Geschichten aus dem Pflegeheim: Arbeitsunfall

Beim Aufbau der in die Jahre gekommenen Klapptische für das Nachmittagsangebot (Mal- und Kreativrunde) kracht einer unserer Problemtische (nach vier Jahren Dauereinsatz eingerostet, wackelig, schwergängig und teilweise nur mit brachialer Gewalt aufklappbar, gelöste oder fehlende Schrauben in den Füßen) zusammen und donnert mir mit voller Wucht gegen Schienbein und Knie.

Zuerst tut’s nur ordentlich weh, aber das steckt ein ehemaliger Fußballspieler natürlich weg und macht weiter. Nach ein bis anderthalb Stunden mitten im Angebot merke ich aber, wie das Hosenbein um das Knie anfängt zu spannen, weil das Knie mittlerweile auf Babykopfgröße angeschwollen ist und ich kaum noch auftreten und laufen kann.

Ich beende das Angebot im Zeitrahmen und bitte die Kollegen ums Aufräumen und den Rücktransfer der Leute auf die Wohnbereich, denn mittlerweile kann ich mich nur noch humpelnd fortbewegen.

Natürlich ist für solche Fälle irgendein Prozedere vorgeschrieben und ich trage den Vorfall in das „Unfallbuch“ ein.

Dann schleppe ich mich irgendwie zum Auto und fahre nach Hause, wo ich den Rest des Abends und die anschließende Nacht mit dickem Knie und weitgehend bewegungsunfähig verbringe.

Soweit die Vorgeschichte, aber jetzt wird es richtig bizarr: heute Morgen beim Durchscrollen des Facebook-Feeds finde ich in jedem dritten Posting Werbung von privaten Krankenversicherungen.

Zufall kann es ja kaum sein. Oder ist es denkbar, dass Meta – zu dem ja auch WhatsApp gehört – meine entsprechenden WhatsApp-Nachrichten an die Kollegen aufgreift und deren Inhalt auswertet, um den Reklame-Algorithmus zu füttern?

Ich finde das gruselig und will mir gar nicht vorstellen, welche abseitigen Überwachungs- und Abhörmaßnahmen dazugehören müssen, um um in dieser Geschwindigkeit Vorkommnisse im persönlichen Leben von Leuten aufzugreifen und marketingmäßig zu verwursten.