
Der kollektive Westen, speziell auch die Berliner Machthaber, hat beschlossen, so zu tun, als wäre die Welt noch die der 1990er oder frühen Zweitausenderjahre; eine Zeit, in der das westliche Imperium noch unangefochten die globale Hegemonie ausübte und anderen Staaten und Völkern seinen Willen aufzwingen konnte.
Der Westen hat sich kollektiv entschlossen, weiter in einer Fantasiewelt zu leben, die nicht mehr existiert, in einer Weltordnung, die es seit circa zehn Jahren mit einer immer größeren Absetzbewegung der Weltmehrheit zu tun hat und die jetzt endgültig abgelöst wird von einer neuen, faireren multipolaren Weltordnung gleichberechtigter Staaten.
Es ist faszinierend, die Rhetorik wahrzunehmen, die aus den westlichen Hauptstädten kommt. Würde es sich um individuelle Personen handeln, die so erbittert und mit immer obsessiverer Entschlossenheit an Verhältnissen festhalten, die es nicht mehr – oder nur noch im Wunschdenken der wenigen Staaten des westlichen Lagers – gibt, lägen etliche psychoanalytische Diagnosen klar auf der Hand.
Die immer absurderen Treffen der europäischen Machthaber, der so genannten „Koalition der Willigen“, wirken wie ein Ball der Vampire kurz vor Morgengrauen, bei dem die neue geopolitische Realität bereits die Tore verriegelt und die Särge zugenagelt hat. Vielleicht ahnen sie, dass ihre gewohnte Position in der globalen Ordnung nicht mehr aufrechtzuerhalten ist, aber sie tun verzweifelt und immer panischer so, als wäre das möglich – und ignorieren die Realität um sie herum auf Kosten ihrer Bevölkerungen.