Unter dem Einfluss von 600 Milligram Ibuprofen und 2 Gläsern Qvevri-Saperavi von Koncho & Co aus Georgien sitze ich auf dem Bett und zeichne.
Mein ständiger Begleiter, der Dauer- und Ruheschmerz, ist maximal gedämpft und für ein paar Momente habe ich Knie und Arthrose vergessen. Schwungvoll werfe ich das rechte über das linke Bein, um mich in eine andere Sitzposition zu bringen.
Das hätte ich nicht tun sollen. Die aufeinander reibenden Knochen im Kniegelenk melden höchste Alarmstufe an das Gehirn und bescheren mir ein paar Sekunden exquisiten Schmerzes, der mir die Luft nimmt. Unter quietschenden Lautäußerungen und herzhaften Flüchen bugsiere ich mit beiden Händen das rechte Bein zurück in die Ausgangsposition und atme tief durch, als der Schmerz nachläßt.
Die Liebste, alarmiert von der ungewohnten Geräuschkulisse, erscheint in der Tür und betrachtet mein erbarmungswürdiges Hantieren mit Bein und Knie.
„Also, das mit dem Sex können wir wohl für dieses Leben vergessen!“, konstatiert sie.
Jetzt bin ich ebenfalls alarmiert und frage erschrocken nach: „WIE BITTE? Wieso das denn?!“
„Naja, mit deinen müden Knochen…“ kriege ich zu hören. Sie schiebt noch ein „Wir sind eben ALT!“ hinterher, nimmt mein leeres Weinglas und bringt es kurz darauf, aufs Erfeulichste gefüllt, wieder. Ich ahne, worauf das alles hinausläuft und sträube mich gegen die deprimierende Erkenntnis, dass die körperlichen Freuden des Alters sich vorzugsweise in Essen und Trinken erschöpfen.
Mein Entschluß, mich auf keinen Fall in mein Schicksal zu fügen und zu einem miesepetrigen Opa zu werden, der mit Gehstock und Triebstau durchs Leben wandelt, nimmt überlebensgroße Dimensionen an. Wozu hab ich die attraktivste Frau des bekannten Universums abgekriegt, wenn ich jetzt auf enthaltsam machen muss? Eher lass ich mir ein künstliches Kniegelenk einbauen, als dass ich mich mit einem zölibatären Leben abfinde.

