
Nach einem weiteren Tag am Meer, den ich gewohnheitsmäßig mit viel Lektüre, guter Musik und ausgiebiger Faulenzerei verbracht habe, begebe ich mich in die Küche der Ferienwohnung, wo die Frau bereits eine Flasche Grauburgunder aus dem Kühlfach holt.
Ich scrolle durch den Newsfeed der diversen Substack-, Telegram- Facebook- und X-Postings und stelle nach einer ersten oberflächlichen Einschätzung fest, dass sich an EINER unausweichlichen Tatsache nichts geändert hat:
Wir leben auf einem Strafplaneten, dessen Bewohner einem Abgrund kollektiver Idiotie entgegen taumeln, die das Zeug zu einer Tragödie nie gekannten Ausmaßes hat.
Soweit also alles wie immer.
Ich stelle das mobile Endgerät beiseite, lasse mich wie ein nasser Sack in den Küchenstuhl fallen und stoße einen Seufzer aus, der direkt der tiefsten Quelle meiner empfindsamen Ästhetenseele entspringt.
Die Frau fragt: „Was ist los?“
„Wo soll ich anfangen?“ antworte ich. „Soll ich mit dem Drama der menschlichen Existenz beginnen? Dem Abgrund des Irrsinns, der einem in dieser Welt ständig ins Gesicht schaut? Den Zuständen, die Menschen zu Sklaven der Verhältnisse machen ohne dass sie sich dessen bewusst sind? Du weißt doch, womit ich mich immer beschäftige und was mich so umtreibt…“
„Wir haben zu essen für die nächsten vier, fünf Tage!“ verkündet die Frau, die vor dem geöffneten Kühlschrank steht, als Antwort, und ich weiß mal wieder, wer der Stein an der Schnur des Luftballons meines Daseins ist und mich auf der Erde hält.
Darauf können wir anstoßen, und das tun wir auch.
