 

Sie bedeutete aber, dass gewisse Nachrichten unterdrückt werden mussten oder nur sehr unauffällig gebracht werden durften und dass gewisse andere Nachrichten groß herauszustellen. waren.

In gewissen Fällen, nicht häufig, in kritischen Situationen, wurde den Redakteuren auch angegeben, welche Linie sie in ihren Leitartikeln zu verfolgen hatte. Von einer totalen Gleichschaltung der Presse kann also keine Rede sein. 

Die Presse blieb vielfältig, aber man zog ihr Grenzen, die sie nicht überschreiten durfte. Und auf diese Weise wurde erreicht, dass auch einem nicht nationalsozialistischen Publikum das, worauf es Goebbels und Hitler ankam, auf eine Art beigebracht wurde, die es schlucken konnte. 

Eine fast genial zu nennende Form der Manipulation der öffentlichen Meinung und mehr noch der öffentlichen Stimmung, ohne dass den Menschen Ideen aufgedrängt wurden, für die sie im Sinne der Reichsführung noch nicht reif waren.