Kleinmütiger Defätismus geht in großspechenden Hochmut über und identifiziert „die dummen Deutschen“ als revolutionsuntauglich

Verachtung der „dummen Bevölkerung“ ist ein mentaler Makel, der auch in linken Kreisen kursiert. Mit der Arroganz besserwisserischer Durchblicker konstatieren meist Intellektuelle, dass die Leute, vornehmlich die „dumme“ oder „dumm gehaltene“ Arbeiterschaft, einfach zu blöd ist, ihre Lage zu kapieren und die Verhältnisse zu ändern.

Der famose Klaus Linder schreibt dazu auf Facebook:

Leute, die nur noch über den, befürchteten oder erwünschten, „von Deutschen gemachten Nieder- und Untergang Deutschlands“ sinnieren, als wäre vollständige Unterordnung unter die Bourgeoisie der BRD und deren Unterordnung unter die der USA die ausschließende nationale Besonderheit dieses Landes, haben inzwischen nicht nur meine Skepsis, sondern auch meine Verachtung. Vor allem wenn ich zu bemerken glaube, daß die Schablone einer neo-antideutschen Genugtuung an der Kollektivbestrafung wider besseres Wissen um die Klassenverhältnisse dieses Landes von ihnen übernommen wird, stellt sich etwas wie Ekel vor intellektueller Unredlichkeit bei mir ein, egal von wem es kommt. Diese Art Ekel empfinde ich immer, wenn der kleinmütige Defätismus in großsprechenden Hochmut übergeht, kann ich nichts gegen machen. Und auch „deutscher Hochmut gegen die Deutschen“ ist und bleibt nun mal deutscher Hochmut. Ich kenne ihn aus Westdeutschland zu gut.

Ich meine, daß man über Deutschland und die Zukunft gar nicht reden kann und blind bleibt, wenn man sich nicht von dem beharrlichen Auffindem und dem Studium – Studium, nicht allein Erinnerung, so wichtig die ist – der einzigartigen und noch unausgeschöpften Lehren leiten läßt, die die DDR für die Entwicklung und Zukunft des Sozialismus (also auch Deutschlands, also auch der Menschheit) positiv in sich schließt.

Wer es seit „Gorbi!, Gorbi!“ und der Konterrevolution 1990 in diesem Deutschland hier ausgehalten hat, dem nehme ich heute nicht ab, wenn er jetzt die erfreulichen Siege Rußlands als bequemen Schirm nutzt, um seinen Ressentiments gegen die Volksmassen seines Landes freien Lauf zu lassen, indem er „mit ihnen und der Nation abschließt“, weil sie nicht augenblicks „den Widerstand leisten“, den er oder sie „von ihnen“ jetzt erwartet hätte.

So ist es.

Die Versuchung mag naheliegend sein, in einer Art mentaler Genugtuung auf Nies- oder Ejakulationsniveau sich selber und anderen zu versichern, dass „mit diesem Volk“ nun garantiert Hopfen und Malz verloren sein, doch das verschafft dem so bedrängten Gemüt nur kurzfristige Erleichterung.

Mein Verdacht ist, das solcherart strukturierte Gemüter über kurz oder lang ganz im Lager der faschistischen Volksgemeinschaft landen, dieser Fata Morgana bürgerlicher Ideologie zu Kriegszeiten.

Noch gestern Abend, im Gespräch mit einem lieben Menschen, der mir wieder von der hoffnungslosen Dummheit der Welt im allgemeinen und der Deutschen im Speziellen erzählen wollte, kam mir der fröhliche Gedanke, dass bei allen Härten der jetzigen Zeiten eines doch unzweifelhaft gewiß ist: die Unfähigkeit des imperialistischen Weltsystems, ein anständiges Leben für alle herzustellen, liegt nun für alle Welt offen sichtbar auf dem Tisch der gesellschaftlichen Entwicklung.

Sogar die Apologeten der Ausbeuterordnung räumen das ein (wollen das aber natürlich wieder als „Vorzug“ ihres Lieblingssystems verstanden wissen, das sich beständig „selbst kuriert“ aufgrund eines dubiosen Phänomens namens „Markt“).

Und daraus folgt, dass die Systemfrage mit Macht auf die Tagesordnung drängt.

Wie man liest, gilt bei US-Bürgern unter 30 Jahren Sozialismus als positiver Begriff (das Ausmaß einer solchen Verschiebung der Bewertungen kann nur ermessen, wer jemals länger in Amerika war und die dortige Mentalität kennt).

Auch in Deutschland hat, so liest man, der Schrecken, den die Machthaber seit der Annexion der DDR versuchten, mit dem Sozialismus zu verknüpfen, einiges an Wirksamkeit verloren.

Jetzt ist es an den Kommunisten, die Tendenz aufzugreifen und, statt Weltuntergangsdefätismus zu verbreiten, die WIRKLICHE Alternative für Deutschland aufzuzeigen: nämlich diejenige, deren Prototyp schon einmal vierzig Jahre lang im Osten des Landes gültig war.