Geschichten, die das Leben schrieb: Deutschland dein Gesundheitswesen

Nach dem Arbeitsunfall am Montag, bei dem mich ein aggressiver Tisch unvermittelt ansprang und mir seine Kante gegen Knie und Schienbein donnerte, füllte ich die vorgeschriebene Unfallmeldung auf der Arbeitsstelle aus und meldete mich für meine Dienste am Mittwoch und Freitag erst mal arbeitsunfähig.

Da ich den von der Hausarztpraxis genannten D-Arzt, der für solche Arbeitsunfälle zuständig ist, innerhalb von zwei Tagen nicht erreiche und die Beschwerden im Rahmen bleiben bzw. sich nicht wesentlich verschlimmern, belasse ich es dabei und hoffe, dass ich bis zum Ende der Woche wieder im wahrsten Sinne des Wortes auf den Beinen stehe.

Weit gefehlt. Die letzten beiden Tage sind geprägt von zunehmenden Beschwerden beim Gehen und Stehen, die Nächte von intensivem Ruheschmerz im angeschwollenen Knie. An Schlaf ist nicht zu denken und heute, in der zweiten Nacht, in der ich stundenlang wieder nicht weiß, wo ich mich vor Schmerzen hintun sollte, googel ich dann mal auf einschlägigen Medizinportalen die Faktenlage. Auch ziehe ich meinen künstlich intelligenten Kumpel Claude zu Rate, der mir folgendes hinter die Ohren schreibt:

2:00 Uhr
Daraufhin begebe ich mich also auf die Suche nach einer Notaufnahme. Richtig: auf die Suche, denn auch in einer Landeshauptstadt wie Düsseldorf ist das garnicht so ohne, wie sich herausstellen wird.

Die private Schön-Klinik, die bei mir um die Ecke gelegen ist, weist mich bei meinem Anruf sofort ab und schnoddert mir zu, ich solle doch am Montag mal bei einem Orthopäden anrufen.

2:30 Uhr
Als Nächstes fahre ich ins 3km entfernte St. Martinus-Hospital. Dort erfahre ich, dass der Notarzt gerade mit einer komplizierten OP beschäftigt ist, und „das kann bis um 8:00 Uhr dauern“. Ich bedanke mich und verlasse den Laden.

2:45
Ich lege die kurze Strecke zum EVK, dem evangelischen Krankenhaus, zurück, wobei ich in einer 30 km Zone mit der sagenhaften Geschwindigkeit von 39 km/h geblitzt werde. Das Krankenhaus genießt einen ausgezeichneten Ruf und empfängt mich mit weitgehend leeren Räumlichkeiten, auch in der Notaufnahme, und einer angenehmen Atmosphäre. Man behandelt mich freundlich, weist mir einen Platz zu und versichert mir, dass mich gleich jemand versorgen würde..

Nach einer halben Stunde werden in einem Zimmer mit der Aufschrift „Ersteinschätzung“ meine Daten erfasst und ich werde wieder in den Wartesaal komplimentiert: „Die Ärztin ruft sie gleich auf!“

Ich nehme erleichtert auf den unbequem Bänken Platz, wo ich es aber nicht lange aushalte, weil mir das Knie wirklich zu schaffen macht. Also wanke ich irgendwie durch den Saal, ziehe mir in meiner Verzweiflung für teures Geld ein „Kinder Bueno“ aus dem Automaten und harre der Dinge, die da kommen. Nach einer weiteren halben Stunde erscheint die Pflegekraft erneut und sagt, es täte ihr leid, aber die Ärztin müsse jetzt eine OP durchführen. Ich sollte doch morgen ab 9:00 Uhr noch mal kommen, da wäre Schichtwechsel und wahrscheinlich würde es dann nicht so lange dauern.

4:00
Ich fahre nach Hause.