Die Frau und ich beim Mittagessen. Ich erzähle ihr von dem „Neutrality Studies“-Podcast, den ich heute Morgen bei der Hunderunde gehört habe. Pascal Lottaz interviewt den belgischen Professor Mattias Desmet, seines Zeichens Psychologe, Statistiker und Erforscher von Totalitarismus und „Massenbildung“ – „Bildung“ hier im Sinne von Zusammenschluss, Formierung verstanden, nicht als schulische, universitäre oder sonstige Wissensvermittlung (der englische Begriff ist „mass formation“)
Meine (bei allem Respekt für die teilweise präzise und zutreffende Analyse des Professors) fundamentale Kritik an seiner zutiefst bürgerlichen Sichtweise, alles und jedes – vor allem aber soziale Phänomene – als Ausdruck der Psyche, der „menschlichen Natur“ zu begreifen und somit konsequent zu individualisieren, lasse ich beiseite und berichte der Liebsten von der Aussage, die mich am meisten fasziniert hat.
Desmet stellt nämlich die These bzw. Theorie auf, dass gerade intelligente, gut gebildete Menschen anfällig sind für totalitäre Ideen und Ideologien. Er hat das wohl auch anhand einiger Arbeiten, Studien usw. nachgewiesen. Er sagt:
„Je höher das Bildungsniveau, desto anfälliger werden Menschen für Massenbildung. Das klingt paradox. Gustave Le Bon schrieb im 19. Jahrhundert: „Je höher das Bildungsniveau, desto mehr fallenMenschen der Massenbildung zum Opfer.“ Jacques Ellul schrieb in seinem Buch „Propaganda“ dasselbe: „Je länger Menschen zur Schule gehen, desto leichter fallen sie der Propaganda anheim.“
Der Grund: Unser Bildungssystem ist eine Art unbewusster Indoktrination. Nicht weil Lehrer bewusst indoktrinieren – nein. Aber das System lehrt Menschen, nicht selbst zu denken. Es lehrt sie, alle auf dieselbe Weise zu denken, nämlich gemäß der Mainstream-Sicht auf Mensch und Welt. Bildung wird so zur psychologischen Vorbereitung, die Menschen anfällig für die Propaganda macht, die später in ihrem Leben eingesetzt wird.“
Soweit der Kontext. Wir unterhalten uns weiter über die derzeit sehr gut beobachtbare Indoktrination und Hysterie im Zuge der Hyperaufrüstung und des Krieges gegen Russland, den vor allem Deutschland federführend übernommen hat und anscheinend unbedingt demnächst selbst führen will.
Ich bemerke zwischen zwei Bissen Bio-Hähnchen an grünem Spargel: „Da führt wohl kein Weg mehr dran vorbei. Ich hoffe mittlerweile nur noch, dass es nicht zum nuklearen Schlagabtausch kommt, damit die Trümmer, in denen wir sitzen werden, wenigstens nicht verstrahlt sind…“
Die Frau, auf meinen Teller schauend, den ich mal wieder nur zu drei Vierteln leergegessen habe : „Kann ich das Stück Fleisch noch haben?“
Ich antworte: „Ja klar. Nimm. Kriegsvorbereitung, Krieg gegen Russland, Bomben und Zerstörung – egal, Hauptsache es gibt lecker zu essen!“
Sie so: „Naja, dann sterb‘ ich wenigstens satt…“
