
Ausnahmsweise mal den Dienst getauscht und donnerstags statt mittwochs zur Arbeit gegangen. Donnerstags nachmittags findet in der Einrichtung der Gottesdienst statt; heute der evangelische, aber das ist im Grunde egal, wir sind schließlich im Rheinland und hier gilt: leben und leben lassen.
Der überaus populäre Pfarrer erneuert Seelenheil und Glaubensfestigkeit seiner betagten Schäfchen und erzählt den Leuten etwas über die Bedeutung von Pfingsten. Das macht er sehr volkstümlich, indem er die Ausschüttung des heiligen Geistes und das anschließende „Reden in Zungen“ so beschreibt „Das kennen wir ja vom Neusser Schützenfest und vom Karneval: nach dem dritten Bier reden alle in Zungen.“
Damit trifft er den richtigen Ton. Die Leute freuen sich, lachen und betrachten den Pfarrer ganz offensichtlich als einen der ihren: ein Mann des Volkes, einer, der weiß, wo der Frosch die Locken hat und der die Balance zwischen Kirche und Kneipe so zu wahren weiß, wie es am Niederrhein Sitte ist.
Die Verteilung der Liederzettel kann man sich eigentlich sparen, denn fast alle kennen die frommen Erbauungsliedchen auswendig. Den Ohrwurm „Großer Gott, wir loben dich“ habe ich noch in den Abendstunden im Ohr und kann somit wohl als geläutert und bekehrt gelten.